Energie

Dürftige Quartalszahlen
Potash setzt weiter auf die Übernahme von K+S

Trotz des schwächeren zweiten Quartals hält der kanadische Konzern Potash an seinen Expansionsplänen fest. Der deutsche Chef strebt weiter eine Übernahme von K+S an – dazu will er Garantien für Arbeitsplätze abgeben.
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Frankfurt/OttawaDer kanadische Düngemittelkonzern Potash hält trotz eines schwachen zweiten Quartals an den Plänen fest, den deutschen Rohstoffkonzern K+S zu übernehmen. Zwar hat sich PotashCorp noch nicht entschieden, ob sie ein offizielles Übernahmeangebot für den deutschen Rohstoffkonzern K+S vorlegen will. Potash-Chef Jochen Tilk aber machte deutlich, dass er weiterhin eine Verständigung mit den Kasselern über eine „freundliche“ Übernahme anstrebe.

Tilk erklärte sich bei Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag bereit, „bindende Verpflichtungen“ zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Weiterführung der K+S-Minen und des Salzgeschäfts abzugeben. Die Kasseler hatten Anfang Juli einen unaufgeforderten Übernahmevorschlag der Kanadier, die 41 Euro je Aktie zahlen wollen, zurückgewiesen. Vorstand und Aufsichtsrat des Dax-Konzerns ist der Preis zu niedrig, der K+S mit 7,8 Milliarden Euro ohne Schulden bewertet. Außerdem fordern sie deutlich konkretere Zusagen zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten, als sie Potash in seinen Schreiben an das Management bisher gegeben hat.

Potash-Chef Jochen Tilk, ein Deutscher, ist der Ansicht, dass eine Fusion beider Firmen eine gut aufgestellt breit diversifizierte Düngemittelfirma schaffen würde. Eine Kombination von PotashCorp und K+S böte eine „stabilere und sicherere“ Grundlage in einem von hartem Wettbewerb geprägten Markt. Potash sei auch entschlossen, die im Bau befindliche Kalimine von K+S in der kanadischen Provinz Saskatchewan, das so genannte Legacy-Projekt, fertigzustellen und als Teil des Potash-Portfolios zu betreiben.

Das Angebot von 41 Euro bezeichnete Tilk als fair. An die Adresse von K+S-Arbeitnehmern und Gemeinden, in denen K+S produziert, sagte Tilk, der Übernahmevorschlag gründe sich nicht auf den Abbau von Arbeitsplätzen, die Stilllegung von Minen oder den Verkauf des Salzgeschäfts. Potash wolle das Geschäft in Deutschland nach einer Übernahme „in der gleichen Weise wie K+S“ führen. PotashCorp sei bereit, dazu bindende Verpflichtungen einzugehen. Tilk will weiterhin einen „konstruktiven Dialog mit K+S“ suchen und strebt, wie er formulierte, nach einem „freundlichen Handeln“.

Für die Kasseler ergibt sich damit erst einmal keine neue Sachlage. Vorstandschef Norbert Steiner hatte bereits bei der Ablehnung des Übernahmevorschlags betont, dass man eine neue Offerte prüfen werde. Die Aktie des Kasseler Konzerns büßte am Donnerstag mehr als zwei Prozent auf 35,28 Euro ein. Nach Bekanntwerden der Übernahmepläne Ende Juni war die Aktie zeitweise um rund ein Drittel auf mehr als 38 Euro gestiegen.

Nach einem schwachen zweiten Quartal hat der Potash-Konzern am Donnerstag erneut seine Jahresprognose gesenkt. Grund ist aber nicht das Geschäft mit Kaliumdünger, um das es zentral bei dem Kauf von K+S geht. Vielmehr drücken niedrigere Preise für Stickstoffdünger das Ergebnis. Potash erwartet in diesem Jahr jetzt einen Gewinn je Aktie von 1,75 bis 1,95 US-Dollar, nachdem man vorher am oberen Ende der Spanne von bis zu 2,05 Dollar je Aktie ausgegangen war. Alles in allem sank der Umsatz von Potash im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn verringerte sich um drei Prozent auf 787 Millionen Dollar.

Im laufenden Jahr soll der Kali-Absatz der Kanadier 9,3 bis 9,6 Millionen Tonnen erreichen, nach 9,3 Millionen im Vorjahr. Der Weltmarkt wird nach den Erwartungen der Kanadier rund 60 Millionen Tonnen erreichen und damit fast das Niveau das Vorjahres.

Potash war lange Zeit der größte Kalihersteller der Welt. Derzeit liegt das Unternehmen auf Rang drei. Zusammen mit K+S könnte Potash wieder zum globalen Marktführer vor dem russischen Konzern Uralkali aufsteigen. K+S ist für den kanadischen Konzern Potash interessant geworden, seit die Kasseler in der kanadischen Provinz Saskatchewan eine neue Kalistätte erschließen.

Gerd Braune
Gerd Braune
Handelsblatt / Korrespondent, Kanada

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