Energie

Energiewende
Stromkonzerne knöpfen Bürgern zu viel Geld ab

Mit den Kosten der Energiewende haben Stromanbieter Preiserhöhungen begründet. Doch Verbraucherschützer rechnen vor, dass in den Haushalten dabei 2,1 Milliarden Euro zu viel abkassiert werden.
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BerlinMit den für das kommende Jahr angekündigten Strompreiserhöhungen verlangen die Energiekonzerne nach Angaben von Verbraucherschützern 2,1 Milliarden Euro zu viel von ihren Kunden.

Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher schreibt, dürften die Strompreise aufgrund der staatlich veranschlagen Mehrkosten durch die Energiewende nur um sechs Prozent statt wie im Durchschnitt angekündigt um zwölf Prozent steigen.

Aribert Peters, Chef des Bundes der Energieverbraucher, sagte der Zeitung: „Die Konzerne reden sich mit den Mehrkosten durch die Energiewende raus. Gerechtfertigt wären aber nur sechs statt der unverschämten zwölf Prozent Preisaufschlag. Die Stromkunden werden dreist mit 2,1 Milliarden Euro abkassiert.“

Wie Peters in dem Blatt vorrechnete, verursachten zwölf Prozent Preiserhöhung für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden Strom Mehrkosten von 140 Euro. Nur die Hälfte davon sei mit den Kosten der Energiewende zu erklären. Bei 30 Millionen betroffenen Haushalten, ergeben sich den Berechnungen zufolge ungerechtfertigte Preiserhöhungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.

Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat die geplanten Strompreiserhöhungen in Deutschland um durchschnittlich rund zwölf Prozent als teilweise ungerechtfertigt kritisiert. „Viele Stromversorger liegen mit ihrer Erhöhung deutlich über der Erhöhung der Erneuerbare-Energien-Umlage“, sagte Altmaier der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

„Das ist schwer zu verstehen, weil die Börsenstrompreise seit dem letzten Jahr auf breiter Front gesunken sind“, betonte der Minister mit Blick auf die Einkaufspreise, die dank mehr Wind- und Solarstrom zum Teil deutlich gesunken sind. Etwa drei Viertel der Stromkunden müssen vom kommenden Jahr an tiefer in die Tasche greifen - rund 600 Versorger wollen die Preise erhöhen.

Grünen-Energieexpertin Bärbel Höhn kritisiert die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde für die Bewilligung diverser Firmenbefreiungen vom Netzentgelt. Durch die Befreiung großer Firmen von den Netzentgelten entfielen auf private Haushalte Mehrkosten von 800 Millionen Euro im nächsten Jahr.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Altmaterial empfiehl den Stromkunden den Anbieter zu wechseln. Das hört sich gut an, stellt aber in der Realität einen Bärendienst dar. Gleiches empfiehlt auch das Kartellamt.

    Weshalb?
    Den Dreh haben die Energieversorger auch mitbekommen. Sie haben Tochterfirmen direkt und indirekt gegründet und Fischen in den Vergleichsportalen nach Kunden.

    Wechselt jetzt ach dem Rat der Behörden ein Verbraucher den Energieversorger, gibt er alle seine Rechte auf und startet bei dem nächsten Versorger unter Anerkennung aller dort zuvor zu monierenden Fakten.

    Der richtige Weg ist der Preiserhöhung zu widersprechen, Begründung zu verlangen und sich auf die Angaben des Bundesumweltministers zu beziehen, der behauptet, dass die Preiserhöhung unbillig wäre. Mit dem Anstieg der Beschaffungskosten sei diese Preiserhöhung ebenfalls nicht zu begründen.

  • Die anti-Stromkonzern Rhetorik klingt so, als würde man jetzt den letzten Sargnagel der ehemaligen Marktwirtschaft ansetzen. Dieser Sargnagel sind "Preiskontrollen"!

    Preiskontrollen bedeuten traditionell leere Regale und langte Schlangen. Beim Strom werden diese Kälte, Dunkelheit, und brummende Dieselgeneratoren bedeuten!

  • Lieber "joe"!

    Sie sprechend die Entsorgungskosten an, die im EEG nicht enthalten sein sollen. Sie haben recht. Die Entsorungskosten müssen tatsächlich von den jeweiligen Anlagenbeteibern bezahlt werden und haben in der Umlage auch nichts zu suchen. Was Solarstrom betrifft, so müssen die Modulhersteller einen Recycling-Nachweis erbringen, damit der Anlagenbetreiber in den Genuß eines KfW-Darlehens kommen kann. Was wenige wissen, ist, daß mehr als 95 % der Anlagen komplett unproblematisch sind. Im Verhältnis sind nur wenige Großanlagen mit problematischeren CdTe-Module errichtet worden (z. B. First Solar). Aber auch für diese, mit Cadmium-Telurid belasteten Modultypen gibt es ein funktionierendes Recycling-System. Alle anderen Typen (kristallines Silizium) bestehen so ziemlich nur aus Wertstoffen: Alu, Glas, Silber, Kupfer und auch das Silizium ist komplett recylebar.

    Allerdings sind andere Entsorgungkosten auch nicht im Strompreis enthalten. Nämlich die der Atomenergie. Diese Kosten werden fast vollständig auf den Steuerzahler abgewälzt. Im Gegensatz dazu sind die Entsorgungskosten der Solaranlagen vom Anlagenbeteiber zu bezahlen. Das finde ich ungerecht. Atomstrom-Erzeuger sollten die Entsorgungskosten auch in vollem Umfang selbst bezahlen müssen.

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