Energie

Energiewende
Eon steht vor Verkauf des Gas-Geschäfts in Ungarn

Der Energiekonzern will sein Gas-Geschäft in Ungarn an den Staatskonzern MVM verkaufen. Die beiden Unternehmenschefs unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung. Eon kann das Geld gut gebrauchen.
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Düsseldorf/BudapestDer größte deutsche Energiekonzern Eon kommt beim Verkauf von Unternehmensanteilen und Auslandsgeschäften voran. Das ungarische Gas-Geschäft soll an den staatlichen Energieversorger MVM gehen. Eon-Chef Johannes Teyssen und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hätten eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, teilte die Regierung am Freitag mit. Die Details des Vertrags sollen bis Mitte Dezember ausgehandelt werden, bis Januar soll das Geschäft unter Dach und Fach sein.

Eon bestätigte die Unterzeichnung der Absichtserklärung, wollte sich zum Preis aber nicht äußern. Medienberichten zufolge bot MVM 800 Millionen Euro, Eon soll 1,2 Milliarden Euro gefordert haben. Eon hatte 2005 für 2,1 Milliarden Euro die Aktienmehrheit an der Gassparte des ungarischen Energiekonzern MOL erworben. 2010 hatte sich die damalige ungarische Regierung, kurz vor dem Wechsel zu Orban, das Vorkaufsrecht gesichert.

Die Düsseldorfer können das Geld gut gebrauchen. Durch die Energiewende befindet sich das Unternehmen derzeit in einem tiefen Umbau. Dem Konzern fehlen einerseits die Einnahmen aus den teilweise schon abgeschalteten Atomkraftwerken. Andererseits sind Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energie notwendig. Um diese zu stemmen, wollen die Düsseldorfer Vermögenswerte von insgesamt 15 Milliarden Euro verkaufen. Zuletzt hatte sich Eon von seinem Anteil an dem britischen Atomunternehmen Horizon getrennt.

Der ungarische Ministerpräsident hatte bereits Ende August angekündigt, die Division für den Handel und die Speicherung von Gas von Eon erwerben zu wollen. Durch die Übernahme will die Regierung eine stärkere Kontrolle über die Gas-Importe und langfristig auch die Energiepreise erlangen. „Ungarns Energiepolitik strebt die Schaffung einer dauerhaften Versorgungssicherheit an“, hieß es in einer Stellungnahme des Regierungspresseamtes am Freitag in Budapest.

Der Schritt fügt sich in eine Reihe von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft ein, von denen sich der rechts-konservative Orban eine stärkere Kontrolle über das Wirtschaftsgeschehen erhofft. So wurden unter Orban die private Säule der obligatorischen Rentenversicherung verstaatlicht und strategische Staatsanteile am Energiekonzern MOL erworben. Ein neues Gesetz sieht außerdem die Wiederverstaatlichung der Abfallwirtschaft vor. Innerhalb der EU ist Orbans Politik heftig umstritten.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Angesichts des Versagens solcher Klitschen wie Tennet ist es sogar nachvollziehbar, wenn lebenswichtige Versorgungsinfrastruktur sozialisiert wird. Und Energieversorger gleich mit.

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