Energie
Gazprom-Arbeiter nahe der ukrainischen Grenze

Der Staatskonzern ist 1990 aus einem für die Gasindustrie zuständigen Sowjet-Ministerium hervorgegangen.

(Foto: dpa)

Energiekonzern wird 25 Gazprom – Russlands schwerfälliger Riese

Zum 25. Firmenjubiläum wähnt sich Gazprom im Höhenflug. Experten sind jedoch skeptisch, ob der Energiekonzern fit ist für die Zukunft.
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MoskauDie Führung des russischen Energieriesen Gazprom hat Deutschland und Europa zum 25-jährigen Firmenjubiläum fest im Blick. „Im vergangenen Jahr hat unser Unternehmen den absoluten Rekord beim Export von Gas nach Europa aufgestellt“, sagt Konzern-Vize Alexander Medwedew. Rund 194 Milliarden Kubikmeter habe Gazprom an Staaten vor allem in der EU verkauft - mehr als 40 Prozent seiner Förderung 2017.

Auf Deutschland, Schlüsselmarkt in der EU, entfiel mehr als ein Viertel der Lieferungen. Das soll nach der Strategie des größten Energiekonzerns der Welt noch mehr werden, wenn die Ostseepipeline Nord Stream 2 gebaut ist. Seit Jahren flankiert Gazprom sein Geschäft in Deutschland mit einem Sponsorenvertrag für den Bundesligisten Schalke 04 und setzt bei der Nord Stream AG auf Altkanzler Gerhard Schröder als Aushängeschild. Kritiker warnen vor einer gefährlichen Abhängigkeit vom Gaslieferanten unter Kreml-Kontrolle.

An diesem Samstag feiert Gazprom seinen 25. Geburtstag. Der Staatskonzern ist 1990 aus einem für die Gasindustrie zuständigen Sowjet-Ministerium hervorgegangen. Am 17. Februar 1993 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Heute kontrolliert Gazprom ein Geflecht aus Tochterfirmen auch in der Banken- und Medienbranche.

Zum Jubiläum lässt sich Präsident Wladimir Putin von der Konzernspitze persönlich über die Erfolge informieren. Doch die Sektkorken dürften in der Moskauer Zentrale dank des jüngsten Export-Allzeithochs schon vor der Feier geknallt haben. Der Marktanteil in Europa sei auf fast 35 Prozent gestiegen, sagte Medwedew vor Investoren. Bis 2035 rechnet Gazprom mit einer Steigerung seines Anteils in Europa auf bis zu 41 Prozent.

Gewinnzahlen für 2017 lagen zwar zunächst nicht vor, aber die Werte des dritten Quartals lassen Manager-Herzen höher schlagen: Mit 200 Milliarden Rubel (2,8 Milliarden Euro) hat sich das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2016 fast verdoppelt, wie Gazprom mitteilte. Experten sehen einen günstigen Rubelkurs zum US-Dollar als Grund.

„Finanziell ist Gazprom weitgehend gesund“, sagte Energieexperte Sergej Afonzew, der an zwei renommierten Moskauer Universitäten lehrt. Zugleich gebe es viel Potenzial für Verbesserungen etwa bei der Umsetzung neuer Projekte, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Hinter vorgehaltener Hand gehen Branchenkenner härter mit Gazprom ins Gericht. Die glänzenden Zahlen überstrahlten massive Probleme, heißt es: Zu viele Mitarbeiter (rund 450.000) und Korruptionsanfälligkeit sind Gründe für Ineffizienz, die den Gas-Riesen schwerfällig macht.

Hier baut Gazprom Europas höchsten Wolkenkratzer
Höchster Büroturm Europas
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Das Lachta-Center soll das neue Wahrzeichen von St. Petersburg werden. Mit 462 Metern wird Europas höchster Wolkenkratzer das historische Zentrum von Russlands nördlicher Metropole überragen. Gazprom, der größte Gaskonzern der Welt, zeigt mit dieser neuen Firmenzentrale seine Macht. In der Heimatstadt von Präsident Wladimir Putin wächst ein Symbol für ein neues Russland, wie er es gerne sieht: cool und kühn.

Schlanke, fünfeckige Silbernadel
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Im Frühjahr 2015 wurde nördlich des Zentrums im Stadtteil Lachta am Finnischen Meerbusen das Fundament gegossen. Vor einem Monat im Oktober überholte der Bau mit 374 Meter Höhe den bisherigen europäischen Rekordhalter, den Federazija-Turm in Moskau. Zum Vergleich: Deutschlands höchstes Hochhaus, der Commerzbank-Turm in Frankfurt, misst einschließlich Spitze 300 Meter. Schon jetzt ist das Lachta-Center vom weitem zu sehen – von der Ostsee wie von der Stadt aus. Als schlanke, fünfeckige Silbernadel schraubt es sich in den Himmel. Der Entwurf stammt von dem britischen Stararchitekten Tony Kettle, geplant hat das Moskauer Büro Gorproekt.

Fensterteile aus Deutschland
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Wie ein Wolkenkratzer aussieht, hängt vor allem von der Fassade ab, und die wird bei diesem russischen Prestigeobjekt von der deutschen Spezialfirma Josef Gartner aus Gundelfingen in Bayern erstellt. „Das ist ein Auftrag, der uns sehr geprägt hat in den letzten drei Jahren“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wax. Gartner gehört zum italienischen Baukonzern Permasteelisa, arbeitet weltweit und hat auch die neue Zentrale des Technikkonzerns Apple in Cupertino ) verglast. Außen- und Innenverglasung des Hochhauses messen 100.000 Quadratmeter, so groß wie 14 Fußballfelder. Dazu hat Gartner 16.600 Einzelelemente aus Aluminium, Stahl und kalt gebogenem Glas angefertigt.

Bau schreitet voran
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Am Turm arbeiten die Fassadenbauer auf vielen Etagen zugleich. Im zehnten Stock sind schon die Vorstandsbüros erkennbar, die Gazprom-Chef Alexej Miller und seine Kollegen einmal beziehen sollen. „Wir haben an zwei Stellen von unten und von der Mitte mit dem Verglasen begonnen“, sagt Projektleiter Ralph Damköhler. Derzeit müssen die Lücken geschlossen werden.

Blick durch die Wolken
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Der 77. Stock liegt an diesem Herbsttag im Nebel. Arbeiter in bunten Overalls, gesichert wie Bergsteiger, bugsieren über dem grauen Nichts die Fassadenteile an ihren Platz. Nur gelegentlich geben die Wolken den Blick in die Tiefe frei. Hochhäuser, Parks, das Fußballstadion Zenit-Arena sehen von oben wie winzige Modellbauten aus.

Widerstand in der Stadt
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Das himmelstürmende Hochhaus ist in St. Petersburg nicht unumstritten. Gazprom wollte den neuen Firmensitz erst mitten im Zentrum bauen, wo er die barocken Zarenpaläste und andere Architekturschätze in den Schatten gestellt hätte. Dagegen regte sich Widerstand in der Stadt, und auch die UN-Kulturorganisation Unesco meldete Bedenken an. 2010 entschloss sich Gazprom deshalb zu dem neuen Standort. Bauübergabe soll 2018 sein.

Nördlichster Wolkenkratzer der Welt
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„Wir sind sehr stolz auf unser Projekt“, sagt Sergej Nikiforow, der Chefingenieur des Bauträgers. Das Gebäude sei eine Herausforderung, denn es werde nicht nur Europas höchster Wolkenkratzer sein, sondern der nördlichste weltweit. Die Konstruktion sei ausgelegt, um Wind, Regen, Schnee und Eis im rauen Petersburger Klima zu trotzen.

Anerkannt wird allenthalben, dass sich der Konzern – auch nach Druck der EU – gewandelt hat. „Mehr Markt, weniger Geopolitik“, umschreibt Afonzew die Erneuerung der lange kritisierten Preispolitik.

Über Jahre hatte Gazprom hohe Preise bei langen Laufzeiten diktiert. Die Kunden schluckten dies. Als aber 2006 und 2009 zwischen Russland und der Ukraine, dem wichtigsten Transitland für Gas in die EU, ein Streit eskalierte und Gazprom im Winter den Hahn zudrehte, schrillte in Westeuropa der Alarm. So festigte sich das Bild von Gazprom als geopolitische Waffe des Kremls, um Staaten unter Druck zu setzen.

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