Energie

Dank Steuererstattung
Milliardengewinn für RWE

Nach EnBW und Eon hat auch RWE einen satten Gewinn ausgewiesen – das liegt aber vor allem an der Atomsteuer, die der Bund zurückgezahlt hat. Mit den Kraftwerken verdient Deutschlands größter Stromproduzent aber weniger.
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DüsseldorfKrise? Welche Krise? Wer in diesen Tagen in die Zwischenberichte der großen deutschen Energiekonzerne schaut, fühlt sich an die alten, glänzenden Zeiten erinnert. Zuerst meldete EnBW einen Überschuss von 1,7 Milliarden Euro, dann verbuchte Eon sogar ein Plus von vier Milliarden Euro – und jetzt wies auch RWE einen hohen Milliardengewinn aus: Unter dem Strich summierte sich das Nettoergebnis auf 2,7 Milliarden Euro – fast fünfmal mehr als vor einem Jahr. Im Geschäftsjahr 2016 hatte RWE noch einen Verlust von knapp sechs Milliarden Euro zu verkraften.

Die deutschen Energiekonzerne profitieren freilich nur von einem bedeutenden Sondereffekt: Der Bund hat die Brennelementesteuer, die er nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zwischen 2011 und 2016 zu Unrecht kassiert hatte, zurückgezahlt. RWE hat dafür inklusive Zinsen knapp zwei Milliarden Euro erhalten.

Um Sondereffekte bereinigt, stieg das Nettoergebnis aber auch um 35 Prozent auf 809 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 17 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. „RWE ist auf Kurs“, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. „Nach unseren aktuellen Planungen werden wir das Geschäftsjahr am oberen Ende unserer Prognose abschließen.“ Beim bereinigten Nettoergebnis rechnet RWE mit rund 1,3 Milliarden Euro.

Ende Juni hatte Schmitz wegen der Steuererstattung, mit der nicht unbedingt zu rechnen war, schon eine Sonderdividende von einem Euro je Aktie angekündigt. Die soll zusätzlich zu der bereits versprochenen regulären Dividende von 50 Cent gezahlt werden. In den vergangenen zwei Jahren waren die Stammaktionäre jeweils leer ausgegangen.

Die Sonderausschüttung summiert sich auf 615 Millionen Euro. Es bleibt also noch ein Milliardenbetrag von der Steuerrückzahlung übrig, den RWE wie die anderen Energiekonzerne gut zur Stärkung der Bilanz gebrauchen kann. Die Nettoschulden sanken um 5,4 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro.

Die Atomkonzerne waren allesamt durch die Energiewende in ernste Turbulenzen geraten. Zum einen müssen sie nach und nach ihre Atomkraftwerke vom Netz nehmen. Zum anderen werden die Kohle- und Gaskraftwerke zunehmend von Wind- und Solarenergie, die politisch gefördert werden, aus dem Markt gedrängt.

Insbesondere RWE hatte in den vergangenen Jahren im Kerngeschäft einen radikalen Absturz erlebt – und wie Eon im vergangenen Jahr eine Aufspaltung beschlossen. Im Gegensatz zu Eon behielt RWE aber selbst das alte Geschäft mit der konventionellen Stromproduktion und den Großhandel und gliederte erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in das neue Unternehmen Innogy aus.

Im Segment „Europäische Stromerzeugung“, das vor allem die Produktion mit Steinkohle und Gas umfasst, ging das um Sondereffekte bereinigte Ebit im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf 69 Millionen Euro zurück. In den Atomkraft- und Braunkohlekraftwerken, die RWE inzwischen separat ausweist, sank das Ebit um fünf Prozent auf 262 Millionen Euro.

Die Rahmenbedingungen haben sich zwar etwas verbessert. Nachdem der Preis für die Megawattstunde Anfang 2016 auf Tiefstwerte von nur noch knapp über 20 Euro gefallen ist, kostet sie inzwischen wieder mehr als 30 Euro. Zumindest die Braunkohleanlagen des Konzerns dürften bei diesen Preisen wieder Geld verdienen. Die Zeiten hoher Renditen sind aber vorbei – und Gaskraftwerke rechnen sich nach wie vor nur in wenigen Stunden des Jahres. Zu einem großen Teil hat RWE den Strom auch schon im vergangenen Jahr auf Termin verkauft.

Im Großhandel erreichte RWE wieder die Gewinnzone und erzielte ein Ebit von 129 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte RWE hier einen Fehlbetrag von 156 Millionen Euro ausgewiesen.

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Milliardengewinn für RWE

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Stabile Erträge von Innogy

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  • Hallo Herr Ebert, die Deutschen Leistungskernkraftwerke sind technisch nicht geeignet Bombenplutonium zu produzieren. Die USA hatten 1970, bevor die grossen Leistungskernkraftwerke in Betrieb gingen in der Spitze einen Bestand >30000 Kernsprengkörpern. Die USA benötigen seitdem kein weiteres Bombenplutonium.

    zur Info...

  • Herr Narrog, "erheblich" ist sicher Ansichtssache, ich finde jetzt 25 % zwar nicht sooo wenig, aber auch nicht gerade "erheblich". Da können die 60% Institutionellen sicher mehr bewegen also die Kommunalen

  • Die RWE,.. mussten über Jahre mit ihren K-Kraftwerken das Material für die amerikanischen Einsteinbomben (Atom-) produzieren. Ich freuen mich, wenn sie jetzt auch etwas dafür belohnt werden.

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