Energie

Eon-Hauptversammlung
Fast wie in der DDR

Zahme Aktionäre, maue Proteste: Der Energieriese Eon hat die Aufspaltung in zwei Teile mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,7 Prozent beschlossen. Noch ist Konzernchef Teyssen aber nicht endgültig am Ziel.

EssenAm Ende seiner Rede auf der Hauptversammlung richtete Eon-Chef Johannes Teyssen einen eindringlichen Appell an die Aktionäre: „Unterstützen Sie uns heute mit Ihrer Zustimmung! Stimmen Sie der Abspaltung zu!“ Und die Anteilseigner folgten dem Aufruf mit einer geradezu überwältigenden Mehrheit. Letztlich sicherte sich Teyssen 99,7 Prozent der Stimmen der anwesenden Aktionäre. Am Ende herrschten in der Essener Grugahalle also fast schon „sozialistische Verhältnisse“.

Tatsächlich konnte sich Teyssen schon zu Beginn der Hauptversammlung sicher sein, dass er das wichtigste Votum seiner Amtszeit mit Bravour bestehen würde. Vor Beginn der Veranstaltung hatte sich Eon bereits mehr als 90 Prozent der Stimmen gesichert. Die meisten Großaktionäre hatten im Vorfeld signalisiert, das Projekt zu billigen. Es lag auch kein Gegenantrag vor.

Dabei stand am Mittwoch auf der Tagesordnung eine der wichtigsten Entscheidungen in der Konzerngeschichte – eine „Zäsur“ wie Aufsichtsratschef Werner Wenning betonte. Und auch für Teyssen stand viel auf dem Spiel. Ende 2014 hatte er die Aufspaltung von Eon in zwei Teile angekündigt, eineinhalb Jahre lang arbeiteten Management und Mitarbeiter daran. Seit Anfang des Jahres ist das neue Unternehmen Uniper auch schon am Start, das die Kohle- und Gaskraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion übernommen hat. Eon konzentriert sich seitdem auf das Geschäft mit der Energiewende, die erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netz. Jetzt sollten die Aktionäre die Trennung endgültig besiegeln. Sie stimmten über die Veräußerung von gut 53 Prozent der Anteil ab. Jeder Eon-Aktionär soll pro zehn Anteile eine zusätzliche Aktie von Uniper bekommen.

Komplett am Ziel ist Teyssen aber immer noch nicht. Mindestens ein Aktionär legte auf der Hauptversammlung Widerspruch ein. Er könnte den Abschluss der Transaktion zumindest verzögern. Eigentlich wollte Teyssen die Spaltung im Sommer ins Handelsregister eintragen.

Insgesamt erntete der Eon-Chef aber so viel Zustimmung wie selten zuvor. „Es ist der einzig richtige Schritt“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger. Noch vor wenigen Jahren habe es kaum Hoffnung für Eon gegeben. „Heute haben wir ein Unternehmen, von dem ich den Eindruck habe, es fängt wieder an zu leben“, erklärte Buhlmann. Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment, hält die Zweiteilung von Eon für „alternativlos, um beide Unternehmensteile für die nächsten Jahre über Wasser zu halten“. Deshalb erhalte die Strategie von Eon-Chef Teyssen seine volle Zustimmung. Und Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte: „Ich sehe auch keinen besseren Plan.“

Die Spaltung erfolgt aus einer Situation der Not heraus. Der Energieriese durchleidet die größte Krise in der Unternehmensgeschichte. Für das abgelaufene Geschäftsjahr meldet Eon einen Rekordverlust von rund sieben Milliarden Euro.

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