Energie

Eon-Chef Teyssen provoziert
„Hat der Staat nicht selbst die AKWs gebaut?“

Die Politik stört den Eon-Umbau mit Plänen für eine neue Haftung für die Atomkraftwerk-Risiken. Konzernchef Johannes Teyssen hält mit einer provokanten Frage dagegen: Hat der Staat nicht selbst die AKWs gebaut?
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DüsseldorfKeine Frage, Johannes Teyssen ist keiner dieser aalglatten Manager, die sich jedes Wort zweimal überlegen, um es dann doch nicht auszusprechen. Wenn ihn etwas stört, spricht er es offen an. Häufig wird er emotional, manchmal sogar richtig provokant.

Aktuell verfolgt die Politik mal wieder Pläne, die Teyssen in Rage bringen. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einem Gesetz, das die Haftung für die Risiken aus der Kernenergie verlängern würde. Für Eon könnte das dramatische Folgen haben: Der Konzern müsste auch nach der geplanten Abspaltung der Kernkraftwerke in die neue Gesellschaft Uniper faktisch unbegrenzt für Rückbau und Entsorgung haften. Von einer „Ewigkeitshaftung“ ist schon die Rede. Aktuell beträgt die Nachhaftung nur wenige Jahre.

Teyssen konterte den Angriff jetzt mit einer provokanten These: „Ist es denn richtig, dass derjenige für alle Ewigkeit haftet, der die Kernkraftwerke derzeit besitzt, oder derjenige, der sie gebaut hat?“, fragte er am Donnerstag bei einem Auftritt vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Letzteres wäre in manchen Fällen nämlich der Staat selbst. Wer habe denn die Kraftwerke bei Hamburg gebaut? Die damalige HEW. Und wem habe der Versorger damals gehört? Der Freien und Hansestadt Hamburg. Und wer habe die Reaktoren in Bayern gebaut? Das Bayernwerk. Und wem habe das damals gehört? Dem Freistaat Bayern. Vor einem guten Jahrzehnt habe Hamburg HEW an Vattenfall verkauft und gutes Geld dafür bekommen. „Ist es seriös, dass die Schweden jetzt für immer haften sollen?“

Vattenfall steht genauso wie Eon im Fokus des geplanten Gesetzes. Die Schweden hatten vor Jahren die deutschen Kernkraftwerke in eine GmbH ausgegliedert und sind in Deutschland auf dem Rückzug. Teyssen hatte Ende 2014 mit einem radikalen Strategiewechsel überrascht. Deutschlands größter Energiekonzern will sich in zwei Teile aufspalten. Während sich die Eon SE komplett dem Geschäft mit der Energiewende verschreiben will, sich um Vertrieb, Netze und erneuerbare kümmern will, soll das bisherige Kerngeschäft, der Betrieb von großen Kraftwerken, an Uniper gehen. Kritiker sehen darin vor allem den Versuch, die Risiken für die Atomkraft abzugeben. Sie fürchten, dass die 36 Milliarden Euro, die die deutschen Konzerne für Rückbau und Entsorgung zurück gestellt haben, nicht reichen.

Teyssen hält den Vorschlag weder für „fachlich fundiert“, noch sei er „verfassungsrechtlich machbar“. „Solch ein Sonderrecht gibt es für kein anderes Risiko – nicht in Deutschland und nirgendwo auf der Welt“, schimpfte Teyssen. Es wäre ein unzulässiger Eingriff in das Kapitalrecht. Warum würden dann nicht auch Chemiekonzerne und Banken in die Haftung genommen.? „Es gibt Banken, die haben einen höheren Schaden angerichtet – und das innerhalb weniger Tage.“ Und überhaupt: „In der Geschichte der Bundesregierung ist kein Atomkraftwerk gebaut worden, das nicht vom Staat bestellt wurde.“

Auch die Bedenken an der Höhe der Rückstellungen  kann er nicht nachvollziehen. „Früher hieß es immer, die seien überhöht“, sagte Teyssen. Bei allen Betriebsprüfungen, die er in den 25 Jahren, die er in der Branche arbeitet, erlebt habe, hätten die Finanzbehörden eher gedrängt, sie aufzulösen. Und überhaupt: Neben der Schweiz gebe es kein Land in der Welt, in dem die Rückstellungen für die Kernenergie so hoch seien. „Da gehört viel dazu, um zu glauben, das reicht nicht.“ Das hieße ja, dass alle anderen noch mehr irren.

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„Man darf nicht wie ein nervöses Hemd rumflattern“

Kommentare zu " Eon-Chef Teyssen provoziert: „Hat der Staat nicht selbst die AKWs gebaut?“"

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  • Wo wird E.on in 10 Jahren stehen, wenn Herr Teyssen so weiter macht? Dann muss der Staat wohl E.on übernehmen.

  • Schon vergessen ? Wer macht die geltenden Gesetze ? Die Politik !!!!

    Die gilt ebenso für die seinerzeitige Subventionslage für Bioenergie, die dann staatlicherseits einkassiert wurde als bereits investiert war.
    Politik ist kein verlässlicher Partner hat aber die Macht der Gesetzgebung.liegt in den Händen.

  • @Herr Dillig

    " VW ist ja auch nicht veranwortlich für die Entsorgung für den von mir gekauften Golf.
    Rechtlich gibt es hier überhaupt keine Option."

    Sie sind nicht aktuell informiert:

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/neue-altfahrzeugverordnung-wie-verschrotte-ich-mein-auto-a-454569.html

    Man kann ein Auto aber auch nicht mit einem AKW vergleichen. Es bleibt aber festzuhalten, dass die Betreiber ja eine gültige Betriebserlaubnis hatten und die politisch einkassiert wurde. Rechtlich schon ein bemerkenswerter Vorgang.

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