Energiemarkt: Stromanbieter Flexstrom ist insolvent

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Stromanbieter Flexstrom ist insolvent

Der Billigstromanbieter Flexstrom hat Insolvenz angemeldet. Einen Schuldigen für die Pleite hat das Unternehmen schon ausgemacht: die Kunden. Dabei hatte auch die Bundesnetzagentur den Anbieter im Visier.
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BerlinDer Berliner Stromanbieter Flexstrom mit mehr als 500.000 Kunden ist zahlungsunfähig. Wie das Unternehmen heute mitteilte, habe es nicht nur für Flexstrom selbst, sondern auch für die Tochtergesellschaften Optimal-Grün und Löwenzahn Energie Insolvenz angemeldet. Das Geschäft von Flex-Gas werde hingegen durch einen Investor weitergeführt, hieß es. Laut Informationen des Handelsblatts ist Christoph Schulte-Kaubrügger aus dem Berliner Büro von White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. White &Case betreut auch das Teldafax-Insolvenzverfahren.

Nach Informationen des Handelsblatts ist der Billigstromanbiet mit seinem Insolvenzantrag offenbar einem Eingriff der Bundesnetzagentur zuvorgekommen. Wie die Behörde auf Anfrage des Handelsblatts mitteilte, hatte sie im Januar ein Verfahren zur Untersagung der Geschäftstätigkeit gegen Flexstrom eingeleitet. Flexstrom sei aufgefordert worden, „belastbare Nachweise für die finanzielle Leistungsfähigkeit vorzulegen“. Auf Basis der vorgelegten Unterlagen stand die Bundesnetzagentur nach eigenen Worten „unmittelbar vor der Entscheidung, das Vorkassemodell der FlexStrom zu verbieten“: „Offensichtlich hat das unmittelbar bevorstehende Verbot der Bundesnetzagentur dazu geführt, dass FlexStrom heute die Insolvenz beantragt hat“, teilte die Behörde mit.

Flexstrom hatte am Freitag für sich und die Tochtergesellschaften Optimalgrün und Löwenzahn einen Insolvenzantrag  gestellt. Betroffen sind rund 500000 Kunden. Das Unternehmen selbst hatte nur die schlechte Zahlungsmoral der Kunden, die Presseberichterstattung und die Konkurrenten verantwortlich gemacht.

"Generell gilt, bei Vorauskasse und hohen Boniversprechen äußerste Vorsicht walten zu lassen, weil hier das Insolvenzrisiko des Lieferanten beim Haushaltskunden liegt"' warnte die Bundesnetzagentur.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Flexstrom nach Informationen des Handelsblatts Zahlungsschwierigkeiten, die sich zum Jahreswechsel noch verschärften. Flexstrom hatte das zwar in der Vergangenheit stets bestritten und gegenteilige Behauptungen juristisch angefochten. Dem Handelsblatt liegen jedoch mehr als ein Dutzend Schreiben an Netzbetreiber vor, in denen Flexstrom allein am 27. und 28. Dezember 2012 einwilligte, künftig seine Rechnungen im Voraus zu bezahlen.

Die Zahlungsrückstände bei zahlreichen Netzbetreibern erklärte das Unternehmen laut Handelsblatt damit, dass diese oft überhöhte Forderungen stellten, die Flexstrom dann erst korrigieren müsste. Dies wiederum haben die Netzbetreiber zurückgewiesen.

Das Unternehmen arbeitet mit umstrittenen Vorkasse-Tarifen. Dabei zahlt der Kunde ein Jahr im Voraus und bekommt so sehr günstige Angebote, die bei Vergleichsportalen stets auf den vordersten Plätzen landen. Laut Flexstrom zahlen mehr als 50 Prozent der Kunden ein Jahr im Voraus, weitere rund 25 begleichen ihre Rechnungen vierteljährlich im Voraus.

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  • ...in dem Fall würde ich die offene Forderung (von Anfang an nunmehr ohne erkennbare Gegenleistung) beim Amtsgericht hinterlegen und später mit der Nichtleistung des insolventen Stromanbieters gegeneinander aufrechnen. In jedem Fall warte ich die Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters ab. Den Rest macht meine Rechtsschutzversicherung i.V. mit meinem Anwalt. Eine Rechtsschutzversicherung habe ich bereits seitdem ich selbständig Verträge abschließen darf. Ein nützliches Instrument!

  • Die nächsten Schritte sind

    1. Es kommt Post vom Grundversorger (Stadtwerke) die ankündigen das sie ab dem x.x.2013 automatisch der Versorger sind, weil Flexstrom nicht für ihr Netz bezahlt. Er wird nach dem Zählerstand am x.x.2013 fragen.

    2. Es kommt (viel viel später) Post vom Flexstrom-Insolvenzverwalter. Dieser wird alle ausstehenden Zahlungen in voller Höhe fordern, und die Möglichkeit anbieten, an die insolvente Flexstrom Forderungen zu stellen.

  • Vielleicht ist der Widerruf innerhalb von 14 Tagen möglich. Ansonsten erst mal Zahlung zurüchalten und die ersten Aufforderungen abwarten... ...es zeichnet sich doch ab, daß man in die Ersatzversorgung fallen wird. Und da wird doch erneut Geld benötigt...

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