Energie

Energiesicherheit
„Im Extremfall mit Gewalt eingreifen“

Energieträger wie Öl und Gas spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft. Doch die Gefahren bei der Versorgung wachsen. Sicherheitsberater Heiko Borchert von der Schweizer Gesellschaf Sandfire erläutert die Risiken.
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DüsseldorfDie Bedrohung durch Terroristen erfasst auch die Öl- und Gasförderung, wie der Überfall auf die Anlage in Algerien zeigt. Welche Rolle wird die Sicherheit bei der Rohstoffversorgung spielen?
Die Sicherheit der Rohstoffversorgung wird stark an Bedeutung gewinnen. Für exportorientierte Nationen wie Deutschland ist die weitgehend unterbrechungsfreie Versorgung mit Energie und Rohstoffen ein zentrales Thema. Denn, sonst kommt die Wertschöpfungskette ins Wanken. Deshalb muss man zwei Typen von Regionen besonders im Blick haben: die Rohstoffförderregionen und die Transportkorridore. Um den Zugang zu beiden entbrennt ein zunehmender Wettbewerb.

Welche Regionen sind das?
Dazu zählen beispielsweise Nordafrika mit Algerien, das Südchinesische Meer, wo mehrere Staaten um Einfluss ringen, oder die Arktisregion, wo das Abschmelzen des Eises den Zugang zu Ressourcen und neuen Versorgungswegen eröffnet.

Also werden künftig häufiger Kriege um Rohstoffe geführt?
Diese Zunahme von Wettbewerb heißt noch lange nicht, dass dieser auch kriegerisch geführt wird. Der Wettkampf wird aber mit deutlich härteren Bandagen geführt. Betrachten Sie beispielsweise die zunehmende Instrumentalisierung von Umweltschutzanliegen durch rohstoffreiche Länder. Diese versuchen, multinationale Konzerne in Bedrängnis zu bringen, um den nationalen Zugriff auf die Rohstoffe zu stärken.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Aufgrund von Öllecks bei einer Bohrinsel wurde ConocoPhilips von den chinesischen Behörden hart bestraft. Der Betrieb musste vorübergehend eingestellt werden, dürfte aber in diesem Jahr wieder aufgenommen werden.

Das war also ein vorgeschobener Grund?
Sicher spielt der Umweltschutzgedanke eine Rolle. Doch es gibt auch eine andere Sichtweise: Wer kontrolliert den Zugang zu den Ressourcen? Ein großer Teil der Rohstoffvorkommen befindet sich auf See. Immer mehr Staaten versuchen, nationale Ansprüche auch außerhalb der eigenen Wirtschaftszone geltend zu machen. Das führt zu starken Spannungen, wie aktuell um die Inselgruppen im südchinesischen Meer.

Was heißt das?
Es geht um strategischen Einfluss durch Kontrolle der Rohstoffförderregionen und der maßgeblichen Transportkorridore. Ob der Wettstreit zu gewalttätigen Auseinandersetzung führt, hängt auch von der generellen Risikolage in einer Region ab. Nehmen Sie das Beispiel Australien, das für die Versorgung mit Flüssiggas, Kohle und Uran eine wichtige Rolle spielt. Unwetter oder Überschwemmungen stellen dort ein großes Problem für die Rohstoffförderung dar. Die Bedrohung durch kriegerische Handlungen oder terroristische Anschläge ist dagegen sehr gering.

Kommentare zu " Energiesicherheit: „Im Extremfall mit Gewalt eingreifen“"

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  • Die Erneuerbare Energie sind bei aller berechtigter Kritik einfach ein unverzichtbares Verhandlungsargument für Deutschland und Europa gegenüber den Lieferländern von fossilen Energieträgern. Auch Uran wird größtenteils nicht in Europa abgebaut.
    Dank der EE müssen wir in Zukunft nicht mehr jeden Preis akzeptieren, sondern haben einen Kostendeckel, der durch die günstigsten Erneuerbare Energietechnologie inklusive Speicherung definiert wird.

  • @ Energieelite

    "Wird Europa Krieg um Öl führen?
    Klar ist: Versorgungssicherheit ist für Europa von strategischer Bedeutung. Alle Mittel, die zur Verfügung stehen, müssen hierfür eingesetzt werden."
    "Und ein größeres Engagement heißt, im Extremfall mit Gewalt einzugreifen"

    Machen Sie sich keine Sorge. Öl und Gas in den Nicht-G20-Staaten gehören uns zwar nicht, aber notfalls müssen wir uns das im Namen von Frieden und Demokratie eben mit Gewalt nehmen.

    Seit jahrzehnten, um nicht von Jahrhunderten zu sprechen, billigen wir selbstzufrieden die wirtschaftliche Unterentwicklung der rohstoffreichen Länder mit dem Argument das wir nun einmal besser entwickelt sind und uns die Früchte unseres technolgischen Vorsprungs allein zustehen. Im Rahmen sogenannter Entwicklungshilfe geben wir grosszügig ein paar Almosen ab.

    Nachdem es nun zunehmend dazu kommt, dass die Rohstoffländer zum einen selbst zur Förderung in der Lage sind, und zum anderen auch einen zunehmenden Eigenverbrauch enwickeln, sind wir natürlich weit davon entfernt den Rohstoffvorsprung dieser Länder zu akzeptieren und selbst in die Rolle des "Armen" zu schlüpfen. Nein, jetzt gilt selbstverständlich das Recht des Stärkeren. Und bedauerlich an der ganzen Sache ist nur, dass die USA, bisher zuverlässiger Kastanien-aus-dem-Feuer-holer, das vielleicht nicht mehr muss und die ach so friedensbetonten Europäer die Drecksarbeit jetzt selbst erledigen müssen.

    An Scheinheiligkeit ist das alles kaum zu überbieten.

  • Statt Biodiesel anzubauen sollten wir vorrangig versuchen in Emsssionshandl-Abhängigkeit von Schurkenstatten zu geraten.

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