Energie

Christiansen im Aufsichtsrat
Durchsuchung bei Windreich

Erst im Januar war Sabine Christiansen als Kontrolleurin in den Aufsichtsrat des Windparkbauers Windreich eingezogen. Jetzt durchsuchen Ermittler die Firma wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation.
  • 29

DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Büroräume von Deutschlands größtem Windparkbauer Windreich im baden-württembergischen Wolfschlugen durchsucht. Diese Informationen von Handelsblatt Online bestätigte nun auch die Staatsanwaltschaft.

Rund 35 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes und vier Vertreter der Staatsanwaltschaft Stuttgart hätten die Windreich Hauptverwaltung sowie vier Privatwohnungen unter anderem wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation durchsucht, hieß es in einer Mitteilung. Es seien zahlreiche Unterlagen - rund 1.200 Stehordner - und große Mengen digitaler Daten sichergestellt worden. Die Auswertung des Materials werde „einen erheblichen Zeitraum in Anspruch nehmen“. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft fünf amtierenden und ehemaligen Vorstandsmitgliedern des Unternehmens Bilanzmanipulation vor. Durch Überbewertung von Vermögenspositionen sollen sie die Jahres- und Konzernabschlüsse sowie Konzernlageberichte geschönt haben.

Konkret bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten in den Jahren 2010 und 2011 Forderungen und Umsätze in Millionenhöhe auswiesen, denen entweder keine effektiven Geschäfte zugrunde lagen oder aber Geschäfte mit einem deutlich niedrigeren Gegenwert, oder aber Forderungen, bei denen mit einer Tilgung nicht mehr ernsthaft zu rechnen war.

Die Ermittler gehen dem Verdacht des Kapitalanlagebetrugs, der Marktpreismanipulation und des Kreditbetrugs nach.

Das Unternehmen selbst ist bisher nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Auf ihrer Homepage hat sich die Firma aber in einem offiziellen Brief an die Anleihezeichner gewandt und die Durchsuchungen eingeräumt. „Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart, da uns an einer schnellen Ausräumung der Vorwürfe gelegen ist." Die Anschuldigungen werden sich als haltlos erweisen. "Wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nehmen wir in der Sache selbst derzeit keine Stellung.“

Die 130 Mitarbeiter von Windreich sind ein wichtiges Rädchen in der Energiewende. Das Unternehmen bereitet den Bau der Offshore-Windanlagen in Nord- und Ostsee vor. Es prüft die Machbarkeit, holt Genehmigungen ein und entwickelt Windparks soweit, dass sie anschließend an Betreiber verkauft werden. Mehr als ein Drittel der bislang zur Verfügung stehenden Fläche für Windparks im deutschen Meer werden von Windreich entwickelt. Das Unternehmen steckt allerdings in den roten Zahlen. Kürzlich verließ Ex-Telekom-Vorstand Karl-Gerhard Eick das Unternehmen, das er eigentlich als Finanzvorstand an die Börse bringen sollte. Mit Sabine Christiansen als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender holte sich Firmenchef Willi Balz jüngst wieder ein prominentes Gesicht in sein Gremium. Der ehemalige FDP-Landeswirtschaftsminister Walter Döring gehörte ebenfalls zeitweise zum Führungspersonal der Firma. Auch gegen ihn sollen Ermittlungen laufen.

Balz selbst, ein begeisterter Oldtimerfahrer und Segelflieger, gilt als visionärer Ingenieur - bei der Finanzierung seines Unternehmens steckt er jedoch seit Monaten in der Krise. Er hatte in den vergangenen Jahren versucht, über Unternehmensanleihen an frisches Geld für seine Firma zu kommen. Die Kurse der beiden Windreich-Anleihen sind jedoch in dieser Woche so tief abgestürzt wie nie zuvor: Bei rund einem Viertel des Nennwerts wurden die Firmenbonds am Dienstag an der Stuttgarter Börse zeitweise gehandelt. Insgesamt 125 Millionen Euro hat sich der der Windparkbauer bei den Anlegern geliehen.

Die Anleger sorgen sich um die Rückzahlung. Denn die Zinsen für die erste Windreich-Anleihe über 50 Millionen Euro, die 2015 fällig wird, bediente Firmenchef Balz erst mit zweitägiger Verspätung. „Wir bitten unsere Anleihezeichner für die entstandene Verzögerung von zwei Bankarbeitstagen um Verständnis“, schreibt Willi Balz in der Presseerklärung.

Am Montag setzte die Börse Stuttgart den Handel der beiden Windreich-Papiere daraufhin aus. „Aus Anlegerschutzgründen“, wie es in Stuttgart heißt. Nachdem Windreich die Zahlung der fälligen Zinskupons bekanntgab, nahm die Börse den Handel wieder auf. Doch da waren die Kurse der beiden Anleihen bereits abgestürzt. Zuletzt rangierten sie bei 36 und 32 Prozent ihres Nennwerts.

Von dem Mittelstandssegment BondM der Stuttgarter Börse hat sich das Unternehmen inzwischen ganz verabschiedet, laut Unternehmensangaben, weil man die Kosten für das verpflichtende Rating sparen will. Auch damit hatte es in Stuttgart Ärger gegeben: Windreich war laut einem Bericht der "Börsenzeitung" der Pflicht nicht nachgegangen, ein Folgerating zu veröffentlichen, obwohl ein gültiges Rating laut der zuständigen Agentur Creditreform bereits vorlag. Von Seiten des Emittenten sei eine Veröffentlichung nicht erwünscht gewesen, hieß es von Creditreform.

Ein Grund für die Abwertung sind ungeplante Abschreibungen auf die Windreich-Beteiligung am inzwischen insolventen Windanlagenbauer Fuhrländer. Beim Verkauf der letzten Tranche der Windreich-Anleihe im Frühjahr 2012 rührte Balz die Werbetrommel und verwies auch auf die Beteiligung an Fuhrländer, die er in höchsten Tönen lobte.

Was Balz nicht erwähnte: Fuhrländer stand zu dieser Zeit mit dem Rücken an der Wand. Das Unternehmen war überschuldet. Im Januar 2012 war mit Werner Heer ein neuer Vorstandsvorsitzender bei Fuhrländer installiert worden. Heer berichtete später auf einer Pressekonferenz, dass bereits Anfang des Jahres 2012 „die Banken wegen des Liquiditätsproblems der Firma nicht mehr mitmachen wollten“. Schon drei Monate vorher im Herbst 2011 seien fest eingeplante Projekte weggebrochen und der Umsatz um bis zu 60 Prozent gesunken.

Balz saß als zweitgrößter Aktionär im Aufsichtsrat bei Fuhrländer. Er hätte in dieser Funktion über die heikle Lage bei Fuhrländer Bescheid wissen und die Interessenten für seine eigene Anleihe darüber unterrichten müssen. So steht es jedenfalls in den Geschäftsbedingungen der Börse Stuttgart, wo die Anleihe gehandelt wird. Dort heißt es: Der Emittent verpflichte sich „unverzüglich konkrete Informationen zu veröffentlichen, die geeignet sind, im Falle eines öffentlichen Bekanntwerdens den Börsenpreis der ausgegebenen Wertpapiere erheblich zu beeinflussen.“ Balz war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme hierzu zu erreichen. Er selbst sieht sich als Opfer einer Kampagne. Niemand treibe die Energiewende so stark voran wie sein Unternehmen hatte er Handelsblatt Online gesagt - bevor die Ermittler angeblich anrückten. Seither herrscht Funkstille.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Christiansen im Aufsichtsrat: Durchsuchung bei Windreich "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. "

    Ich habe schon soviel Schwachsinn und Lügen über Kernenergie Strahlung Deutschen Strom-export den Klimawandel Aflatoxin usw in den Medien Zeitungen und Zeitschriften gelesen und gehört das es sich keine Redaktion mehr anmahsen sollte von einem Leser Sachlichkeit einzufordern.
    Sachlichkeit ist unter Deutschen Jornalissten Mangelwahre von Richtigkeit Warheit und Neutralität wollen wir garnicht erst anfangen.

    Ich jedenfalls würde den beitrag von (vandale) gerne lesen.
    Über die Sachlichkeit enscheide ich selber.

  • Hier sei auf die Greenpeacestudie verwiesen (bitte selber googeln). Die behaupten es werden bis zum Ende der Kernenergie ca. 300 Mrd. an Subventionen in diese Technologie fliessen. Dafür hatten wir aber auch mehr als 30 Jahre zuverlässige Energieversorgung. Das EEG beläuft sich bereits jetzt auf 100Mrd. Forschungsmittel, Netzanschluss etc. sind da garnicht eingerechnet. Herr Altmeier spricht am Ende gar von 1 Billion. So viel zum Vergleich

  • Richtig so Vandale, rüttel sie wach. Wir brauchen hier in DE 400 AKWs bis 2050, dann sparen wir uns jedes Jahr 100 Mrd für Öl und Kohle importe und werden tatsächlich weitgehend CO2-frei. Die Luftverschmutzung würde auch drastisch zurückgehen und wir wären Geopolitisch nicht mehr erpressbar.
    Und die Deindustriealisierung durch überteuerte Energie würde beendet werden. Keinen Netzausbau für 1.000 Mrd. Kein Wirtschaftliches Harakiri und vor allem schluss mit dem Essen zu Energie, egal ob Pflanzenöl oder Ethanol, dass schadet nicht nur der Natur, sondern tötet durch die Erhöhung der Nachfrage und der Preise auch zu viele hilflose arme Menschen in der Dritten Welt. Die Ökos sind asozial, unmoralisch und unethisch in ihrem antihumanistischem Malthusianismus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%