Energie

Durch Fracking-Boom
Ölquellen im Nahen Osten droht das Ende

Die Schieferöl-Revolution in den USA hat eine Kehrseite: Die klassischen Förderländer am Golf fahren Investitionen zurück. Damit droht der Nachschub des Energieträgers zu schwinden. Der Ölpreis könnte massiv steigen.
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DüsseldorfDie Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor einem drohenden Engpass bei der Ölversorgung und höheren Preisen. Denn wegen der wachsenden Erdölförderung der USA aus Schiefervorkommen streichen die klassischen Produzenten am Persischen Golf ihre Investitionen zusammen. Die herkömmlichen Exporteure wie Saudi Arabien oder Kuwait würden angesichts der neuen Vorkommen in Nordamerika erst einmal abwarten.

Die Exploration von Erdölfeldern und der Bau neuer Förderanlagen gerate damit ins Stocken. Die bislang erschlossenen Ölfelder am Golf sind zunehmend erschöpft. Wenn aber die Suche nach neuen Vorkommen bei global stetig steigendem Bedarf ausbleibt, versiegt allmählich der Nachschub des Energieträgers. Der Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft könnte langfristig dramatisch steigen, warnt die Agentur.

„Ich bin wirklich besorgt, dass wir dem Nahen Osten die falschen Signale senden“, sagt IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol bei der Präsentation des jährlichen Energiemarktausblicks der Organisation. Die abwartende Haltung der Ölproduzenten sei definitiv nicht im Interesse der Energieverbraucher oder der Erdölmärkte, da die Preise deutlich steigen könnten. „Es kann auf uns zurückschlagen, wenn Investitionen zur rechten Zeit ausbleiben.“

Die IEA wurde 1973 von mehreren Industrienationen gegründet. Mittlerweile gehören ihr 28 Länder an. Die Agentur mit Sitz in Paris soll die Regierungen der Mitgliedsstaaten in Energiefragen beraten und dabei Tendenzen und Entwicklungen an den Märkten sowie neue Forschungsergebnisse und Technologien aufzeigen.

Im vergangenen Jahr hatte die IEA mit ihrer Prognose für Aufsehen gesorgt, dass die USA bis 2017 klassische Förderländer wie Saudi Arabien bei der Ölproduktion überholen werden. Bis zum Jahr 2017 werden sich die USA vom weltgrößten Energieverbraucher zum größten Produzenten wandeln, prognostizierten die IEA-Experten damals. Als Grund nannten sie die umfangreichen Vorkommen an Schiefergas und –öl. Dieses Jahr rechnen die IEA-Experten damit, dass die USA sogar schon 2015 Saudi Arabien als größten Ölexporteur ablösen werden.

Doch die Bedeutung der Schieferölfunde spielen die Experten nun herunter. Die Förderung der USA werde bereits 2020 ihren Höhepunkt erreichen und danach wieder abnehmen. Die Ölfelder des Nahen Ostens gewinnen dann wieder an Bedeutung. Die ausbleibenden Investitionen der Golfstaaten gefährden aber den Nachschub, warnen nun die IEA-Experten. „Der Nahe Osten wird entscheidend sein – heute und morgen“, sagt Birol. Lediglich Brasilien mit seinen Tiefsee-Bohrungen wird seine Bedeutung als Energielieferant bis 2035 steigern.

Kommentare zu " Durch Fracking-Boom: Ölquellen im Nahen Osten droht das Ende"

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  • Wenn wir das Klima nicht vollends ruinieren wollen - Stichwort max. 2° Erwärmung - dürfen nur 20% der heute bekannten fossilen Brennstoffe verfeuert werden. So wie es aussieht, inderessiert das kaum jemanden - trotz stetig zunehmender Dürren, Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel. Dabei würde selbst bei totalem Emissionsstopp sich das Klima noch Jahrzehnte lang weiter erwärmen. Möglicherweise haben wir bereits oder werden wir bald einen stabilen Zustand verlassen, der kaum in absehbarer Zeit wieder herzustellen sein wird. Begründet durch Effekte wie Freisetzung von Klimagasen durch Auftauen des Permafrostbodens, erhöhte Wärmeaufnahme der Erdoberfläche durch reduzierte Schneeflächen welche die Sonnenstrahlen reflektieren, und durch Abnahme der Wälder und sonstiger Vegetation welche die Sonnenstrahlen absorbieren und Kohlenstoff binden.

  • Ich hab noch mal nach der Meldung gesucht, auf die ich mich bezogen hatte. Die war in 2007 und nicht wie zuerst angenommen aus 2008. SPON hatte daraus einen Aufreißer gemacht.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/preisexplosion-energieagentur-schlaegt-alarm-neue-oelkrise-in-fuenf-jahren-a-493556.html

    Interessant finde ich auch, dass SPON aus der gestrigen Meldung über den World Energy Outlook 2013 ganz andere Aspekte aufgegriffen hat, nämlich die wirtschaftlichen Nachteile der energieintensiven Industrie Europas im Vergleich zu den USA. Von versiegenden Ölquellen im Nahen Osten ist da komischerweise nicht die Rede. SPON haut ja sonst auch gerne in die Kerbe.
    Wenn man den Titel des Handelsblatt-Artikels in Bezug zum Text setzt, dann muss man sagen, dass man hier schon einen sehr reißerischen Aufmacher gewählt hat. Der Titel impliziert eine geologische Knappheit, tatsächlich ist aber eher von möglichen Fördereinschränkungen aufgrund einer veränderten Marktsituation die Rede. Also: Alles reine Sensationsmache der Presse.
    Außerdem: Der globale Ölmarkt ist viel zu dynamisch als dass man exakte Vorhersagen treffen könnte. Aus das hat die Vergangenheit gezeigt.
    Darüber hinaus bin und bleibe ich der Ansicht, dass sich Deutschland und Europa unabhängiger vom Öl machen und den den regenerativen Pfad auf jeden Fall stärker ausbauen müssen.

  • Mit diesem Artikel wird wohl versucht den Ölpreis ein bisschen in die Höhe zu treiben :-)

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