Energie

Durchsuchungen
Thyssen-Krupp in neues Stahlkartell verwickelt

Nächster Nackenschlag für Konzernchef Heinrich Hiesinger: Thyssen-Krupp ist in ein neues Stahlkartell verwickelt. Es geht um Lieferungen für die Autoindustrie. Auch bei zwei Konkurrenten gab es Durchsuchungen.
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Düsseldorf/DuisburgDer von Milliardenverlusten und Kartellverstößen erschütterte Thyssen-Krupp-Konzern ist erneut in das Visier der Wettbewerbshüter geraten. Das Bundeskartellamt habe am Donnerstag die Geschäftsräume von Thyssen-Krupp Steel Europe in Duisburg durchsucht, teilte das Unternehmen mit.

„Laut Durchsuchungsbeschluss geht es um den Vorwurf von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen zwischen Marktteilnehmern im Bereich bestimmter Stahllieferungen für die Automobilindustrie in Deutschland.“ Nähere Details wollte der Konzern wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Das Bundeskartellamt berichtete von Durchsuchungen bei drei Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Neben Thyssen-Krupp sind Arcelor-Mittal und Voestalpine betroffen. Die Konzerne bestätigten die Durchsuchungen auf Anfrage. In verschiedenen Konstellationen hatten sie in der Vergangenheit schon Mengen und Preise bei einigen Stahlprodukten illegal zu Lasten ihrer Kunden abgesprochen.

Die Unternehmen würden verdächtigt, beim Vertrieb von Bandstahl und Halbzeugen wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen zu haben, sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Vier Standorte seien mit 19 Mitarbeitern des Kartellamts und Kräften der Kriminalpolizei überprüft worden.

Kartellverstöße würden in keiner Weise geduldet, erklärte der Thyssen-Krupp. „Bei Thyssen-Krupp gilt das Prinzip 'Null Toleranz'. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen“, kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. Thyssen-Krupp unterstütze die Behörden bei den Ermittlungen. „Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden zusammen“, sagte auch ein Arcelor-Mittal-Sprecher am Donnerstagabend.

Die Kartellvorwürfe bezögen sich auf einen Zeitraum von mehreren Jahren, sagte Hiesinger bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in Düsseldorf. Der Fall sei durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gekommen. Weitere Einzelheiten etwa zum finanziellen Umfang seien derzeit noch nicht bekannt. „Das ist alles völlig neu“, sagte Hiesinger.

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Thyssen-Krupp in neues Stahlkartell verwickelt

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Kommentare zu " Durchsuchungen: Thyssen-Krupp in neues Stahlkartell verwickelt"

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  • Hallo Hans-Willi,

    Dein Gedanke ist korrekt!

    Jedoch die Vorgehensweise von Herrn Hiesinger gegenüber seinen ehemaligen leitenden Kollegen ist erschreckend!

    Die Kollegen haben nicht diese Kartell-Systeme dem Unternehmen ThyssenKrupp beigebracht, sondern sie haben diese Systeme bei ThyssenKrupp beigebracht bekommen und mussten hierin mitschwimmen.

    Wenn nun Herr Hiesinger meint, die Kollegen in den finanziellen Ruin schicken zu wollen, muss er schlicht
    und einfach mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben.

    Und wenn ich das richtig überschaue, sind dort mittler-
    weile mehr als 50 Personen, die jede Menge Wissen über
    Stahlaktivitäten von TK und voest der letzten Jahre haben.

    Also... es wird spannend !!! :-)

  • @ Andy

    Der Herr Eder hat in der heutigen Financel Times seine Aussage wiederholt, in Europa würden die Überkapazitäten abgebaut werden müssen. Nun weiß ja der Herr Eder, dass ThyssenKrupp in der Stahlsparte schon einige Milliarden in den Sand gesetzt hat und immer noch kein Ende abzusehen ist. Eine Anzeige beim Kartellamt würde, im Falle des Nachweises von Kartellvergehen, für TK vermutlich ein Milliardenbußgeld und nachfolgende Schadenersatzklagen der Automobilindustrie (vermutlich ebenfalls in Milliardenhöhe) nach sich ziehen. Unabhängig hiervon ist der Ruf von TK dauerhaft beschädigt. Vor diesem Hintergrund könnte der AR unter Vorsitz Cromme zu dem Ergebnis kommen sich ganz von der Stahlsparte zu trennen. Ein Verkauf der Stahlsparte würde unweigerlich von einem massiven Kapazitätsabbau begleitet.
    Und nun die Frage, käme das Herrn Eder und seiner VOEST zugute? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

  • Hallo Schiene,

    sicherlich wird Meister Eder bei diesem Kartell das Windhundrennen gewinnen. Es ist aus seiner Sicht wieder
    eine deutsche Angelegenheit und er wird sicherlich dieses
    Thema geschickt aus der Alpenrepublik, sowohl aus der Medienlandschaft sowie aus den östereichischen Behörden,
    fern halten können.

    Es wird erst beim nächsten Thema Kartell Tubulars schwer werden für die voestalpine!

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