Energie

Eon gegen Innogy
Kopf-an-Kopf-Duell der Energieriesen

Mit dem Börsengang im Oktober 2016 hatte Innogy die ewige Nummer eins als wertvollsten deutschen Energiekonzern abgelöst. Jetzt hat Eon wieder aufgeschlossen und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem Konkurrenten.
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DüsseldorfDer siebte Oktober 2016 markierte für die deutsche Energiewirtschaft eine Zäsur: Eon verlor erstmals seit der Gründung im Jahr 2000 den Status als wertvollster deutscher Energiekonzern. Seit dem Börsengang war Innogy zum Teil mit großem Abstand die Nummer eins.

Jetzt hat sich Eon wieder nach oben gekämpft. Am vergangenen Freitagnachmittag überholte der Konzern an der Börse erstmals wieder Innogy: Eon wurde zum Börsenschluss mit 20,4 Milliarden Euro bewertet – Innogy mit 20,3 Milliarden Euro. Seither liefern sich die beiden Werte ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Montag legte die Eon-Aktie um 2,3 Prozent auf 9,47 Euro zu. Innogy kletterte sogar um 2,5 Prozent auf 37,15 Euro. Damit schob sich Innogy mit einer Marktkapitalisierung von 20,6 Milliarden Euro wieder knapp vor Eon mit 20,4 Milliarden Euro. Am Dienstag dürfte der Wettstreit weitergehen.

Ein Eon-Sprecher wollte die zumindest zeitweilige Rückkehr an die Spitze nicht kommentieren. Der erfolgreiche Börsengang hatte aber schon am Selbstbewusstsein der Eon-Belegschaft gekratzt, wie in Konzernkreisen immer wieder zu hören war.

Erzrivale RWE, die ewige Nummer zwei, hatte damals mit Innogy das Zukunftsgeschäft mit der Energiewende an die Börse gebracht. Die Aktien des neuen Unternehmens, das die Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze übernommen hatte, fanden reißenden Absatz. RWE konnte die Innogy-Aktie mit 36 Euro am oberen Ende der angebotenen Spanne platzieren. Innogy wurde damit insgesamt mit 20 Milliarden Euro bewertet. Eon war damals weniger als zwölf Milliarden Euro wert. Der Abstand war also enorm.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte damals zwar bewusst gelassen reagiert: „Das ist ja eine rein rechnerische Größe und eine Momentaufnahme“, sagte er kurz nach dem Verlust der Spitzenposition im Gespräch mit dem Handelsblatt zum Börsenwert. An den Werten der einzelnen Geschäftsfelder habe sich ja nichts geändert. „Am Ende entscheidet sich der Kampf beim Kunden.“

Tatsächlich schien damals die Strategie des damaligen RWE-Chefs Peter Terium erfolgreicher zu sein als die von Teyssen. Beide hatten ihren Konzern aufgespalten. Während Terium aber mit Innogy das lukrative Geschäft an die Börse brachte, behielt Teyssen das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb selbst bei Eon. Er spaltete dagegen das alte Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken ab.

Der Börsengang von Uniper am 12. September 2016, also nur einen knappen Monat vor dem Innogy-Börsengang, bei dem Eon 53,35 Prozent platzierte, fiel deutlich verhaltener aus. Die Aktie startete mit 10,015 Euro und Uniper wurde mit weniger als vier Milliarden Euro bewertet. Eon musste bei der Abspaltung zudem gewaltige Abschreibungen verkraften und wies zum Jahresende einen Rekordverlust von 16 Milliarden aus.

Inzwischen hat sich Eon aber wieder erholt. Dank der Erstattung der Atomsteuer verbuchte der Konzern für das erste Halbjahr schon wieder einen Überschuss von vier Milliarden Euro. Zudem hat Eon die Verantwortung für die Entsorgung des Atommülls erfolgreich an den neuen öffentlich-rechtlichen Atomfonds ausgelagert.

Letztlich hat aber auch die Uniper-Aktie, die eher mäßig gestartet war, entscheidend zur Aufholjagd von Eon beigetragen. Die Aktie hat ihren Wert seit dem Börsengang fast verdoppelt und notiert aktuell bei 19,60 Euro. Uniper ist damit mehr als sieben Milliarden Euro wert. Das kommt auch Eon zugute. Der Konzern ist noch mit knapp 47 Prozent beteiligt.

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