Energie

BP-Hauptversammlung
Revolte abgesagt

Ein Jahr ist es her, dass die BP-Aktionäre auf der Hauptversammlung des britischen Ölmultis Sturm liefen. Auslöser war ein überaus üppiger Gehaltsscheck für Chef Bob Dudley. Doch diesmal lief alles anders.
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LondonBP-Chef Bob Dudley hat der Hauptversammlung des Ölkonzerns sicher mit einem mulmigen Gefühl entgegengesehen: Vergangenes Jahr hatten die Investoren lautstark gegen seine Vergütung protestiert. 19,4 Millionen Dollar sollte er da erhalten, 20 Prozent mehr als 2014. Dabei hatte der britische Konzern – wie auch andere Unternehmen der Ölbranche – 2015 unter dem niedrigen Ölpreis gelitten und mit einem Minus von 6,5 Milliarden Dollar den größten Verlust seiner Firmengeschichte verbucht. Im Zuge dessen strich das Management mehr als 5.000 Stellen. Viele Anteilseigner waren deshalb der Meinung, die Gehaltserhöhung sei ein schlechtes Signal.

Darauf musste BP im vergangenen Jahr nicht reagieren, die Abstimmung war nicht bindend. Doch in diesem Jahr wollte man einen derartigen Skandal offenbar vermeiden.

Das sei ein „deutliches Signal“ gewesen, erinnert sich die Vorsitzende des Vergütungsausschusses, Ann Dowling, an die Hauptversammlung vor einem Jahr. Nun man habe eine Reihe Änderungen vorgenommen, und „als Folge davon hat sich die Gesamtsumme von Bob Dudley – in einem Jahr, in dem sich das Unternehmen gut entwickelt und Fortschritte erzielt habe – im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent reduziert“, erklärt sie.

Eine Entscheidung, die bei den Aktionären auf offene Ohren stieß: Einer Auszählung der Proxy-Stimmen zufolge protestierten dieses Mal nicht einmal drei Prozent der Stimmen gegen die Vergütungsstruktur, über 97 Prozent erklärten sich mit ihr einverstanden. Zudem sprachen sich die Aktionäre mit ähnlichen Zustimmungsquoten für die Wiederernennung von Verwaltungsratschef und CEO aus.

Nun werden dem BP-Manager für das vergangene Jahr 11,6 Millionen Dollar ausgezahlt, 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dabei, erklärte Dowling, hätte er für 2016 sogar bis zu 13,8 Millionen Dollar erhalten können. Die Vergütung setzt sich aus einem Fixgehalt, einem Bonus, Aktien und Pensionsansprüchen zusammen.

Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg sparte bei der Hauptversammlung im Londoner Osten gleichwohl nicht an Lob für seinen Top-Manager: Dudley und sein Team hätten „hervorragende Arbeit geleistet“, erklärte er den Investoren. „BP ist ein wundervolles Unternehmen und bereit für die Zukunft”. BP hatte 2016 wieder einen Gewinn erzielt und für das erste Quartal einen Gewinnsprung auf 1,5 Milliarden Dollar vermeldet.

Trotz der Gehaltskürzung dürfte Dudley weiterhin zu den Spitzenreitern in der europäischen Branche zählen. Shell-Chef Ben van Beurden erhält für 2016 insgesamt 8,8 Millionen Dollar, ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Total-Chef Patrick Pouyanne erhielt 4,1 Millionen Dollar, 25 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

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