Deutschlandchef der GE-Energiesparte: „Den Ausstieg haben viele Solarfirmen verpasst“

Energie

Deutschlandchef der GE-Energiesparte
„Den Ausstieg haben viele Solarfirmen verpasst“

Keine Abenteuer: Stephan Reimelt, Chef der deutschen Energiesparte von General Electrics, spricht im Interview über die Energiewende, warum viele Solarfirmen scheitern und weshalb er sich bei Offshore-Wind zurückhält.
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BerlinDer US-Industriekonzern General Electric engagiert sich bei den erneuerbaren Energien vor allem mit Windkraft an Land. In Deutschland ist der Konzern auf rasantem Wachstumskurs, vor allem in der Energiesparte, dessen Chef Stephan Reimelt ist. Der studierte Wirtschaftsingenieur hat an der TU Berlin promoviert und unterrichtet dort nebenbei.

Handelsblatt Online: Im September haben Sie gesagt, dass die Energiewende für die Welt Blaupausencharakter hat – sehen Sie das immer noch so?

Stephan Reimelt: Wenn Sie erfolgreich wird und wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben, ja. Ich habe im Augenblick allerdings ein bisschen die Sorge, dass wir den originären Charakter der Energiewende aus den Augen verloren haben. Die Summe der Partikularinteressen, die wir im Moment sehen, wird nicht zu einem Energiewende-Konzept führen. Ich hoffe, dass wir bei der Bearbeitung des EEGs wieder zu diesen originären Gedanken – CO2-Reduzierung, dezentrale Energieversorgung und freie Märkte – zurückkommen.

Können Sie da konkreter werden?

Nehmen sie zum Beispiel die Gaskraftwerke: Deutschland stellt momentan die modernsten Gaskraftwerke der Welt ab und lässt Kohlekraftwerke länger laufen. Wir haben in diesem Jahr in Deutschland vier Prozent mehr Kohle eingesetzt.

Wo sehen Sie weitere Fehler bei der Energiewende?

Der überdimensionale Ausbau der Energieinfrastruktur in Deutschland, der Milliarden verschlingen wird, ist wirtschaftlich nicht nötig und sehr schwer nachvollziehbar.

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen Sie Offshore-Wind, bei dem die Energiekosten dreimal so hoch sind wie bei Onshore-Wind, also Windrädern an Land. Dann leiten sie das für Milliardenbeträge durch Trassen in den Süden, die in den nächsten zehn Jahren nicht gebaut werden. Wenn der Strom in Süddeutschland ankommt, ist er aber nur für eine begrenzte Zeit verfügbar. Um die Schwankungen auszugleichen, muss ich daneben ein Gaskraftwerk bauen. Dieses Gaskraftwerk wird aber nie wirtschaftlich sein, weil es immer nur die Hälfte der Zeit laufen wird. Dieses Modell erschließt sich mir nicht.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für GE, den Sie noch weiter ausbauen wollen. Sie beschäftigen momentan 7500 Mitarbeiter in Deutschland – wie viele sollen es noch werden?

Ich möchte mich da nicht auf Zahlen festlegen. Feststeht, dass wir stetig wachsen und dass wir unsere Forschungskapazität in Deutschland bis 2014 verdoppeln werden. Deutschland ist ein sehr großes Energielabor, in dem es sehr viele Innovationen und Möglichkeiten gibt.

In welchem Bereich wollen Sie in Deutschland wachsen?

Im Energiebereich möchten wir unseren Marktanteil bei Onshore-Wind deutlich auf einen zweistelligen Bereich erhöhen. Auch im Kraftwerksbereich möchten wir unseren Marktanteil deutlich steigern.

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„Man darf Pionierleistung nicht mit Abenteuer verwechseln“

Kommentare zu " Deutschlandchef der GE-Energiesparte: „Den Ausstieg haben viele Solarfirmen verpasst“"

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  • @ Hansi

    Fortsetzung
    Ich könnte Ihnen noch einiges zu Kohle sagen, auch dort ist die Entwicklung nicht stehen geblieben. Wenn man aber genehmigte, nach neuestem Entwicklungsstand erstellte Kraftwerke in Hamm und bei Hamburg unter fadenscheinigen Begründungen daran hindert ans Netz zu gehen, dann wird man in Deutschland auf Kohlekraftwerke verzichten müssen. Wer soll die denn hier noch bauen?

    Abschließend noch ein Wort zu Ihren drei Vögeln. Wenn Sie nicht informiert sind, sollten Sie nicht solche Behauptungen unters Volk bringen. Die Tötung von Vögeln geht bereits heute schon in die 100tausende, das ist die Zahl mit 5 Nullen! Die Anzahl von Meeressäugern, die durch die Erstellung von Windmühlen auf hoher See orientierungslos werden, weil ihr Hörorgan geschädigt wird, habe ich mir erspart zu erwähnen.
    Ich hoffe, daß Sie mein Kommentar veranlaßt, sich etwas mit der Materie auseinanderzusetzen. Immerhin zählen Sie eine Menge von Begleiterscheinungen auf, die unsere Politclowns hätten vorher überlegen müssen. Aber wir machen mal eben Energiewende. Unser zuständiger dauergrinsender ehemaliger Umweltminister Röttgen konnte seinerzeit nichts Anderes gebetsmühlenartig von sich geben als "Wir schaffen das"
    Es hätte aber heißen müssen "Deutschland schafft sich ab"

  • @Hansi
    Erstens erzählen Sie uns nicht, wofür Sie plädieren, sie sind nur mit den Kommentaren nicht einverstanden.
    Ich persönlich habe nichts gegen in Deutschland von Deutschen erstellte Atomkraftwerke.Ich kann es nicht akzeptieren, daß eine hysterische Atomphysikerin über Nacht ohne ein vorher angefertigtes Konzept beschließt, daß bei uns sofort eine Energiewende eingeläutet werden muß. Selbstverständlich mit dem Versprechen, einfach mal so, daß sich die Stromkosten nicht erhöhen werden. Die Stromkosten haben sich heute schon erhöht, wie wir alle wissen. Bezüglich der Atomkraftwerke sollten Sie mal über Grenze nach Frankreich schauen. Frankreich erzeugt seinen Strom fast ausschließlich mit Atomkraft, und macht gar keine Anstalten dies zu ändern. Ich hoffe ihnen ist bekannt, daß die Rhone von Nord nach Süd in unmittelbarer Nähe zur Deutschen Grenze fließt. Die Rhone ist ein regulierter Fluß mit sehr wenig
    Schiffsverkehr. Die Regulierung dient hauptsächlich der Versorgung der zahlreichen Atomkraftwerke. Vielleicht haben Sie ja auch schon etwas davon gehört, daß Deutschland in einer Westwinddrift liegt. Demzufolge würden wir als Erste von einem Unglück in den Atomkraftwerken tangiert werden. Es bringt uns also überhaupt nichts, wenn wir unter erheblicher Schädigung der Volkswirtschaft unsere Meiler stillegen. Über die in Polen, Rußland, Tschechien und den Baltischen Staaten geplanten Atomkraftwerke wollen wir mal gar nicht reden.
    Gaskraftwerke sind zwar umweltfreundlich, aber unsere politischen Totalversager haben uns in eine unverzeihliche Abhängigkeit von Rußland hineinmanövriert. Vor Jahren wollte E.ON eine LNG-Station in Wilhelmshaven bauen. Wir haben eine Firma in Deutschland mit Namen Linde, die weltweit derartige Anlagen baut, nur in Deutschland nicht, hier wurde nämlich keine Genehmigung erteilt. Die Station, die uns eine gewisse Unabhängigkeit von Rußland verschafft hätte, wird jetzt in Rotterdam gebaut.

  • Anhand der Kommentare frage ich mich (ganz neutral und auch nicht gegen oder für Atomkraft oder Erneuerbare etc.)Was wollen Sie denn in Deutschland ? Nur Maximalforderungen?

    PV auf dem Dach ist teuer, muss gefördert werden und gibt nachts und im Winter keinen Strom.
    Batterien sind ebenfalls teuer, haben nur Bestimmte Ladezyklen und Sondermüll bei der Entsorgung bzw. sind die seltenen Erden knapp.
    Speicherseen brauchen trotzdem Leitungen um sich derer zu bedienen und zerstören das lokale Ökosystem. Atomkraft ist CO2-neutral aber wird als große Gefahr whrgenommen plus die Endlagerung ist noch nicht geklärt. Kohlekraftwerke verschandeln die Landschaft ebenfalls, ahben Emissionen und so ein Kohletagebau ist auch nicht gerade toll für die Umwelt. Untertage brauchen wir gar nicht mit der Diskussion beginnen.
    Windräder vor Ort sind auch schlecht, weil die stören und möglichst weit weg sein sollen; obwohl, Leitungen sind auch schlecht.
    Erdkabel sieht man nicht, dafür darf man alles Umgraben wenn was kaputt ist und man ca. 14 Tage Stromausfall, geht auch nicht, Stomausfall ist ganz schlecht.
    Gaskraftwerke sind toll, aber von den Russen abhängig sein und dort die Umwelt verschandeln (schon mal überlegt mit was man ein Gasfeld füllt damit das Gas rauskommt?) ist auch nicht OK. Pipelines sind auch schlecht.
    Fracking in Deutschland und Umgebung ist auch ganz schlecht, wegen den Chemikalien und Erdbeben.
    Damit ist Geothermie (sowieso nur Süddeutschland) auch schlecht.

    So... und Nun? Wo soll der Strom herkommen ohne Kompromisse? Aber schön Smartphones laden, täglich inzwischen, Tablets,WLan, Internetsurfen (die Server sieht man nicht, die brauchen aber auch Strom...), Konsumieren, per Internet bestellen und Flatscreens kaufen.

    So verlogen ist die Gesellschaft, Lösungen will keiner anbieten aber gegen alles ist man wegen 3 Vögeln oder anderem Getier und jammert nur rum.

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