Energie

Energieversorger
Eon zieht sich aus Südeuropa zurück

Dass Eon sich von seinem Italien-Geschäft trennen will, war bereits bekannt. Nun prüft der Energieversorger jedoch offenbar, sich aus ganz Südeuropa zu verabschieden. Der Konzern hat in den Märkten kein Glück gehabt.
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DüsseldorfDer Energieversorger Eon will sich nach „Spiegel“-Informationen von allen Unternehmensbeteiligungen in Italien und Spanien trennen. Konzernchef Johannes Teyssen wolle sich künftig auf wenige Kernmärkte wie Großbritannien, Schweden, Deutschland oder Russland konzentrieren, berichtete das Magazin am Freitag vorab. Der Konzern selbst wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht zu einzelnen Ländern oder Aktivitäten äußern. Eon prüfe aber „ständig strategische Optionen für das gesamte Konzernportfolio“, erklärte eine Sprecherin.

Eon beschäftigt in Spanien 1300 Mitarbeiter und hat 670.000 Kunden. In Italien versorgt Eon knapp eine Million Kunden und beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter. Bereits im November hatte das Handelsblatt gemeldet, dass sich Eon von seiner Beteiligung in Spanien trennen will.

Eon machen wie auch den Rivalen RWE und EnBW die gefallenen Strom-Großhandelspreise an der Börse zu schaffen. Diese sind wegen Überkapazitäten, der zunehmenden Konkurrenz durch Ökostrom aus Wind und Sonne sowie der Krise im rezessionsgeplagten Süden Europas unter Druck geraten. Um gegenzusteuern setzt Eon unter anderem auf Kostensenkungen und den Verkauf von Unternehmensteilen.

Die Südeuropa-Beteiligungen hatte Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat 2008 für mehr als neun Milliarden Euro erworben. Laut Informationen des Handelsblatts musste Eon die Zukäufe in Südeuropa seitdem bereits mehrfach abwerten – insgesamt summierten sich die Abschreibungen auf Italien, Spanien und Frankreich auf 6,5 Milliarden Euro.

Der „Spiegel“ berichtete, zum Verkauf stünden nicht nur Kohle- und Gaskraftwerke, sondern auch große Erzeuger erneuerbarer Energien, darunter Wasserkraftanlagen in Italien, sowie Windparks und Solaranlagen in Spanien. Möglicher Interessent sei der französische Energieriese EDF.

Die niedrigen Strompreise am Großhandelsmarkt führen nicht nur in Südeuropa zu Problemen: Eon hat bei der Bundesnetzagentur die Schließung von weiteren Kraftwerksblöcken angemeldet. Der Konzern bestätigte am Freitag die Pläne, zwischen Dezember 2014 und dem ersten Quartal 2015 Kapazitäten in einem Volumen von rund 2500 Megawatt zusätzlich aus dem Markt zu nehmen. Auslöser seien auslaufende Stromlieferverträge mit Großkunden, niedrige Preise am Großhandelsmarkt sowie das Ende der technischen Lebensdauer der Anlagen. Die betroffenen Standorte befinden sich hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen (Scholven, Knepper, Veltheim). Eon kann die Kraftwerke allerdings nur schließen, wenn die Bundesnetzagentur sie nicht als systemrelevant einstuft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Energieversorger: Eon zieht sich aus Südeuropa zurück"

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  • Das ist gemein!
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    Der ClubMed ist doch [systemrelevent"[/b]
    Und jetzt will Eon nur noch in den reichen Nordstaaten investieren, das ist gemein! Wo bleibt da die "Solidarität" mit den "armen" Nehmerländern?
    Sollen die jetzt etwa halb so viel wie die Deutschen für den Strom bezahlen? Da müssen sie doch sofort vor dem EGMR klagen!

  • @ab_in_die_Gruetze
    Teyssen ist ein kleiner Provinz-Fürst der von Avacon stammt. Der hat es nie gelernt über den Tellerrand hinauszuschauen oder strategische Projekte wirtschaftlich durch zuziehen. Es ist auch nicht so wie im Artikel geschrieben
    "Eon machen wie auch den Rivalen RWE und EnBW die gefallenen Strom-Großhandelspreise an der Börse zu schaffen." , sondern EON macht zu schaffen, dass der Konzern keine Strategie hat. Solange der Aufsichtsrat solche Managertypen hofiert und deckt, wird weiterhin Aktionärskapital vernichtet.

    Ich bin mir sicher, dass EON in 10 Jahren nicht mehr existiert oder übernommen worden ist.

    Dreimal dürfen Sie raten, wer daran dann maßgeblich Mitverantwortung getragen hat! Mit Sicherheit war es nicht die Energiewende, sondern eklatantes Missmanagement.

    Als EON-Aktionär werde ich von meinem Rederecht in der HV im April/Mai 2014 Gebrauch machen!

  • in Südeuropa den Laden zu schliessen, große ökologisch arbeitende Kraftwerke zu schließen all das in einer Zeit, in der vermutlich nur Tiefpreise zu erzielen sind, wird die Substanz dieses Konzerns weiter schwächen!

    Wenn man dann noch berücksichtigt, daß der Vorstand auf dem Gipfel des Hypes in der Türkei und in Brasilien Kraftwerke zugekauft hat, muß man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Anscheinend ist Teyssen ein Zykliker, der mich sehr stark in seinem Verhalten an den TUI-Kapitalvernichter Michael Frenzel erinnert. Kraft- und saftlos, ohne Vision und Empfinden für die Trends. Er war schon bei der Energiewende der Grünen auf der falschen Seite, morgen wird er es auch in Russland sein. Die Großaktionäre sollten sein Treiben baldmöglichst stoppen, dem Konzern drohen sonst ähnliche dumpfe Jahre wie TUI!

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