Energie

Energiekonzern
Eon krempelt seine Beteiligungen um

Eon richtet sich auf dem brasilianischen Energieversorger-Markt ein. Eine Anteilserhöhung sorgt für mehr Macht beim Versorger MPX. Das nötige Geld – bis zu 800 Millionen Euro – macht der Konzern in Ungarn locker.
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Düsseldorf/Sao PauloDer hoch verschuldete Energiekonzern Eon macht mit dem Verkauf von Gasgeschäften in Ungarn Kasse. Der Versorger veräußere für rund 870 Millionen Euro die Töchter Eon Földgáz Trade und Eon Földgáz Storage an den ungarischen Versorger MVM, teilten die Düsseldorfer am Donnerstag mit. Im Preis sei auch die Übernahme von Schulden enthalten. Über die Tochter Eon Hungaria versorge der Konzern in dem Land weiter rund drei Millionen Kunden mit Energie. Vorstandschef Johannes Teyssen hat in rund zwei Jahren Geschäfte im Gesamtwert von rund 17 Milliarden Euro verkauft. Eon drücken trotzdem immer noch Schulden von mehr als 35 Milliarden Euro.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban muss sich der Wiederwahl stellen und versucht mit der Energiepolitik zu punkten. So hatte er eine Senkung der Strom- und Gaspreise um zehn Prozent verfügt. Das unter einer Rezession leidende Land muss mehr als 80 Prozent seines Gasbedarf durch Importe, insbesondere aus Russland, decken. Orban will den Bezug auf breitere Beine stellen.

Und während Eon in Ungarn verkaufte, erhöhte der Energiekonzern seine Anteile am brasilianischen Versorger MPX auf 36,1 Prozent von bislang 11,7 Prozent. Nach den Einbußen durch die Atomwende in Deutschland setzt der Eon seine Hoffnungen nun verstärkt auf den Wachstumsmarkt Brasilien.

Der Konzern investiere dafür bis zu 800 Millionen Euro. Eon erwirbt den Angaben zufolge ein Paket des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista und beteiligt sich anschließend an einer Kapitalerhöhung. Die Düsseldorfer waren vor gut einem Jahr bei MPX eingestiegen. Für einen Anteil von zehn Prozent hatte der Versorger damals rund 350 Millionen Euro gezahlt.

Eon hatte seit Wochen Gespräche über eine Aufstockung geführt. Brasilien ist neben der Türkei der wichtigste neue Wachstumsmarkt für den Konzern, der Zuhause durch die Atomwende, das schwächelnde Gasgeschäft und die geringe Auslastung seiner Kraftwerke unter Druck geratenen ist. Eon und MPX wollen den ersten Schritt der Transaktion bis Ende April abschließen. Die Kapitalerhöhung solle im Sommer über die Bühne gehen. "Mit der Erhöhung unseres Anteils wird Eon Partner auf Augenhöhe und kann aktiv das Tagesgeschäft von MPX mit gestalten", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. "Dies schafft bei MPX klare und einfache Strukturen, die uns noch effektiver und schlagkräftiger machen werden."

Eon komme nun eine tragende Rolle in der Führung von MPX zu, erklärte Batista. Bis Ende 2013 werde MPX Kraftwerke mit einer Kapazität von mehr als 2,8 Gigawatt betreiben - dies entspreche etwa 15 Prozent des brasilianischen Energiemarktes im konventionellen Bereich. Darüber hinaus verfüge MPX über Lizenzen für weitere 10 Gigawatt aus konventionelle Kraftwerken oder Ökostromanlagen.

Aktionäre und Arbeitnehmervertreter betrachten vor allem die Entwicklung in Brasilien mit Skepsis: Als Negativbeispiel für ein Engagement in Brasilien gilt der Thyssen-Krupp-Konzern, der in dem südamerikanischen Land Milliarden in einem neuen Stahlwerk versenkte. Eon hält das Risiko für begrenzt, da der regulierte Markt sichere Einnahmen garantiere. Bedenken gegenüber einer politischen Unsicherheit in Brasilien wischt Teyssen beiseite – die größten politischen Unsicherheiten für seinen Konzern habe er in Deutschland erlebt, hatte er mit Blick auf den Atomausstieg kürzlich gesagt, der dem Versorger Milliardeneinbußen bereitet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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