Energie

Energieversorger
EnBW rappelt sich nur langsam auf

Die Jahreszahlen des drittgrößten deutschen Energieversorgers EnBW sind ernüchternd. Das Unternehmen treibt sein Sparprogramm zwar voran. Doch Konzernchef Frank Mastiaux macht wenig Hoffnung auf Besserung.
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DüsseldorfDie EnBW kommt nach der vorgezogenen Abkehr von der Atomkraft nur langsam wieder in den Tritt. „Das zurückliegende Geschäftsjahr war nicht leicht“, sagte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer am Freitag bei der Vorlage der Jahreszahlen von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg nur sehr zaghaft um 0,7 Prozent von 648 Millionen auf 652 Millionen Euro. Wie erwartet worden war, ging das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Adjusted EBITDA) um 4,3 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück.

Wie auch die Konkurrenten Eon und RWE versucht das Unternehmen derzeit, seine Kosten zu drücken. Bereits im Oktober hatte Konzernchef Frank Mastiaux ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt, im Zuge dessen er sich von zahlreichen Beteiligungen trennen will. Insgesamt will er so bis 2015 1,5 Milliarden Euro sparen. Rund 500 Millionen Euro wurden bereits durch den Verkauf von Anteilen an der Energiedienst Holding Ende 2011 und den Verkauf der polnischen Aktivitäten Anfang 2012 eingenommen. Die noch fehlende Milliarde will der Energieversorger bis 2015 einsparen.

Konzernchef Mastiaux, der das Unternehmen hin zur Produktion von mehr regenerativer Energie führen will, machte wenig Hoffnung darauf, dass dieses Jahr leichter wird. „Die Bilanz für 2012 zeigt, dass das traditionelle Geschäftsmodell der EnBW unverändert erheblich unter Druck ist“, sagte er. Dies habe „strukturelle Ursachen“ und sei daher nicht nur vorübergehend. „Auch in den kommenden Jahren werden wir diese negativen Auswirkungen noch deutlich sehen, da wir nicht davon ausgehen können, dass sich der Markt vom heutigen Niveau betrachtet, substanziell erholen wird“.

Die Energieversorger haben nicht nur mit den durch die Energiewende veränderten Marktbedingungen zu kämpfen, sondern auch mit dem gestiegenen Wettbewerb. Das zeigt sich auch bei der EnBW. So ist der Rückgang im bereinigten EBITDA vor allem auf den Bereich Stromerzeugung und -handel zurückzuführen.

Das Ergebnis sank dort um 18 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr ging der Stromabsatz im Geschäft mit Privat- sowie Industriekunden und Weiterverteilern um 12,8 Prozent auf 135 Milliarden Kilowattstunden zurück. Der Rückgang im Stromhandel sei zum einen zwar auf die Abschaltung von zwei Atomkraftwerken, jedoch auch auf den „intensiven Wettbewerb“ zurückzuführen, hieß es vom Unternehmen.

„Für mich heißt das, dass wir die EnBW konsequent neu am Markt und Kunden ausrichten müssen – strukturell, auf der Effizienzseite und strategisch“, sagte Mastiaux. Bereits im Februar hatte er angekündigt, dass sich die EnBW weg vom reinen Stromverkäufer und hin zum Berater und Dienstleister entwickeln will.


Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Energieversorger: EnBW rappelt sich nur langsam auf"

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  • EnBW bekommt nun die (politisch richtige) Chance nachhaltig zu wirtschaften. Die hochsubventionierten Strompreise der alten Kohle und Kernenergie sind sowieso nicht mehr zu halten. (stichwort MÜLL, CO2, Versicherung von AKWs, Aufbereitung, Kriegskosten...)
    @HofmannM, Der sogenannte "freie" Markt schafft bisher leider keinerlei Lösungen, sondern sorgt nur dafür, dass die Gewinne bei einigen wenigen bleiben. Noch leben wir in einer Demokratie und da gehört die Stromerzeugung auch in Bürgerhand. Das ist marktwirtschaftlicher , ökologischer und deutlich billiger. Jetzt schon und in Zukunft erst recht. Oder sind Sie auch einer von der Sorte, die die Schulden einfach auf die eigenen Kinder abwälzen??

  • Deutschland tauscht subventionierte Arbeitsplätze bei den Erneuerbaren Energien (die dann auch noch nach China abwandern: Solarindustrie) gegen Arbeitsplätze bei den Versorgern.

  • Ich fühl mich nicht geschädigt!

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