Energie

Energieversorger
EnBW schreibt Milliarden auf Kraftwerke ab

Für die großen Energieversorger sind ihre riesigen Kraftwerkparks zunehmend ein Problem. Jetzt kündigt EnBW Milliardenabschreibungen an. Vor allem Kohlekraftwerke sind ein Klotz am Bein.
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KarlsruheDer Energiekonzern EnBW muss wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise 1,5 Milliarden Euro abschreiben. Allein die Kraftwerke seien nach den neuesten Berechnungen 1,2 Milliarden weniger wert als bislang angenommen, teilte das Karlsruher Unternehmen am Dienstag mit. Weitere 300 Millionen Euro würden für nicht mehr kostendeckende Strombezugsverträge fällig. Mit den Abschreibungen bei den Kraftwerken folgt EnBW dem Beispiel anderer Versorger. So hatte RWE 2013 den Wert seiner Anlagen um 3,3 Milliarden Euro niedriger als zuvor angesetzt. In der Branche wird mittlerweile von einer „Blutspur der Energiewende“ gesprochen.

EnBW hatte bereits wegen des beschleunigten Atomausstiegs deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Der Versorger aus Baden-Württemberg hatte nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 zwei seiner vier AKW-Blöcke stilllegen müssen. Der staatlich beherrschte Konzern will in den kommenden Jahren das Geschäft mit erneuerbarer Energie deutlich ausbauen.

Die Kohlekraftwerke des Konzerns sind immer weniger wert, was sich in den Abschreibungen niederschlägt. Ihnen macht die Konkurrenz durch den Ökostrom zu schaffen. Die Strom-Großhandelspreise sind durch den Ausbau der erneuerbaren Energie und der Überkapazitäten bei den Kraftwerken stark gefallen. Damit können die Anlagen künftig nicht mehr die Ergebnisse der Vergangenheit erzielen. „Eine Verbesserung der Marktsituation ist nach Einschätzung der EnBW mittelfristig nicht in Sicht. Damit ist auch in den kommenden Jahren von einem anhaltend niedrigen Strompreisniveau auszugehen“, erläuterte das Management um Vorstandschef Frank Mastiaux.

Die Strom-Großhandelspreise hätten noch im zweiten Halbjahr 2012 bei rund 50 Euro je Megawattstunde notiert. Seitdem seien sie auf unter 35 Euro gefallen. EnBW will auch deswegen mehrere Kraftwerksblöcke still legen, trifft dabei aber zum Teil auf Ablehnung bei der Bundesnetzagentur. Während die Preise an den Strombörsen stark gesunken sind, schauen die Verbraucher in die Röhre. Der Strompreis für Haushaltskunden ist wegen der hohen Steuern und Abgaben weiter gestiegen. Sie machen rund die Hälfte des Preises aus.

An der Börse reagierten die Anleger verschnupft auf die milliardenschwere Abschreibung des Versorgers. Die EnBW-Aktie gab mehr als drei Prozent nach auf 26,75 Euro. Das Land Baden-Württemberg hatte Ende 2010 vom französischen Versorger EDF 45 Prozent der Anteile an EnBW übernommen. Bei einem Preis je Aktie von 41,50 Euro belief sich der Gesamtpreis auf 4,7 Milliarden Euro.

Nach den jetzigen Abschreibungen betonten die Karlsruher, dass die Belastungen keinen Einfluss auf die Bemessungsgrundlage der Dividende hätten, da dabei Sonderfaktoren nicht berücksichtigt würden. Der Konzern legt am 1. August seine Halbjahreszahlen vor. Im ersten Quartal war das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 15 Prozent auf 745 Millionen Euro geschrumpft. Im Gesamtjahr könnte es dem Konzern zufolge um bis zu fünf Prozent zurückgehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energieversorger: EnBW schreibt Milliarden auf Kraftwerke ab"

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  • Abschreibung bedeutet nur: Der Kunde muss wieder zahlen. Warum Windkrafträder, wenn man sich weigert die Erzeugung mit dem Verbraucher zu verbinden? Nur Politiker wollen dies, damit sie den Verbraucher noch mehr belasten können!!!

  • Mann baut etwas mit Subventionen, schreibt es dann ab und ein paar Milliarden verschwinden.

    Von diesen 2 % Gewinn lebt das Gesox wie RWE, EON, Vattenfall.....

  • neben RWE hat auch Eon schon Mrd. abgeschrieben. Spannends wirds, wenn man im Rahmen der dynamischen Bilanzierung in den nächsten Jahren dann plötzlich wieder aufgewertet wird.

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