Energie

Crowdinvesting
Wenn neue Ideen die Strompreise treiben

Die Ökostrom-Zulage klettert auch im kommenden Jahr und stetig kommen weitere Wind- und Solaranlagen hinzu. Ein Grund: Die Kreativität, Geld für neue Projekte zu finden. Die „Genossenschaft 2.0“ und die Nebenwirkungen.
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Billy Parish hatte gerade sein erstes Jahr an der renommierten Yale University hinter sich, als er vor dem dahinschmelzenden Gaumukh-Gletscher in Indien stand. Er erfuhr, dass der Gletscher durch den Klimawandel schon im Jahr 2030 verschwunden sein könnte. Anstatt die wertvollen Jahre im Hörsaal zu verbringen, entschied er sich, das Studium abzubrechen und etwas gegen den Klimawandel zu tun. Er gründete die Energy Action Coalition, eine Jugendorganisation für saubere Energie. Als Parish 21 Jahre alt war, hatte die Organisation bereits 300.000 Mitglieder und war damit weltweit die größte ihrer Art.

Inzwischen ist der junge Aktivist zum Unternehmer geworden. Vor zweieinhalb Jahren gründete er die Firma Mosaic, über die Investoren seit Anfang des Jahres in neue Solaranlagen und andere Energieprojekte investieren. Die Idee ist bereits nach Deutschland geschwappt. Zu einer Zeit, in der die steigende Ökostrom-Zulage wieder die Gemüter erhitzt.

Die Ideen, weitere alternative Energieprojekte zu finanzieren, reißen nicht ab und helfen der regenerativen Stromproduktion zu neuem Schwung. Das ist ein Grund, weshalb alle Stromkunden über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz tiefer in die Tasche greifen müssen. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird 2014 auf den Rekordwert von 6,24 Cent je Kilowattstunde festgesetzt, teilte der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW am Dienstag mit.

Was in die Ökostrom-Branche Einzug nimmt, ist das von einer internetaffinen Generation getriebene „Crowdfunding“. Die Finanzierung durch eine Masse an Internetnutzern hat sich über die vergangenen Jahre weltweit einen Namen gemacht. Unternehmen wie Kickstarter haben vorgemacht, dass man Projekte, für die sich Menschen begeistern können, hervorragend über die Aktivierung vieler kleiner Investoren finanzieren kann – sogar wenn es anstatt einer finanziellen Rendite nur eine kleine Danksagung für das Investment gibt.

2012 haben bei Kickstarter mehr als 2,2 Millionen Menschen aus 177 Ländern 18.109 Projekte finanziert, von Brettspielen über Opern bis hin zu Süßigkeitenfabriken – sogar eine Bushaltestelle wurde durch die Plattform möglich gemacht. Kickstarter gibt es dabei erst seit vier Jahren.

Ein Nachahmer ist Crowdener.gy, eine Firma aus Berlin, bei der Anleger Genossenschaftsanteile an Solarprojekten kaufen können. Sie erhalten dafür eine entsprechende Dividende, je nach Projekt von vier bis acht Prozent, sagt Mitgründer Peer Piske. Kommt die Finanzierung eines Projekts erfolgreich zusammen – bei Crowdener.gy betrug diese bisher jeweils zwischen 18.000 und 65.000 Euro – kassiert das Startup eine Gebühr von zehn Prozent auf das Einstiegskapital.

Außerdem verdient das Unternehmen an der Vermittlung von Dienstleistungen wie Installation, Fremdfinanzierung und Versicherungen. Anders als bei der US-Variante Mosaic bekommen Anleger bei den Deutschen ihre Investitionssumme nicht ratenweise zurück, sondern erst, wenn das Projekt ausläuft oder sie ihre Mitgliedschaft kündigen.

Kommentare zu " Crowdinvesting: Wenn neue Ideen die Strompreise treiben"

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  • So sieht es aus, wenn man der Jahrzehnte langen grünen Gehirnwäsche erlegen ist.

    Vor dem Abschalten der deutschen KKWs entfielen auf jeden Deutschen ca. 150g pro Jahr einzulagerndes Material. Dieses kann man durch Wiederaufarbeitung auf wenige Gramm reduzieren. Gleichzeitig werden jedes Jahr zehn tausende von Tonnen biologisch wirksamer Gifte eingelagert, die sich - im Gegensatz zum radioaktiven Material - niemals zersetzen.

    HOPPLA, warum sagt denn dazu niemand etwas?
    Ach ja, es sind ja Gifte, die nicht strahlen, also alles kein Problem, obwohl bei manchen Stoffen ein feiner Tropfen auf der Haut reicht und man ist tot. Strahlung lässt sich relativ einfach messen, 'biological hazard' aber nicht so einfach.

    Fukushima hat gezeigt, dass eine Kernschmelze beherrschbar ist, ohne dass ein einziger Mensch um Leib und Leben gekommen ist. Einfach mal folgendes lesen: http://tinyurl.com/6m2o7c5
    Aber nein, Fakten resistente Nicht-Techniker lassen sich sowieso nie durch eine Statistik überzeugen.

  • @leser
    das interpretieren sie leider falsch. HofmannM hat mir das nur Unterstellt, bzw. diese Betrachtung untergeschoben. Ich hatte ihn lediglich gefragt, wie er um die Gefahr eines GAU denken würde, wenn er seinerzeit in der Region gelebt und dort seine Existenz aufgebaut hätte.

  • @HofmannM
    Fanatisch in seinem Glauben zu sein vernebelt zuweilen die Sinne für die Realität, ich danke Ihnen für dieses erklassige Beispiel das Sie uns hierfür geben haben.

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