Energie

Ende der Kohle am Niederrhein
Der letzte Kumpel macht das Licht aus

Mit dem Ende der Zeche Kamp-Lintfort wird die Steinkohleförderung am Niederrhein eingestellt. Der Ausstieg ist sozial abgefedert, doch für viele Kumpel beginnt heute der letzte Arbeitstag.
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Kamp-LintfortNoch einmal kommt die Ministerpräsidentin nach Kamp-Lintfort, noch einmal singt der Bergmannschor - dann ist Schluss. Mit der letzten Förderung endet heute nach 100 Jahren der Steinkohlebergbau am Niederrhein. Endgültig Schluss ist erst am 31. Dezember - dann werden auch die Werkstore der letzten Zeche am Niederrhein, dem Bergwerk West, geschlossen. Nach dem Saarland in diesem Sommer stellt damit die zweite Region innerhalb von Monaten den Bergbau ein. Zwei Jahre zuvor hatten bereits die Bergleute auf Walsum in Duisburg die letzte Schicht gefahren. Dann wird Steinkohle in Deutschland nur noch im Ruhrgebiet und im nördlichen Münsterland gefördert.

Einheimische Steinkohle ist seit vielen Jahren international nicht mehr konkurrenzfähig. Weil sie oft über 1000 Meter unter der Erde liegt und die Sicherheitsstandards beim Abbau weitaus höher sind als im Ausland, kann die Region auf dem Weltmarkt nicht mehr mithalten. Und die milliardenschweren Subventionen für die deutschen Zechen müssen nach EU-Recht Ende 2018 eingestellt werden. Derzeit wird nur noch rund ein Fünftel der in Deutschland verbrauchten Steinkohle im Land gefördert. Tief unter der Erde schlummern aber in allen jetzt geschlossenen Zechen - auch in Kamp-Lintfort - nicht gehobene Steinkohlevorräte für Jahrzehnte.

Die Kumpel vom Niederrhein wechseln auf die verbleibenden drei Zechen Prosper Haniel in Bottrop, Auguste Victoria in Marl und auf die Anthrazit-Zeche in Ibbenbüren am Rande zu Niedersachsen. Wer alt genug ist, geht in den Vorruhestand, die sogenannte Anpassung, die im Bergbau frühestens mit 50 Jahren möglich ist. Der Prozess hat bereits begonnen. Am Ende werden 890 Bergleute dieses Vorruhestandsangebot nutzen, 1600 wechseln auf andere Zechen.

Begeistert ist vom vorzeitigen Arbeitsende niemand so richtig. „Man muss noch nebenbei ein bisschen arbeiten gehen“, meint Betriebsrat Christian Brettschneider, der gerade mit Jörg Nieswand unter Tage die Bewetterung überprüft. „Man muss noch etwas anderes machen. Man kann ja nicht jeden Tag in die Wirtschaft gehen.“

Bis zu 400 Euro dürfen die Bergleute in der Anpassungsphase nebenbei verdienen. 400 bis 600 Euro habe man etwa weniger in der Tasche, meint Betriebsschlosser Jürgen Kinscher. Er ist auf 880 Meter Tiefe damit beschäftigt, Material zu bergen, das noch auf anderen Zechen gebraucht oder ins Ausland verkauft werden kann. Den Pütt ausrauben nennen das die Bergleute. Kinscher will später Taxi fahren. Um nichts zu tun, fühlt er sich zu jung. Jetzt ist er 49. Wenn das Bergwerk West unter Tage leergeräumt ist, wird er 50 sein.

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„Die Zeche ist Knochenarbeit“

Kommentare zu " Ende der Kohle am Niederrhein: Der letzte Kumpel macht das Licht aus"

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  • Als ehemaliger Bergmann aus Rumeln, der in seiner Jugend auf den Schachtanlagen Niederberg, Rheinpreußen, Pattberg, Rossenray und Friedrich-Heinrich unter Tage als Hauer gearbeitet hat, habe ich zum Ende des Kohlenbergbaus am linken Niederrhein auch ein paar Worte des Rückblicks und Ausblicks geschrieben:
    http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2012/12/09/schicht-am-schacht-am-niederrhein-kohlenbergbau-hat-fertig/
    Ich wünsche Euch und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und grüße Euch aus Berlin mit einem herzlichen
    Glückauf!
    Wolfgang Ksoll

  • "Glück Auf" sage ich und lausche den letzten "Anschlag zur Grubenfahrt"Ja ich kenne das und komme selbst aus einer Bergmanns-Familie. Aber die jungen Kumpels werden sicher einen guten Arbeitsplatz bekommen,den eins zählt auch heute noch "Der Zusammenhalt der Bergleute.
    Wünsche allen eine friedliche und gesegnete Weihnacht so wie ein erfolgreiches 2013. "Glück Auf"

  • Jahrzehntelang wurde subventioniert (für die Jüngeren unter uns: draufgelegt mit anderer Leute Geld), und wenn die Steinkohle Höchstpreise erzielen könnte - wird geschlossen.
    Aber auch hier wird uns die Hohepriesterkaste der Politiker das sicher noch als Erfolg verkaufen.

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