Energie

Einschnitte bei RWE
Halbierung der Dividende sorgt für Unruhe bei Kommunen

Die scharfen Einschnitte bei RWE alarmieren Kommunen und die Gewerkschaft. An der Börse ging es für das Unternehmen kräftig nach unten. Für den Personalabbau zeichnet sich bei den Gesprächen indes eine Lösung ab.
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EssenDie geplanten massiven Einschnitte beim Versorger RWE mit Stellenabbau und einer Halbierung der Dividende haben bei den kommunalen Eigentümern und der Gewerkschaft Verdi für Unruhe gesorgt. „Eine Nullrunde werden wir nicht mitmachen“, sagte ein Verdi-Sprecher. „Wir sehen keine Chance, die neue Deckungslücke zu schließen“, sagte der Kämmerer der Stadt Mülheim/Ruhr, Uwe Bonan. RWE müsse schnellstens wieder für höhere Dividenden sorgen. Der Aktienkurs gab bis zum Mittag um rund vier Prozent nach.

RWE hatte am Vorabend angekündigt, die Dividende für 2013 auf einen Euro halbieren zu wollen und zugleich angekündigt, die künftige Ausschüttung an die Aktionäre sinke von 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses auf 40 bis 50 Prozent.

Nach Medienberichten, die RWE bislang nicht kommentieren wollte, soll außerdem der Rotstift in der Kraftwerkssparte angesetzt werden. 3000 Stellen sollen dort wegfallen. Bei RWE läuft bereits ein Sparprogramm, das die Zahl der Mitarbeiter um 10.500 senken soll. Außerdem wird nach ebenfalls unbestätigten Berichten über eine Nullrunde für die Beschäftigten gesprochen.

„Das ist ja wohl Wunschdenken der Arbeitgeberseite“, sagte der Verdi-Sprecher. „Wir reden über einen Konzern mit rund 2,4 Milliarden Euro Nettoergebnis.“ Für den langfristig und sozialverträglich angelegten Personalabbau zeichne sich allerdings bei den Gesprächen eine Lösung ab. Details könne er noch nicht nennen, sagte der Gewerkschaftler.

Allein die kommunalen Eigentümer, die zusammen rund 24 Prozent halten, müssen durch die Dividendenkürzung Einnahmeausfälle von zusammen rund 150 Millionen Euro verkraften. Der Essener Kämmerer Lars-Martin Klieve sprach von einer „zwar nicht überraschenden, aber dennoch bitteren Nachricht für die Stadt“.

Für die Dortmunder Stadtwerke DSW 21 bedeutet die Kürzung beispielsweise gut 19 Millionen Euro Einnahmen weniger im kommenden Jahr. Die Stadt Mülheim muss auf etwa 10 Millionen Euro verzichten, Essen auf etwa 19 Millionen, wie Sprecher am Freitag vorrechneten. Die Kommunen müssen nun ihrerseits Sparprogramme auflegen. Sie halten ihre RWE-Aktien allerdings auch zur Standortsicherung und Sicherung von Beschäftigung, wie der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, sagte.

„Es sind gerade die Städte im Ruhrgebiet, die ohnehin schon hoch verschuldet sind, die von dieser Dividendenkürzung betroffen sind“, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Stadt Bottrop, die ebenfalls zum Aktionärskreis gehört, erklärte der WAZ, Kämmerer Willi Loeven hoffe, dass die angekündigte Halbierung der Dividende „von der Aktionärsversammlung nicht akzeptiert wird“. Vom Verband kommunaler Aktionäre war keine Stellungnahme zu erhalten.

Analysten erklärten zwar, die Dividendenkürzung sei erwartet worden. Das Ausmaß sei aber überraschend, erklärten Experten der LBBW. Andere Analysten sehen den Schritt auch als klares Signal an eine neue Bundesregierung, nach der Wahl am Sonntag eine Reform der Energiewende einzuleiten. Aber auch die Gewerkschaften könnten sich angesprochen fühlen – denn nach den Aktionären wird RWE-Chef Peter Terium die Arbeitnehmer voraussichtlich mit Stellenstreichungen und Lohnpausen in die Pflicht nehmen wollen. Am 14. November will der Konzern bei der Vorlage seiner Quartalszahlen „über zusätzliche Kostensenkungsmaßnahmen“ berichten – und Terium auch einen Ausblick auf 2014 geben.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen“, sagte Terium. „Das müssen wir auch bei der Dividendenpolitik berücksichtigen.“ Auch für die Folgejahre ändert der Konzern seine Dividendenpolitik, er will nun einen geringeren Anteil des Gewinns an die Anteilseigner weiterreichen. J.P.-Morgan-Analysten erwarten, dass der unter einer riesigen Schuldenlast ächzende Essener Konzern so über vier Jahre rund 1,1 Milliarden Euro sparen kann – was die Nettoschulden von 35 Milliarden Euro aber nicht signifikant drücken wird. Doch verbessere sich durch den Schritt auch die Position des Managements im Poker mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Nun rächt sich das Mismanagement von Jürgen Großmann, der die Weichen nicht in Richtung Energiewende stellen wollte. Und die Kommunen hätten schon vor Jahren Ihre RWE-Anteile verkaufen und damit ihre Haushalte sanieren können. Ebenso wie bei RWE sitzen auch hier wirkliche Spitzenkräfte im Rat und aufder Oberbürgermeisterstelle.

  • Korrekt! Wie man in Wald den hineinruft, so schallt es wieder heraus. Die ökonomisch fehlgebildeten Sozis drehen ihren eigenen Kommunen den Geldhahn zu.

  • Ups, die bösen Energiekonzerne gehören ja gar nicht irgendwelchen bösen Milliardären oder Hedgefonds sondern Kleinaktionären und überwiegend SPD-regierten Kommunen, die mit der Dividende Schwimmbäder und Musikschulen finanzieren - das konnte ja keiner ahnen. Und auch Verdi stellt überrascht fest, dass der von ihr seit jahren geforderte und nun vollzogene Atomausstieg Arbeitsplätze kostet. Willkommen in der real existierenden Energiewende.

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