Doppelinterview Eon/Siemens: Energiewende geht „gerade so richtig schief“

Energie

Doppelinterview Eon/Siemens
Energiewende geht „gerade so richtig schief“

Konzertierte Aktion gegen die Energiewende: Siemens-Chef Peter Löscher und Eon-Chef Johannes Teyssen fordern eine Radikalreform der Energiewende. Die beiden Konzernlenker warnen eindringlich vor dem derzeitigen Kurs.
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Düsseldorf/MünchenSiemens-Chef Peter Löscher und der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen haben die Umsetzung der Energiewende in Deutschland scharf kritisiert. Die wesentlichen Elemente zur Förderung der erneuerbaren Energien seien ineffizient, sagte Teyssen in einem gemeinsamen Interview mit Löscher für das Handelsblatt. „Deswegen geht es gerade so richtig schief.“ Löscher betonte: „Wir sind auf dem falschen Weg.“

Die beiden Top-Manager fordern eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), sonst sei die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in Gefahr. „Innerhalb von nur zehn Jahren haben sich die Strompreise verdoppelt. Dabei haben sich Steuern und Abgaben verdreifacht und machen heute 53 Prozent des Strompreises aus“, sagte der Siemens-Chef. Gehe es so weiter wie bisher, werde der Strompreis für Privathaushalte bis 2020 noch einmal um 35 Prozent steigen und um 30 Prozent für die Industrie.

Löscher und Teyssen kritisierten insbesondere die starke Subventionierung der Photovoltaik. Diese profitiere am stärksten von der Förderung, liefere aber nur einen geringen Beitrag zur Grundlast
„Wir brauchen mehr Markt, Regulierung nur da, wo sie notwendig ist und deutlich mehr Energieeffizienz“, sagte Löscher.

Beide Top-Manager fordern eine Radikalreform der EEG-Förderung: „Die Erneuerbaren Energien müssen sich dem Markt stellen“, betonte Löscher. „Man muss einen Schnitt machen und sagen: Die Musik ist aus“, sagte Teyssen.

Die Energiewende in Deutschland könne nur gelingen, wenn die EEG-Reform nach der Bundestagswahl oberste Priorität erhalte: „Es geht nicht um Detailanpassungen, wir brauchen grundsätzliche Korrekturen", erklärte Teyssen. „Die Lage ist ernst.“

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Doppelinterview Eon/Siemens: Energiewende geht „gerade so richtig schief“"

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  • Das Problem ist ja wohl, dass die sog. 'Erneuerbaren' von wesentlichen Verpflichtungen ausgenommen sind: Jedes konventionelle Kraftwerk verkauft seinen Strom, und wenn es aus irgendeinem Grund diesen Strom nicht liefern kann, dann muss das Kraftwerk für Ersatzstrom auf eigene Rechnung sorgen. Der typische Windkraftanlagenbetreiber muss das nicht. Das meinen die Herren Theyssen und Löscher , wenn sie zu Recht fordern, dass sich auch die Erneuerbaren dem Wettbewerb zu stellen haben.

  • Beide fordern, dass sich die EE dem Markt stellen sollen. Wie waere es, wenn dass Atom und Kohle ebenso tun wuerden? Beide sind subventioniert worden und werden subventioniert. Wenn die wahren Kosten umgelegt wuerden, dann waeren Kohle und Atom weitaus weniger (gar nicht?) konkurrenzfaehig. Sie werden/wurden vom Steuerzahler massiv unterstuetzt.

    Es gibt keinen freien "Energiemarkt". Mit dem EEG werden Kosten weg vom Steuerzahler hin zum Verbraucher gewaelzt.

    Strom wird so oder so teurer:

    - Das Hoechstspannungsnetz ist im Mittel 50 Jahre alt
    - Verbundnetze sind im Mittel 30 Jahre alt
    - Neben den AKW erreichen in den kommenden 10 Jahren weitere Kohlekraftwerke Ihre Lebensdauer und werden abgeschaltet

    Diese Luecke wollen die grossen Versorger gerne mit Kohle stopfen. In diesem Zusammenhang wird die naechste Wahl spannend.

    Die Luege dass Erneuerbare den Strom verteuern klappt gut. Das Gegenteil ist der Fall, da die Erzeugerpreise an der EEX im weiter fallen. Nur zu gut verstehen es die grossen Versorger den Umstand zu verschleiern, dass Preiserhoehungen stattfinden, obwohl die Erzeugerpreise fallen.

  • Bitte lesen Sie diese Analyse zur Entwicklung der Strompreise für die energieintensive Industrie in Deutschland - die Zahlen sprechen für sich und gegen die Behauptung, dass die energieintensiven Unternehmen in Deutschland keine konkurrenzfähigen Strombezugspreise haben: http://www.oeko.de/oekodoc/1796/2013-477-de.pdf

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