Energie

Eon baut neuen Windpark

Milliardenprojekt in der Ostsee

Endlich macht Eon ernst mit der Energiewende. Die Abspaltung der Kohlekraftwerke läuft auf Hochtouren – und der Energiekonzern plant auch noch einen neuen Offshore-Windpark. Aber kommt dieses Engagement nicht zu spät?
Der Eon-Chef meint es nun ernst mit der Energiewende. Quelle: dpa
Johannes Teyssen

Der Eon-Chef meint es nun ernst mit der Energiewende.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAm Dienstag hat Johannes Teyssen einen wichtigen Termin in London. Der Eon-Chef hat die Analysten zusammengerufen, um ihnen die finanziellen Details hinter der laufenden Abspaltung von Uniper zu erläutern. Auf der Tagesordnung stehen wichtige Fragen: Wie ist das Unternehmen finanziell ausgestattet, in das Eon zum Jahreswechsel das notleidende Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken ausgegliedert hat? Und wie soll es mit dem Eon-Konzern selbst weitergehen, der sich künftig auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrieren wird?

Am Montag signalisierte Teyssen den Analysten bereits, wie ernst es Eon mit der Ausrichtung zum „grünen“ Energiekonzern tatsächlich ist. Trotz angespannter Finanzen brachte das Unternehmen ein Milliardenprojekt in der Ostsee auf den Weg: Es traf die Investitionsentscheidung für den Offshore-Windpark „Arkona“. Das Projekt wird mehr als 1,2 Milliarden Euro kosten – allerdings wird Eon die Summe nicht alleine stemmen. Mit einem Anteil von 50 Prozent ist der norwegische Energiekonzern Statoil mit an Bord.

Der Windpark wird 35 Kilometer nordöstlich von der Insel Rügen gebaut und soll im Jahr 2019 vollständig in Betrieb sein. Mit einer Leistung von 385 Megawatt (MW) wird er so viel Strom produzieren, um rechnerisch
400.000 Haushalte versorgen zu können. Installiert werden 60 Turbinen, die von Siemens geliefert werden. Eon betonte, es werde dann „das erste Unternehmen sein, das sowohl in der deutschen Nord- als auch in der
Ostsee eigene Offshore-Windparks betreibt.“

Eon konzentriert sich seit Jahresbeginn auf den Betrieb der Energienetze, das Geschäft mit Endkunden und erneuerbare Energien. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben bereits Wind- und Solarkraftwerke mit einer Leistung von zusammen 5,2 Gigawatt. Im Bereich Offshore-Wind sieht sich Eon als die weltweite Nummer 2.

Das bisherige Kerngeschäft, der Betrieb der großen, konventionellen Kraftwerke, ist seitdem in Uniper gebündelt. Zudem kümmert sich das neue Unternehmen um den Großhandel und die Gasproduktion.

Nachdem die Trennung im operativen Geschäft schon zum ersten Januar vollzogen wurde, steht die endgültige Aufspaltung aber erst noch bevor. Am achten Juni soll die Hauptversammlung von Eon diese endgültig besiegeln.

Wer übernimmt die Zukunft, wer den Ballast?
Vertrieb
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Eon übernimmt 33 Millionen Kunden – in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa oder der Türkei. Das Geschäft ist solide, die Margen sind aber dünn. Neue Produkte und Dienstleistungen müssen her. Das Problem: Eon wird sich mit neuen, schlagkräftigen Konkurrenten messen. Die heißen, Google, Apple oder Samsung. Fazit: Hoffnungswert.

Konventionelle Stromproduktion
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Jahrzehntelang produzierten Kohle- und Gaskraftwerke nicht nur Strom, sondern auch Unmengen an Geld. Strom wurde eben in großen, zentralen Anlagen produziert. Jetzt hat per Gesetz grüner Strom Vorrang im Netz und drängt die großen Kraftwerke aus dem Markt. Allein in den ersten neun Monaten brach das Ebitda der Sparte um 32 Prozent ein. Uniper muss retten was noch zu retten ist. Fazit: Sanierungsfall.

Erneuerbare Energien
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Eon stieg spät in das Geschäft mit erneuerbaren Energien ein. Inzwischen hat das Unternehmen aber schon Windanlagen mit mehr als vier Gigawatt Leistung installiert – das entspricht rund vier Kernkraftwerken. Bei Offshore-Wind sieht sich Eon weltweit an Nummer zwei, bei Onshore auf Position zwölf. Bald schon wird beim Ebitda die Milliardenmarke geknackt – kein Wunder das Eon die Sparte behält. Fazit: Zukunftsgeschäft.

Netze
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Eons Stromleitungen reichen theoretisch 25 Mal um die Erde. Eine Million Kilometer hat der Konzern verlegt. Das Netz will Eon auch behalten und hat gute Gründe: Die Renditen werden zwar von Regulierungsbehörden gedeckelt, aber lieber kleine Renditen als gar keine Renditen wie bald in der Stromproduktion. Fazit: Solides Geschäft.

Großhandel
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Den Großhandel gibt Eon ab, damit Uniper den Strom aus den Kraftwerken wenigstens selbst vermarkten kann. Die Tochter bewegt Milliarden, kauft Kohle zum Verfeuern ein und bringt russisches Gas in Europa unter. Das war früher einmal ein einträgliches Geschäft, aber auch die Zeiten sind längst vorbei. Fazit: Spekulationsobjekt.

Exploration und Produktion
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Jahrelang hat Eon gekämpft, um einen eigenen Zugang zu den russischen Gasfeldern zu bekommen, jetzt übernimmt Uniper das Geschäft. Die neue Gesellschaft ist an einem lukrativen Feld in Westsibirien beteiligt, Juschno Russkoje, fördert dort pro Jahr knapp sechs Milliarden Kubikmeter Gas und fährt solide Gewinne ein. Dumm nur, dass neben dem Strompreis auch der Ölpreis im Keller ist, aber das muss ja nicht so bleiben. Fazit: Dauerbrenner.

Kernenergie
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Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne mit ihren Reaktoren unverschämt viel Geld verdient, jetzt sind die Anlagen nur noch eine einzige Last. Die Reaktoren müssen teuer abgebaut und die Brennelemente noch teurer entsorgt werden. Kein Wunder, dass Eon die Aufgabe gerne Uniper überlassen hätte. Daraus wird aber nichts: Mit einem neuen Gesetz schob die Bundesregierung dem einen Riegel vor, Eon muss sich um die drei noch aktiven und fünf bereits im Rückbau befindlichen Reaktoren kümmern. Fazit: Ballast.

Die finanziellen Eckdaten der Spaltung wollen Teyssen und Uniper-Chef Klaus Schäfer am Dienstag präsentieren. Mit Spannung erwarten die Analysten vor allem, welcher Teil wieviel der Verbindlichkeiten übernimmt. Beide Unternehmen wollen sich aber auch zu ihren finanziellen Planungen äußern.

Teyssen hatte im März schon eingeräumt, dass die Spaltung in schwierigen Zeiten vollzogen wird. Vor allem die Perspektiven von Uniper haben sich verschlechtert. Als Teyssen die Strategie Ende 2014 bekanntmachte, kostete Strom im Großhandel noch deutlich mehr als 30 Euro je Megawattstunde. Aktuell sind es kaum mehr als 20 Euro. Die Kraftwerke von Uniper verdienen kaum noch Geld.

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