Energie

Braunkohle Ostdeutschland
Steag liefert sich Bieterrennen mit Tschechen

Das Braunkohle-Image in Deutschland ist angekratzt. Kein guter Zeitpunkt für Vattenfall, um seine Werke in der Lausitz loszuwerden. Der deutsche Energiekonzern Steag hat Interesse – und erntet Kritik von allen Seiten.

Cottbus/EssenDas Bieterrennen um die ostdeutsche Braunkohle in der Lausitz geht in eine entscheidende Phase. Interessenten sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bis Mitte März aufgerufen, verbindliche Angebote beim Energiekonzern Vattenfall abzugeben.

Danach könnte sich schnell entscheiden, mit wem verhandelt wird. Es gibt momentan wohl vier Interessenten – drei tschechische Unternehmen und den Essener Energiekonzern Steag. Offiziell äußert sich Steag aber nicht zu einem möglichen Angebot für die Anlagen.

Eigner des Ruhrgebietskonzerns sind sieben Stadtwerke aus der Region, deren Vertreter im Aufsichtsrat eine solche Entscheidung mittragen müssten. Umweltverbände mobilisieren seit Wochen vor Rathäusern und der Essener Steag-Zentrale gegen einen möglichen Kauf – mit Erfolg. In den meisten Eigner-Kommunen haben Stadträte sich mit großer Mehrheit dagegen ausgesprochen.

Der sehr hohe CO2-Ausstoß des „Klimakillers“ Braunkohle ist dabei nur ein Argument. Die Kritiker in den Stadträten fragen auch, warum die Zukunft der ostdeutschen Braunkohlegruben ausgerechnet von einem westdeutschen Unternehmen in kommunaler Hand gesichert werden sollte, das wegen des abgestürzten Börsenstrompreises selbst nicht auf Rosen gebettet ist. Das ostdeutsche Revier sei mit Umweltrisiken belastet, die niemand verlässlich beurteilen könne.

Für Vattenfall ist der Moment für die Verkaufspläne des zweitgrößten Braunkohlereviers in Deutschland mit 8000 Jobs denkbar ungünstig. Seit der Pariser Klimakonferenz gerät der fossile Energieträger, der 2015 immerhin noch mehr als ein Viertel der deutschen Kraftwerks-Stromproduktion lieferte, politisch immer stärker unter Druck. Zugleich ist der Börsenstrompreis so stark gefallen, dass selbst die Braunkohle als nach der Atomenergie günstigste fossile Energieform derzeit kaum noch Gewinne erwirtschaftet.

Energiekonzerne wenden sich erneuerbaren Energien zu und benötigen dafür Investitionsmittel – auch einer der Gründe, warum der schwedische Staatskonzern Vattenfall die schmutzige Braunkohle abstoßen will. Bis zum Sommer soll der Verkauf über die Bühne gegangen sein. Wie zu hören ist, könnte die schwedische Politik das letzte Wort in dem Verkaufsprozess haben.

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Umweltschützer und Grüne fordern schon lange Braunkohle-Ausstieg

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