Energie

EnBW Energieversorger macht 1,8 Milliarden Euro Verlust

Die Kosten für den Atomausstieg, aber auch die niedrige Großhandelspreise für Strom belasten EnBW. Der drittgrößte deutsche Energiekonzern schreibt für das abgelaufene Jahr einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro.
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Die staatlichen Eigner, vor allem das Land Baden-Württemberg, sollen für das vergangene Jahr keine Dividende erhalten. Quelle: dpa
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Die staatlichen Eigner, vor allem das Land Baden-Württemberg, sollen für das vergangene Jahr keine Dividende erhalten.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Kosten für den staatlichen Fonds zur Atommülllagerung haben beim drittgrößten Energiekonzern EnBW ein tiefes Loch die Bilanz gerissen. Der Konzern schrieb 2016 einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro nach einem Nettogewinn von 158 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Grund war vor allem der Beitrag der Energie Baden-Württemberg von insgesamt 4,7 Milliarden Euro zum Atommüllfonds.

Doch auch niedrige Großhandelspreise für Strom belasteten das Ergebnis. Der Umsatz schrumpfte um knapp neun Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern und Sonderfaktoren verdienten die Badener mit 1,94 Milliarden Euro rund acht Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Die höchsten Verluste der deutschen Geschichte
Platz 13: Infineon (2008)
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Der Verfall der Halbleiterpreise und der Verkauf der angeschlagenen Tochter Qimonda brachten Infineon in der Wirtschaftskrise 2009 an den Rand der Insolvenz. 2008 verbuchte die einstige Siemens-Tochter ein Minus von 3,1 Milliarden Euro. Die Aktie entwickelte sich zum Penny-Stock und fiel bis auf 39 Cents. Wer damals den Mut hatte, an Infineon zu glauben, wurde reichlich belohnt. Halbleiter von Infineon wurden wieder gebraucht, vor allem in der boomenden Autoindustrie.

Platz 12: Eon (2014)
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Abschreibungen auf Kernkraftwerke und die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom führten 2014 bei Eon zu einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt war das der größte Verlust eines börsennotierten Versorgers in der deutschen Geschichte. Doch 2015 und 2016 setzte Eon – im negativen Sinne – noch einen drauf (weiter hinten im Ranking).

Platz 11: Deutsche Telekom (2001)
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Erstmals nach ihrem Börsengang und dem fulminanten Hype zur Jahrtausendwende präsentierte die Telekom ihren Anlegern 2001 rote Zahlen. Grund für den Verlust in Höhe von 3,45 Milliarden Euro waren Abschreibungen auf die teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen und auf die teuer erworbene amerikanische Mobilfunktochter Voicestream. Einige Analysten bezeichneten damals den Verlust als „nicht dramatisch“. Gemessen an späteren Verlusten bei der Telekom war das sogar eine weise Prognose.

Platz 10: Deutsche Bank (2008)
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Nicht nur 2015 (später im Ranking) präsentierte die Deutsche Bank ihren Aktionären einen Milliarden-Fehlbetrag, sondern auch zu Beginn der Finanzkrise im Geschäftsjahr 2008. Grund für den Verlust von 3,9 Milliarden Euro waren Wertberichtigungen auf Anlagegeschäfte vor allem im Immobiliensektor, dem Auslöser der damaligen Krise. Die Aktie stürzte nach ihrem Kurshoch von 102,27 im Jahr 2007 in nur zwei Jahren bis auf 14,63 Euro ab – ein Verlust von 86 Prozent.

Platz 9: Commerzbank (2009)
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Die Finanzkrise riss die zweitgrößte deutsche Bank tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Wertpapiere und immense Kosten für die Integration der Dresdner Bank führten 2009 zu einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro. Der Dax-Konzern musste vom Staat gestützt werden. Bis heute leidet die Commerzbank unter ihren Fehlentscheidungen und der daraus resultierenden Finanzkrise.

Platz 8: Thyssen-Krupp (2012)
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Auf dem Höhepunkt des Stahlbooms entschloss sich Thyssen-Krupp, künftig noch mehr Stahl zu produzieren. In Brasilien und Alabama baute der Konzern für viel Geld neue Stahlhütten – doch diese waren buchstäblich auf Sand und Matsch gebaut und langfristig auch noch überflüssig, weil nur im Boom viel Stahl gebraucht wird. Die Konsequenz: Nach einem Minus von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr bilanzierte Thyssen-Krupp 2012 ein Minus von 4,7 Milliarden Euro. Darin enthalten war eine Abschreibung auf Steel America. Noch heute ächzt der Konzern unter den Lasten der milliardenschweren Fehlinvestition.

Platz 7: Deutsche Telekom (2012)
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Nach 2001 und 2002 musste die Deutsche Telekom im Jahr 2012 noch einmal ihr amerikanisches Abenteuer teuer bezahlen. Im Oktober gab der Konzern bekannt, dass auf T-Mobile USA (früher Voicestream) 7,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Grund für diese Hiobsbotschaft war, dass der Wert der US-Tochter inzwischen deutlich geringer eingeschätzt wurde als im Jahr 2000, als die Telekom Voicestream für 50,7 Milliarden Dollar gekauft hatte. Daraus resultierte am Ende des Jahres schließlich ein Gesamtnettoverlust von 5,3 Milliarden Euro. Eigentlich hatte Konzernchef René Obermann die lange Zeit kriselnde US-Tochter verkaufen wollen. Doch der Plan platzte.

Nach jahrelangem Gewinnrückgang will EnBW-Chef Frank Mastiaux 2017 jedoch die Früchte des Umbaus ernten, zu dem der staatlich kontrollierte Versorger durch die Energiewende gezwungen war. „Wir konzentrieren jetzt alle Kraft darauf, unsere Ergebnisentwicklung ab 2017 ins Positive zu wenden“, erklärte er. In diesem Jahr soll das bereinigte operative Ergebnis zumindest stabil bleiben, womöglich auch um bis zu fünf Prozent zulegen.

Die staatlichen Eigner, vor allem das Land Baden-Württemberg, sollen für das vergangene Jahr keine Dividende erhalten. Manager und Mitarbeiter des Konzerns mit gut 20.000 Beschäftigten wollen auf einen Teil ihres Einkommens verzichten. „Damit leisten alle im Unternehmen einen solidarischen Beitrag für die langfristige Zukunftssicherung der EnBW“, erklärte Finanzvorstand Thomas Kusterer.

  • rtr
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