Energie

Brasilianischer Energieversorger
Wette auf Batista kommt Eon noch teurer zu stehen

Vor zwei Jahren tat sich Eon in Brasilien mit Eike Batista, dem damals achtreichsten Menschen der Welt, zusammen. Doch das Batista-Imperium ist inzwischen zusammengebrochen – und Eon bleibt auf den Kosten sitzen.
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Zwei Jahre, nachdem Eon sich mit Eike Batista zur Gründung des größten nichtstaatlichen Energieversorgers in Brasilien zusammengetan hat, muss der deutsche Konzern wahrscheinlich noch mehr Geld in das Gemeinschaftsunternehmen pumpen – ohne Unterstützung von Batista.

Die Aktie des Jointventure Eneva schneidet unter den weltweiten Stromerzeugern am schlechtesten ab, seit Eon im April 2012 mit dem Aufbau eines Anteils von inzwischen 37,9 Prozent begann. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz zwar fast um das 30-fache gestiegen, da sechs neue Kraftwerke in Betrieb gingen; gleichzeitig sorgten jedoch Verzögerungen bei neuen Projekten für höhere Kosten und zwangen Eneva, am Tagesmarkt Strom einzukaufen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise auf einem Rekordhoch waren. Damit haben sich die Verluste bei dem in Rio de Janeiro angesiedelten Unternehmen verschärft.

Jetzt verhandelt das Management unter der Führung von Fabio Bicudo mit Aktionären, darunter auch die Mehrheitseigentümer Eon und Batista, über eine Stärkung der Finanzen.

„Mit Eike Batista haben sie auf das falsche Pferd gesetzt“, sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Konzentration auf neue Projekte statt auf bestehende Anlagen habe das Gemeinschaftsunternehmen Kostensteigerungen ausgesetzt.

Batista, der 23,9 Prozent an Eneva hält, war früher der achtreichste Mensch der Welt. Inzwischen hat er Beteiligungen und Sparten der ihm gehörenden Unternehmen veräußert, nachdem steigende Schulden und nicht erreichte Unternehmensziele den Nicht-mehr-Milliardär zwangen, Projekte aufzugeben. Der Aktienkurs von Eneva ist seit Oktober um 70 Prozent eingebrochen.

Neben dem Zusammenbruch des Batista-Imperiums machen dem Gemeinschaftsunternehmen aufsichtsrechtliche Änderungen zu schaffen, mit denen Brasilien die Strompreise senken will, erläutert Adriano Pires, Leiter des Beratungsunternehmens Brazilian Center for Infrastructure. „Sie sind nach Brasilien gekommen, als Eike noch das Goldkind war“, sagte Pires. „Außerdem ist Eneva ein Opfer des aufsichtsrechtlichen Chaos, das das staatliche Eingreifen in der Elektrizitätsbranche hervorgerufen hat.“

Die Wurzeln von Eneva reichen bis ins Jahr 2001 zurück, als Brasilien angesichts einer Dürre, die die Wasserspeicher austrocknete, den Strom rationierte. Batista gründete ein Unternehmen namens MPX, um ein Wärmekraftwerk im nordostbrasilianischen Bundesstaat Ceara zu bauen, wie er in seinem 2011 erschienenen Buch „O X da Questao“ beschreibt. Das Kraftwerk verkaufte er dem Buch zufolge später an Petrobras mit einem Gewinn von 50 Millionen Dollar.

MPX, das keinen Umsatz erzielte, aber acht Kraftwerke in Brasilien und eines in China errichten wollte, ging Ende 2007 an die Börse und wurde als zweites von Batistas Unternehmen in Sao Paulo gelistet. Der Börsengang spielte 2,2 Milliarden Real (716 Millionen Euro) ein.

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Wichtige Kraftwerks-Projekte verzögern sich

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