Energie

Britischer Stahlstandort

Tata findet ersten Käufer

Gute Nachrichten für über 4000 Beschäftigte in Großbritanniens Stahlindustrie: Tata hat einen ersten Käufer gefunden. Es soll keine Entlassungen geben. Die Veräußerung von weiterem Großstandort dürfte schwieriger werden.
Der indische Konzern Tata Steel hat einen Käufer für eine wichtige Sparte gefunden. Quelle: AFP
Tata Steel

Der indische Konzern Tata Steel hat einen Käufer für eine wichtige Sparte gefunden.

(Foto: AFP)

LondonIn Großbritanniens krisengebeutelter Stahlindustrie können mehrere Tausend Arbeiter aufatmen. Der vor dem Absprung stehende indische Konzern Tata Steel hat einen Käufer für eine wichtige Sparte gefunden. Wie der größte Stahlkocher des Landes mitteilte, übernimmt der Finanzinvestor Greybull Capital den Geschäftsbereich Long Products Europe im nordenglischen Scunthorpe, der 4400 Beschäftigte zählt. Der Käufer plant nach eigenen Angaben keine Entlassungen. Er zahlt einen symbolischen Kaufpreis von einem Pfund, will dem Standort aber ein Investitions- und Finanzierungspaket von umgerechnet einer halben Milliarde Euro (400 Millionen Pfund) zur Verfügung stellen. Teil des Deals sind ferner Vereinbarungen mit Zulieferern und Gewerkschaften über Kostensenkungen.

Für Großbritanniens einst stolze Stahlbranche bedeutet die Transaktion zugleich eine Neubelebung der Tradition. Denn das Geschäft soll künftig wieder den altehrwürdigen Namen "British Steel" tragen, der vor fast zwei Jahrzehnten aus dem Firmenregister verschwand.

Diese Rohstoffpreise sind im freien Fall
Platz 20: Stahl
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Kein anderer Rohstoff hat von Januar 2015 bis November 2015 so stark nachgegeben wie Stahl. Die Verluste belaufen sich auf fast 40 Prozent. Verantwortlich für den Preisverfall ist die absackende Nachfrage aus China. Zudem etabliert sich das Reich der Mitte immer mehr als Stahlanbieter, denn -nachfrager. Der Preis für eine Tonne des Rohstoffs nähert sich daher dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Eine Stabilisierung der Preise ist dennoch nicht in Sicht. Die Stahlhersteller rechnen auch im kommenden Jahr mit fallenden Preisen.

Preisentwicklung (seit Jahresanfang 2015 bis Ende November 2015): - 38,5 Prozent

Platz 19: Erdgas
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Der bisher milde Winter sorgt für einen Nachfragerückgang beim Erdgas. Industriegase-Unternehmen wie Linde leiden darunter.

Preisentwicklung: - 33,4 Prozent

Platz 18: Platin
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Die hohen Fördermengen südafrikanischer Minen drücken den Platinpreis. Im Jahr 2015 hat sich das Edelmetall zeitweise um über 30 Prozent verbilligt. Rohstoffexperten erwarten jedoch im kommenden Jahr eine Preiserholung. Denn die Nachfrage nach Platin aus dem Automobil- und Industriesektor wird 2016 aller Voraussicht nach steigen.

Preisentwicklung: - 32,4 Prozent

Platz 17: Palladium
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Nach dem VW-Abgasskandal erlebte Palladium eine kurzfristige Hausse. Denn Palladium ist einer der Bestandteile, die die Autohersteller in ihre Dieselkatalysatoren verbauen. Die Kurserholung hielt allerdings nicht lange an. Denn wie Platin leidet auch Palladium unter einem Überangebot. Doch im Gegensatz zu Platin rechnen Analysten im Jahr 2016 nicht mit einer Erholung der Palladiumpreise, da die Nachfrage in China wahrscheinlich zurückgehen wird.

Preisentwicklung: - 31,7 Prozent

Platz 16: Eisenerz
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Der Nachfragerückgang bei Stahl wirkt sich unmittelbar auf die Eisenerzpreise aus. Denn Eisenerz ist ein elementarer Bestandteil bei der Stahlproduktion. Der Preis rutschte daher mit 39,28 Dollar pro Tonne auf den tiefsten Stand aller Zeiten. „Die Stabilisierung der chinesischen Stahlpreise sind der Schlüssel für einen Stimmungsumschwung am Eisenerz-Markt“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. „Um dies zu erreichen, muss die Branche aber ihren Ausstoß verringern.“ Doch genau das tut sich nicht. Dahinter steckt ein Verdrängungswettbewerb. Das Kalkül: Die größeren Rohstoffunternehmen wollen kleine Rivalen entweder aus dem Markt drängen oder einverleiben.

Preisentwicklung: - 29,8 Prozent

Platz 15: Kaffee
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Die Baisse an den Rohstoffmärkten macht auch vor Kaffee nicht halt. Doch die Zeichen stehen gut, dass sich der Preis künftig erholen könnte. Denn aufgrund des Wetterphänomens El Niño wird die Produktion in Kolumbien zurückgehen. Die weltweite Nachfrage hingegen geht kaum zurück und dürfte in den Wintermonaten 2015/16 noch steigen, da der Kaffeekonsum in der kalten Jahreszeit in der Regel zunimmt.

Preisentwicklung: - 28,7 Prozent

Platz 14: Kupfer
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China fragt nicht nur weniger Stahl nach. Auch Kupfer ist bei chinesischen Unternehmen nicht mehr so begehrt. Das liegt vor allem am Wachstumsrückgang im Reich der Mitte. Selbst chinesische Kupferunternehmen drosseln bereits ihre Kupferproduktion, weil sie im eigenen Land immer weniger Abnehmer finden. 200.000 Tonnen wollen die Konzerne im Jahr 2016 weniger produzieren. Aus diesem Grund ist 2016 allenfalls mit einer Stabilisierung des Preises zu rechnen.

Preisentwicklung: - 27,6 Prozent

Wegen der Branchenkrise will Tata sich von seinem kompletten Großbritannien-Geschäft mit 15.000 Beschäftigten trennen. Die Käufersuche für den anderen Großstandort Port Talbot in Wales mit 4000 Mitarbeitern dürfte langwieriger werden, weil viele schwierige Punkte wie Pensionsverpflichtungen und Energiesubventionen zu klären sind. Interesse hat bereits der Geschäftsmann Sanjeev Gupta gezeigt, der den Metallhändler Liberty House Group leitet.

Tata beklagt hohe Fertigungskosten, einen schwächelnden Markt und - wie die gesamte Branche in Europa - zunehmende Billigkonkurrenz aus China. Die Verkaufspläne des Konzerns setzen auch den britischen Premierminister David Cameron vor dem Referendum über den EU-Verbleib im Juni unter Druck. Aus Sicht von EU-Gegnern hat er zu wenig zum Schutz der Stahlindustrie getan, die einst das Herz der britischen Wirtschaft war. Camerons Konservativen wird vorgeworfen, den Niedergang der Branche unter Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980er Jahren eingeläutet zu haben.

  • rtr
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