Handelsblatt-Energiegipfel: Teyssen bedauert Gabriels Abschied

Energie

Eon-Chef Teyssen
„Gabriel hat eine klare Furche gezogen“

Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel lobt Eon-Chef Johannes Teyssen den scheidenden Energieminister Sigmar Gabriel – als Politiker und als Mensch. Für dessen Nachfolger hat er aber schon konkrete Forderungen.
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BerlinAls schlechtes Omen wollte Johannes Teyssen die Personalie Sigmar Gabriel nicht verstehen: Der Bundeswirtschaftsminister hatte am Dienstag den ersten Tag der Handelsblatt-Energietagung mit seiner Rede eröffnet und später seinen Rücktritt angekündigt. Am Mittwoch war Teyssen der erste Sprecher im Berliner Hotel Intercontinental.

Der Vorstandschef des Energieversorgers Eon bedauerte Gabriels Abschied aber ausdrücklich – insbesondere in seiner Rolle als Energieminister. Dieses Ressort fiel ja auch in Gabriels Verantwortungsbereich: „Herr Gabriel hat sehr viel bewegt. Wir haben nicht allem zugestimmt – und waren nicht über alles glücklich“, sagte Teyssen vor den versammelten Energiemanagern beim Branchentreff, der inzwischen zum 24. Mal vom Handelsblatt organisiert wurde, „er hat aber eine klare Furche gezogen.“

Gabriel habe „vieles modernisiert, sich manches getraut“, was sich andere nicht getraut haben. Er bedauere den Abschied aber auch als Mensch. Sie beide seien vom gleichen Jahrgang, kämen beide aus Niedersachsen und würden beide sagen, was sie denken. Gabriel hatte am Dienstagnachmittag überraschend angekündigt, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten. Gleichzeitig will er von den Ämtern des Wirtschaftsministers und des Parteivorsitzenden zurücktreten und Außenminister werden. Am Vormittag hatte er auf dem Energiegipfel seine Leistung im Bereich Energie noch einmal Revue passieren lassen.

Gabriel nahm für sich in Anspruch, nicht mehr auf einzelne Partikularinteressen geachtet zu haben, sondern die Energiewende pragmatisch auf den Weg gebracht zu haben. Tatsächlich wurden unter ihm unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz gleich mehrfach reformiert, der Anstieg der EEG-Umlage begrenzt oder die Erdverkabelung der Übertragungsleitungen beschlossen.

Teyssen hat aber auch schon an Gabriels Nachfolger im Amt des Energieministers Forderungen – insbesondere, was die Belastung der Kunden angeht. „Wir brauchen eine grundlegende Reform der Energiesteuern, Abgaben und Umlagen“, forderte Teyssen. Über die Jahre seien neu aufgetretene Probleme „gerne beim Energiekunden abgeladen worden“: Von der Finanzierung der Renten durch die Stromsteuer bis hin zum Offshore-Netzanschluss. „Wer versteht noch, für was er alles zahlen soll? Und warum? Den Kunden wurde eine gesellschaftliche Aufgabe nach der anderen aufgebürdet. Hier ist endlich ein klarer Schnitt nötig.“

Tatsächlich ist die Belastung in Deutschland hoch. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft entfielen im vergangenen Jahr 54 Prozent des Strompreises, den Privatkunden bezahlen mussten, auf Steuern, Umlagen und Abgaben. Der Eon-Chef macht sich aber auch keine Illusionen: „Vor der Bundestagswahl wird nichts mehr passieren“, sagte er. „Aber jetzt ist die Zeit, die Themen aufzurufen: Jetzt werden die Parteiprogramme geschrieben.“

Kommentare zu " Eon-Chef Teyssen: „Gabriel hat eine klare Furche gezogen“"

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  • So Bemerkenswert nun auch nicht. Eher eine Zeichen des Pragmatismus - und zwar der zynischsten Art. CO2 Zertifikate sind eine Marktlösung und da haben eigentlich alle Energieversorger immer gesagt, dass das das richtig Instrument zur Energiewende und zum Klimaschutz ist. Im Gegensatz zu nationalen Instrumenten - von denen wohl das EEG im Ansehen vom "Weltvorbild" zur grössten Missgeburt geworden ist (man beachte wie die Zuweisung der Vaterschaft in den letzten Jahren von einem Lob zu einer Beschimpfung geworden ist).
    Einzusehen, dass das EEG wohl nicht abgeschafft wird (nachdem man in Kopenhagen den Schritt von nationalen zu kommunalen Einsparungszielen gegangen ist - Europäische Ziele hat man nicht mal in den Mund genommen), ist also das Fazit, dass der CO2 Markt versagt hat. Die einzige Rettung ist ein Carbon-Floor-Price. Wenngleich eine marktwirtschaftliche Todsünde und ein weiterer Schritt weg von ambitionierten globalen Einsparungszielen.
    E.ON kann seine Erneuerbaren in D verkaufen. Der Stadtrat Hintermmondheim kann weiter seine CO2 Einsparung beim neuen Rathaus mit Wärmepumpen, Solarzellen etc. feiern und gleichzeitig Übertragungsleitungen für Windstrom blockieren. Und Polen baut weiter Kohlekraftwerke: wenn D den Carbon Floor bei 20€ einführt sinkt der Börsenpreis von 5 auf 3€.
    Politiker Glücklich. EGON Glücklich. Klimanutzen: Null.

  • Bemerkenswert, das sich sogar die Energiebranche für einen CO2-Mindestpreis ausspricht. Etwas, was Hr. Gabriel immer abgelehnt hat?! Die Energiebranche lernt offensichtlich dazu. So ist man jetzt mehrheitlich für einen konkreten Ausstiegsfahrplan aus der Kohle. Ein Wirtschaftsminister muss Veränderungen gestalten ... und nicht aussitzen oder sogar blockieren. Insofern ist der Rücktritt von Hr. Gabriel ein Hoffnungsschimmer am Horizont ... wenn der Nachfolger "verstanden" hat?!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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