Energie

Energiewirtschaft
Strom aus erneuerbaren Energien wird immer billiger

Verbund-Chef Anzengruber fordert mehr dezentrale Speicher auf der Handelsblatt-Energietagung in Wien. Österreich fördert noch stärker Ökostrom.
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WienEinen Siegeszug der erneuerbaren Energien durch die sinkenden Preise bei der Produktion erwartet der österreichische Stromkonzern Verbund. „Photovoltaik wird eine bestimmende Rolle in der Zukunft spielen“, sagte Verstandschef Wolfgang Anzengruber auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Wien. Der Branchenprimus in Österreich verweist darauf, dass die Kosten bei der Solarenergie in den vergangenen sieben Jahren um 70 Prozent zurückgegangen seien. Auch bei der Windkraft wären die Kosten um ein Viertel gesunken. Anzengruber erwartet, dass 7,6 Milliarden Dollar an Investments in die erneuerbaren Energien bis 2040 gehen werden.


Diese Sichtweise wird auch vom österreichischen Wirtschaftsministerium unterstützt, wie Michael Losch, enger Mitarbeiter von Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP), auf der Tagung am Mittwoch verdeutlichte. „Wir müssen mehr in erneuerbare Energie investieren“, forderte Losch. Es sei möglich, in Österreich zu 100 Prozent den Strom aus erneuerbaren Energie zu gewinnen. Im Sommer hatte Österreich über eine Ökostrom-Novelle beispielsweise Photovoltaik-Gemeinschaftsanlagen ermöglicht und die Förderung von Speichertechnologien ausgebaut.


„Die Digitalisierung wird für eine zusätzliche Dynamik im Energiesektor sorgen“, prognostizierte Anzengruber. Der Energiemanager sieht weltweit ein Einsparpotenzial von 80 Milliarden Euro. „Die künftige Energiewelt wird dezentraler und demokratischer werden“, ist sich der Verbund-Chef sicher. Der österreichische Energiekonzern unterstützt Kommunen in der Alpenrepublik bei Ausbau der erneuerbaren Energie.

Um die Volatilität bei der Stromerzeugung über erneuerbare Energien auszugleichen, wird das Thema Speicherung von größter Bedeutung sein. Wie im Mikrochip-Bereich gebe es bei der Stromspeicherung große Kostensenkungen und hoher Leistungssteigerung. Innerhalb von neun Jahren seien die Preise bei den Lithium-Ionen-Batterien um mehr als zwei Drittel gesunken. „In Österreich gibt es mit den Pumpspeicherwerken eine hohe Flexibilität. Doch sie wird allein nicht ausreichen“, sagte Anzengruber, dessen Konzern Strom fast vollständig aus Wasserkraft gewinnt.

Notwendig seien dezentrale Speicher. Darauf müsse auch die Energiepolitik reagieren. „Speicher, Regionalität und Digitalisierung würden für eine „Revolution“ auf dem Energiemarkt sorgen, ist der CEO überzeugt. „Die Dezentralität in der Stromerzeugung lässt sich angesichts der Kostenregression bei den erneuerbaren Energien nicht aufhalten“, sagt Anzengruber. „Die Politik muss nicht gestalten, doch sie muss die Rahmenbedingungen schaffen. Der Wettbewerb der Technologien muss stärker gefördert werden“, forderte der Energiemanager.

Er warnte davor, dass Europa bei der Speichertechnologie von anderen Regionen überholt wird. Die Verbund AG gehört zu 51 Prozent dem österreichischen Staat. Die Alpenrepublik hat nach Regierungsangaben den Anteil der erneuerbaren Energie bereits auf 33 Prozent gesteigert. Damit liegt Österreich deutlich über das EU-Ziel von 20 Prozent.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Energiewirtschaft: Strom aus erneuerbaren Energien wird immer billiger"

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  • Was im Artikel nicht thematisiert wird, ist dass Österreich als Alpenstaat bereits seit Generationen einen sehr hohen Anteil Wasserkraftstrom nutzt. Wasserkraft wird seltsamerweise den "Erneuerbaren Energien" zugeordnet gleichwohl es die wesentlichen Merkmale "Erneuerbarer Energie" wie unwirtschaftliche Kosten, unbrauchbarer Strom, oder Verbrennung von Lebensmitteln nicht erfüllt.

    Weiterhin hat in Österreich die Verbrennung von Holzabfällen aus der Waldwirtschaft eine grössere Bedeutung als in Deutschland.

    Strom aus Wind und Sonne hat als Zufallsstrom auch in Österreich nur einen geringen Wert.

  • "Strom aus erneuerbaren Energien wird immer billiger"

    Nur nicht für den Verbraucher.

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