Energie

BP, Exxon Mobil, Total

Kaufrausch in der Ölbranche

Investitionsstopp und Entlassungen: Der Ölpreisverfall setzte den Multis wie Exxon Mobil und BP lange schwer zu. Doch die Förderkürzung der Opec sorgt für neue Zuversicht – und löst einen Kaufrausch in der Branche aus.
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Die Branchengrößen kaufen vor allem kleineren Rivalen bestimmte Ölfelder ab, als ins ganz große Fusionsfieber zu geraten. Quelle: dpa
Erdölraffinerie in Saudi-Arabien

Die Branchengrößen kaufen vor allem kleineren Rivalen bestimmte Ölfelder ab, als ins ganz große Fusionsfieber zu geraten.

(Foto: dpa)

Der Wind hat sich gedreht. Jahrelang strichen Konzerne wie Exxon Mobil und BP angesichts des Ölpreis-Verfalls ihre Investitionen zusammen, setzten Mitarbeiter vor die Tür und veräußerten wertvolle Beteiligungen. Doch mit der Stabilisierung im Markt sind die Öl-Riesen plötzlich wieder in Kauflaune.

Im vergangenen Monat haben sich die Ausgaben von Energieunternehmen für den Erwerb von Öl- und Gasfeldern mit 31 Milliarden Dollar im Vergleich zu November verdreifacht, wie aus Erhebungen der Beratungsfirma Energy Market Square hervorgeht. Der Umfang der Akquisitionen im Dezember entspricht demnach fast einem Viertel des Volumens im Gesamtjahr.

Auslöser für den Boom dürfte die Ende November beschlossene Förderkürzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sein, mit der das Kartell die Talfahrt der Ölpreise stoppen will. Am Sonntag begrüßten Förderländer sowohl mit und ohne Opec-Mitgliedschaft die Disziplin in den eigenen Reihen, durch die die Produktion gedrosselt wird. Und der Markt erholt sich bereits: Während der Preis für ein Barrel Brent-Öl vor einem Jahr auf rund 27 Dollar von einst über 100 Dollar abgerutscht war, wird die Sorte aktuell wieder bei etwa 55 Dollar gehandelt.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Die daraus resultierende Aufbruchstimmung spiegelt sich in den elf Akquisitionen der Branche wider, die seit der Opec-Einigung bekanntwurden. Unmittelbar davor hatte sich noch ein ganz anderes Bild geboten: Seitdem die Ölpreise im Jahr 2014 in den Keller gegangen waren, übertrafen sich die Konzerne mit immer neuen Sparrunden. Ziel war es, so die Bilanzen angesichts sinkender Öl- und Gasumsätze zu stärken.

Doch jetzt sind bei den Branchengrößen wieder Zu- statt Verkäufe angesagt, erklärt Tony Durrant, Chef der britischen Energiefirma Premier Oil. „Die Öl-Riesen zücken nach langer Zeit wieder das Portemonnaie.“

So investierte der US-Konzern Exxon Mobil in Papua-Neuguinea, und BP aus Großbritannien legte eine Milliarde Dollar für die Beteiligung an Projekten in Westafrika auf den Tisch. Wie auch der russische Rivale Rosneft kauften die Briten zudem Anteile an einem Gasfeld in Ägypten. Total aus Frankreich und Statoil aus Norwegen schließlich erweiterten ihre Geschäfte um Tiefsee-Ölquellen vor Brasilien. Gefragt sind also primär Afrika und Lateinamerika, aber auch in Osteuropa wird gekauft. Weniger im Fokus sind dagegen derzeit die traditionellen Ölregionen Nordsee und Nordamerika.

Und die Branchengrößen kaufen vor allem kleineren Rivalen eher bestimmte Ölfelder ab, als ins ganz große Fusionsfieber zu geraten. Das war noch Ende der 1990er-Jahre anders, als nach der damaligen Phase niedriger Ölpreise Exxon und Mobil verschmolzen, Chevron Texaco kaufte, BP sich Amoco sicherte und Conoco Philips schluckte. Dieses Mal hat allein Royal Dutch Shell mit dem Kauf von BG für 53 Milliarden Dollar eine Großübernahme gewagt - und zwar schon im Februar 2016, also lange bevor die Rivalen ihren jüngsten Einkaufsbummel starteten.

  • rtr
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1 Kommentar zu "BP, Exxon Mobil, Total: Kaufrausch in der Ölbranche"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel,Grande, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

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