Energie

Eon spaltet sich auf

Uniper, eine schwierige Geburt

Innerhalb eines Jahres hat Eon seine konventionelle Stromproduktion abgespalten und mehr als 50.000 Mitarbeiter verteilt. Am 1. Januar ist Uniper an den Start gegangen. Noch liegt viel Arbeit vor den Mitarbeitern.
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Eon-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen hatte die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht. Quelle: dpa
Eon

Eon-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen hatte die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Möbelpacker kamen am 18. Dezember – und bis kurz vor Weihnachten konnten Tausende Mitarbeiter von Eon allenfalls von zuhause aus arbeiten. Zehn Lastwagen fuhren ständig zwischen den verschiedenen Standorten hin und her. 40.000 Umzugskartons wurden ein- und ausgepackt, 1200 Schreibtische verschoben, 3200 Mitarbeiter wechselten ihr Büro. Die einen, die künftig für die neue, grüne Eon SE arbeiten werden, zogen von Düsseldorf nach Essen um – die anderen, die für die neue Kraftwerksgesellschaft Uniper tätig sein werden, verteilten sich an ihrem künftigen Sitz in Düsseldorf neu.

Die Trennung ist vollzogen. Eon hat in kaum mehr als einem Jahr den radikalen Schnitt geschafft – und nicht weniger als das bisherige Kerngeschäft, die konventionelle Stromproduktion abgespalten. Die neue Kraftwerksgesellschaft Uniper ist am ersten Januar operativ an den Start gegangen. Noch ist aber viel Arbeit nötig, bis Eon und Uniper ihre Trennung auch gesellschaftsrechtlich endgültig vollzogen haben – und noch mehr Arbeit ist nötig, um beide Unternehmen auch zum Erfolg zu führen.

„Wir bleiben weiterhin zutiefst davon überzeugt, dass die Herausforderungen der Energiewirtschaft in Zukunft eine deutlich stärkere Fokussierung auf zwei jeweils ganz unterschiedliche Energiewelten erfordern wird“, hielt Eon-Chef Johannes Teyssen vor kurzem noch einmal fest. Anfang Dezember 2014 hatte er die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht: Die Eon SE, die Teyssen selbst führen wird, wird sich in der neuen Energiewelt versuchen. Das Unternehmen wird Vertrieb, erneuerbare Energien und Netze übernehmen und versuchen, mit der Energiewende Geld zu verdienen.

Wer übernimmt die Zukunft, wer den Ballast?
Vertrieb
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Eon übernimmt 33 Millionen Kunden – in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa oder der Türkei. Das Geschäft ist solide, die Margen sind aber dünn. Neue Produkte und Dienstleistungen müssen her. Das Problem: Eon wird sich mit neuen, schlagkräftigen Konkurrenten messen. Die heißen, Google, Apple oder Samsung. Fazit: Hoffnungswert.

Konventionelle Stromproduktion
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Jahrzehntelang produzierten Kohle- und Gaskraftwerke nicht nur Strom, sondern auch Unmengen an Geld. Strom wurde eben in großen, zentralen Anlagen produziert. Jetzt hat per Gesetz grüner Strom Vorrang im Netz und drängt die großen Kraftwerke aus dem Markt. Allein in den ersten neun Monaten brach das Ebitda der Sparte um 32 Prozent ein. Uniper muss retten was noch zu retten ist. Fazit: Sanierungsfall.

Erneuerbare Energien
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Eon stieg spät in das Geschäft mit erneuerbaren Energien ein. Inzwischen hat das Unternehmen aber schon Windanlagen mit mehr als vier Gigawatt Leistung installiert – das entspricht rund vier Kernkraftwerken. Bei Offshore-Wind sieht sich Eon weltweit an Nummer zwei, bei Onshore auf Position zwölf. Bald schon wird beim Ebitda die Milliardenmarke geknackt – kein Wunder das Eon die Sparte behält. Fazit: Zukunftsgeschäft.

Netze
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Eons Stromleitungen reichen theoretisch 25 Mal um die Erde. Eine Million Kilometer hat der Konzern verlegt. Das Netz will Eon auch behalten und hat gute Gründe: Die Renditen werden zwar von Regulierungsbehörden gedeckelt, aber lieber kleine Renditen als gar keine Renditen wie bald in der Stromproduktion. Fazit: Solides Geschäft.

Großhandel
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Den Großhandel gibt Eon ab, damit Uniper den Strom aus den Kraftwerken wenigstens selbst vermarkten kann. Die Tochter bewegt Milliarden, kauft Kohle zum Verfeuern ein und bringt russisches Gas in Europa unter. Das war früher einmal ein einträgliches Geschäft, aber auch die Zeiten sind längst vorbei. Fazit: Spekulationsobjekt.

Exploration und Produktion
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Jahrelang hat Eon gekämpft, um einen eigenen Zugang zu den russischen Gasfeldern zu bekommen, jetzt übernimmt Uniper das Geschäft. Die neue Gesellschaft ist an einem lukrativen Feld in Westsibirien beteiligt, Juschno Russkoje, fördert dort pro Jahr knapp sechs Milliarden Kubikmeter Gas und fährt solide Gewinne ein. Dumm nur, dass neben dem Strompreis auch der Ölpreis im Keller ist, aber das muss ja nicht so bleiben. Fazit: Dauerbrenner.

Kernenergie
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Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne mit ihren Reaktoren unverschämt viel Geld verdient, jetzt sind die Anlagen nur noch eine einzige Last. Die Reaktoren müssen teuer abgebaut und die Brennelemente noch teurer entsorgt werden. Kein Wunder, dass Eon die Aufgabe gerne Uniper überlassen hätte. Daraus wird aber nichts: Mit einem neuen Gesetz schob die Bundesregierung dem einen Riegel vor, Eon muss sich um die drei noch aktiven und fünf bereits im Rückbau befindlichen Reaktoren kümmern. Fazit: Ballast.

Um die alte Energiewelt wird sich Uniper kümmern. Das Unternehmen übernimmt die Kohle- und Gaskraftwerke – und damit nicht weniger als das bisherige Kerngeschäft. Hinzu kommen der Großhandel, die Gasproduktion und die Wasserkraft. Eigentlich wollte Teyssen Uniper auch die Abwicklung der Kernkraftwerke übertragen. Dem schob die Bundesregierung aber mit einem neuen Gesetz, das die Haftung für Atomrisiken neu regelt, einen Riegel vor. Um Rückbau und Entsorgung wird sich also weiter die Eon SE kümmern.

Teyssen sieht in der Aufspaltung die einzige Möglichkeit, den schleichenden Zerfall des Energiekonzerns zu stoppen. Eon brachen im Kerngeschäft die Gewinne weg, weil die großen, konventionellen Kraftwerke zunehmend von Wind- und Solaranlagen aus dem Markt gedrängt wurden. Gleichzeitig fehlten die Finanzen, um neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen. Die radikale Trennung soll nun für beide Teile Kräfte frei setzen.

Im vergangenen Jahr war Eon freilich noch viel mit sich selbst beschäftigt. 4800 einzelne Maßnahmen hatte das 800 Mitarbeiter starke „Spin-off“-Team unter der Leitung von Marc Spieker identifiziert, 4200 sogenannte „Meilensteine“ sind abgearbeitet. Rund 1300 Gesellschaften mussten verteilt werden. Ende April stand nicht nur der Name des neuen Unternehmens fest. „Uniper“ wurde von einem Mitarbeiter vorgeschlagen, setzt sich aus den Worten „Unique“ und „Performance“ zusammen und soll die Leistungsfähigkeit des neuen Unternehmens wiedergeben.

Damals wurden auch die Vorstandteams um den alten und neuen Eon-Chef Johannes Teyssen und den künftigen Chef von Uniper, Ex-Finanzvorstand Klaus Schäfer bestimmt. Im Sommer erfuhren die zweite und die dritte Führungsebene, für wen sie künftig arbeiten – und inzwischen sind 40.000 Mitarbeiter der Eon SE zugeordnet und 14.000 Uniper. 700 Führungskräfte wurden verteilt. Kurz vor Weihnachten wurden die letzten Top-Management-Posten besetzt. Mehr als 1000 Verträge mit externen Partnern mussten angepasst, 300 sogar neu geschlossen werden.

Beide Unternehmen sind jetzt operativ arbeitsfähig. Abgeschlossen ist die Arbeit freilich noch lange nicht. Unter Hochdruck arbeiten die Finanzexperten des Unternehmens am heikelsten Teil der Operation, dem Spaltungsbericht. Er muss rechtzeitig vor der Hauptversammlung am 8. Juni vorliegen. Der Spaltungsbericht muss detailliert aufschlüsseln, welche Vermögenswerte zu welchem Teil gehören werden, und wie die Schulden verteilt werden. Er wird festlegen, in welchem Verhältnis Eon den Anteilseignern Aktien von Unipern gibt und dabei jeglichen Klagen von gewieften Anlegern standhalten.

Am 8. Juni solle die Aktionäre dann die Trennung abschließen. Anschließend wird Uniper-Chef Schäfer auf Roadshow gehen und bei Investoren für sein Projekt werben. Eon wird direkt die Mehrheit abgeben, langfristig ist die komplette Scheidung geplant.

Eon steckt in einer Schwächephase
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17 Kommentare zu "Eon spaltet sich auf : Uniper, eine schwierige Geburt"

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  • Die Gaspreise an der Börse unterliegen also Schäubles Einfluss?
    Interessant!

    Die Gaspreise sind nicht gesunken, weil die Versorger die Preisrückgänge an Privatkunden nicht weitergeben. Schäuble spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Solche Argumentationen hört man immer wieder von Angestellten, die für Konzerne arbeiten, die sich auf Kosten der Verbraucher bereichern.

  • Merkel vernichtet keinen Wohlstand.

    Werfen Sie mal einen Blick rechts rüber nach Polen.
    Da sehen Sie live, wie eine rechtspopulistische "Regierung" Wohlstand und Ansehen tatsächlich zerstört.

  • Die Manager von EON und Co haben jahrzehntelang einen den Beamten ähnlichen Status gehabt. Alles hat gepasst: Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit, Standortsicherheit...

    Trägheit macht bekanntlich faul. Und so haben die Versorger, allen voran EON, nicht auf Innovationen gesetzt, sondern sind expandiert. Dabei erinnert vieles an Monopoly - möglichst viel Terrain besetzen. Was bei Monopoly jedes Kind beherrscht, ist aber nicht auf die Diversifikation verschiedener Staaten, Kontinenten, Regierungen etc. anwendbar. Die Folgen für EON sind katastrophal. Kaum ein KOnzern kann so eine miserable Expansionsbilanz vorweisen!

    Oder wollen Sie dieses Missmanagement auch Merkels Politik zuordnen?

  • Herr Hofmann,

    Sie haben natürlich Recht.

    Forschungsgelder und Bundesdarlehen von damals sind keine Subventionen, wie wir sie heute kennen.

    Genau genommen, hat die Kernenergie den Status der Forschung nie wirklich abgelegt. Viele Fragen sind ungeklärt. Insbesondere ist die Endlagerung von keinem Staat gelöst.

    Insofern kann man getrost von einer Quersubvention sprechen, die die Energieversorger immer schön mit Steuergeldern vollgepumpt hat. Ohne diese Gelder und dem vollen unternehmerischen Risiko, welches die Versorger tragen mssten, gäbe es in Deutschland kein einziges Kernkraftwerk.

  • Immer wieder lustig der Troll ist heute als Frau unterwegs. Habe Sie sich schon zur
    OP entschieden?

  • "Überhöhte Preise der Gaskonzerne"?

    Wieder nur eine Aussage einer Halbwissenden. Die Gaspreise sind so hoch, weil Schäuble den Staatsanteil auf den Preis so hoch getrieben hat. Sinkt der Gaspreis beim Gaskonzern, sinkt dennoch nicht der staatlich Preisaufschlag. Da festgesetzt. Als obrigkeitshörige Untertanin muss man allerdings die Tatsachen verschleiern. Das macht Fr. Forro ganz richtig. Aber sehr leicht durchschaubar.

  • @Monika Forro
    Und die Energiewende mit ihren markt- = gesellschaftsfeindlichen EEG ist nicht nur asoziale und volkswirtschaftlichschädlich, sondern Vernichtet auch mit den Windmühlen und Solarparks unsere Natur und betoniert die Landschaft zu. Vernichtet Vögel und zieht Stromleistungsschneißen durch unser Land. Das ist kein Naturschutz mehr...das ist Natur und Landschaftszerstörung!

  • @Monika Forro
    Lügen Sie nicht!
    Wenn die Kernkraft subventioniert worden ist, dann zeigen Sie uns die Bundesdrucksache dazu. Danke!
    Die Kernkraft hat Forschungsgelder und Bundesdarlehne erhalten. Das ist keine Subvention.
    Die sog. Erneuerbaren Energien hingegen bekommen Jahr für Jahr (letztes Jahr über 30 Millarden Euro) an EEG Zwangsabgaben Subventionen. Das EEG ist ein politisches Gesetz und damit markt- = gesellschaftsfeindlich. Es treibt den Strompreis weiert nach oben OHNE EINEN MEHRWERT...das ist asoziale Abzocke gegenüber der Gesellschaft. Die Energiewende hat keinen wertschöpfenden Mehrwert für uns als Gesellschaft...die Energiewende mit ihren marktfeindlichen EEG ist nur eines Teuer, unbezahlbar und ein Umverteilung von Arm zu Reich. Abzocke pur! Danke!

  • Herr Marc Hofmann@
    So ist das, die merklische Wohlstandsvernichtung ist ohnegleichen.

  • Lieber Herr Hofmann,

    Eine Bitte von ganzem Herzen!

    Könnten Sie uns von Ihnen in 2016 "CO2-freie Beiträge" in diesem Forum bescheren?

    Herzlichen Dank!


    Ihre mf

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