Energie

China auf der Überholspur
Keine Entwarnung für Stahlindustrie

China wird in den nächsten Jahrzehnten so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen. In Europa erlebt die Schwerindustrie hingegen eine Flaute. Thyssen-Krupp und Salzgitter reagieren mit Stellenabbau.
  • 1

DüsseldorfDie schwächelnden Stahlkocher in Deutschland können keine Entwarnung geben. „Es ist keine Frage, die Stahlindustrie befindet sich in einem Krisenmodus“, sagte der Präsident des deutschen Branchenverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, am Dienstag auf der „Handelsblatt Jahrestagung Stahlmarkt 2014“ in Düsseldorf. Zwar gebe es eine leichte Erholung, die Lage sei aber weiter schwierig. Die Nachfrage von Kunden wie der Automobil- und der Bauindustrie ziehe an. Den Stahlherstellern machten jedoch der Preisdruck und hohe Rohstoffkosten zu schaffen. Der Verband bekräftigte sein Prognose, wonach die Rohstahlproduktion in Deutschland 2014 leicht zulegen wird.

Auch die jüngsten Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Die Rohstahlproduktion stieg zwar im Januar um gut zwei Prozent. Die Auftragseingänge waren aber im Schlussquartal 2013 um vier Prozent gefallen. Der Stahlverband führte dies zwar auch auf eine höhere Zahl von Brückentagen zurück. Es gehe aber insgesamt nur langsam bergauf.

Die Hersteller mit den deutschen Branchenführern Thyssen-Krupp und Salzgitter kämpfen seit über zwei Jahren mit einer schwachen Nachfrage und Überkapazitäten. ArcelorMittal hat sogar Werke geschlossen. In Europa lag die Nachfrage zuletzt nach Angaben des Stahlverbands knapp 30 Prozent unter dem Niveau von 2006. In Italien oder Spanien betrage das Minus 50 beziehungsweise 60 Prozent. Thyssen-Krupp baut im Stahlgeschäft Tausende Arbeitsplätze ab. Der Konzern legt am Freitag seine Quartalszahlen vor. „Auch wir erwarten eine leichte Erholung“, sagte der Chef der europäischen Stahlsparte, Andreas Goss, auf der Konferenz. Große Sprünge seien in den kommenden Jahren aber nicht zu erwarten.

Chinas Stahlhunger ist unterdessen auch in den kommenden zehn Jahren ungebrochen, während die Schwerindustrie in Europa noch eine weitere Durststrecke vor sich hat. „China bleibt der wichtigste Nachfrager von Stahl. Die chinesische Industrie wird bis 2025 mit 1,1 Milliarden Tonnen annähernd so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen“, ist sich Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PricewaterhouseCoopers (PwC) sicher. Die krisengeplagten Euro-Länder und die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern stimmen die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC allerdings insgesamt pessimistischer.

Sie korrigierten daher ihre Prognose für die weltweite Stahlnachfrage nach unten und rechnen bis 2025 durchschnittlich noch mit einem Plus von 3,5 Prozent pro Jahr, wie PwC am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatten die Stahlexperten noch einen jährlichen Anstieg um 3,8 Prozent vorausgesagt.

Während in China der Stahlbedarf pro Jahr im Schnitt um 4,3 Prozent zulegen werde, wachse er in den 28 EU-Ländern bis 2025 im Schnitt lediglich um 1,25 Prozent pro Jahr. Deutschland bleibe Wachstumsmotor in Europa mit einem jährlichen Zuwachs um 1,64 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " China auf der Überholspur: Keine Entwarnung für Stahlindustrie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bernecker hatte am Jahresende ja die Deutsche Bank mega hochgelobt und die Stahlindustrie als Indikator des Aufschwungs dargestellt.

    Man sollte Banken und Stahl im Auge behalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%