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Energiewende

Das Vertrauen der Investoren in die europäische Energiewende ist ins Wanken geraten.

(Foto: dpa)

Erneuerbare Energien Grüner Strom boomt, doch die Investitionen in Deutschland brechen ein

Während die Investitionen in grüne Energien weltweit zunehmen, fließt weniger Geld nach Europa. Deutschland bleibt hinter den eigenen Zielen zurück.
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DüsseldorfEs scheint wie eine verkehrte Welt: Auf einmal sind Länder wie China, Indien oder Südafrika Vorreiter in Sachen Energiewende – und die einstigen Pioniere wie England, Deutschland und der Rest Europas fallen auf die hinteren Plätze zurück.

Weltweit boomen erneuerbare Energien. Fast 300 Milliarden Dollar fließen laut einer jährlich erstellten Studie der Frankfurt School of Finance in Forschung, Produktion und Ausbau von Sonne-, Wind- und Wasserkraft.

Noch nie kam so viel Leistung innerhalb von einem Jahr dazu. Photovoltaik nimmt davon mit Abstand den größten Raum ein: Fast 40 Prozent der installierten Leistung stammt aus Solaranlagen. Mittlerweile decken grüne Energiequellen zwölf Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Großer Profiteur ist China. Die Hälfte aller weltweit investierten Gelder, also rund 126 Milliarden Dollar, fließen in die Volksrepublik. Aber auch Indien, Südamerika und Afrika verzeichnen einen rasanten Zufluss an Geldern. Der große Verlierer hingegen ist Europa – und hier vor allem Deutschland. Hier sind die Investitionen innerhalb eines Jahres um mehr als ein Drittel eingebrochen.

Die fallenden Herstellungskosten für grünen Strom und rund um den Globus gekappte Förderungen sind laut Ulf Moslener, Professor für die Finanzierung erneuerbarer Energien an der Frankfurt School of Finance, nicht der einzige Grund für die gesunkenen Investitionen in Europa. Auch die Umstellung „weg von vorab garantierten Abnahmepreisen für den Strom, hin zum Ausschreibungsverfahren“ habe dazu geführt, dass Investoren zunächst abwartend auf die Situation schauen.

Die erfolgsverwöhnten Anbieter müssen sich auf einmal im Wettbewerb um die Höhe der Vergütungen streiten. Der Konkurrenzkampf ist unerbittlich, der Preisdruck enorm.

Nach Jahren des Wachstums und der Rekordergebnisse steuert die Erneuerbaren-Branche in Europa auf eine herbe Flaute zu. Zahlreiche Firmen mussten Insolvenz anmelden. Großbritannien bekommt das sogar noch deutlicher zu spüren als der Rest Europas: Unternehmen, Investoren und andere Geldgeber stampften ihre Investitionen auf der Insel im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte ein.

Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Research, sieht darin nur eine Fortsetzung des vorherrschenden Trends der vergangenen zwei bis drei Jahre. „Vor dem Hintergrund der derzeit stark abfallenden Subventionen herrscht aktuell eine Unsicherheit, inwieweit sich grüne Projekte rentabel realisieren lassen“, erklärt der Analyst.

Deutschland bleibt unter den selbstgesteckten Zielen

Dass der Zubau von Leistung in Ländern wie Deutschland trotzdem steigt, ist für Roshan Zamir kein Widerspruch zu den sinkenden Investitionen. „Durch den massiven Preisabfall bekommt man die gleiche Leistung für weniger Geld.“ Außerdem hätten die Ausbauzahlen, beispielsweise für Solarenergie, zwar im vergangenen Jahr wieder leicht angezogen, aber ein Vergleich zu den Zuwächsen, die Deutschland in seinen Glanzzeiten 2010 bis 2011 erreichte, seien sie noch lange nicht.

Vor acht Jahren wurden in Deutschland noch Anlagen gebaut, die 7500 Megawatt (MW) an Solarstrom erzeugen können. Seit einigen Jahren hat die Bundesregierung den Ausbau auf 2500 MW pro Jahr gedeckelt, bleibt aber seitdem stets unter dem selbst ausgewiesenen Ziel. 2017 waren es gerade einmal etwas über 1700 MW.

Und genau das sei der Grund, warum weniger in Deutschland investiert wird, sagt Andreas Bett, Leiter des ISE-Fraunhofer Institutes für Solare Energiesysteme. In den Augen des Solarexperten herrsche pure Verunsicherung. Schuld daran sei die Politik.

„Wir waren führend in Deutschland mit der Energiewende. Die Bundesregierung hat sich mit ehrgeizigen Zielen hervorgetan und jetzt gesagt, dass die Ziele bis 2020 nicht erreicht werden. Damit ist eine Unglaubwürdigkeit da, weil Investoren keine Verlässlichkeit sehen können. Da bräuchte es ein deutlicheres Signal der Politik“, fordert Bett. Solange Deutschland keinen klaren Plan zur Erweiterung der Netzinfrastruktur oder die nötigen Speichertechnologien vorlegt, solange seien Investoren verunsichert.

Während die einstigen grünen Pioniere um den Fortschritt kämpfen, geben Entwicklungsländer mittlerweile das Tempo an. Schon jetzt sind erneuerbare Energien in manchen Teilen der Welt die günstigere Alternative. Die chinesische Regierung startet ein massives Programm zur Förderung grüner Stromquellen und auch Indien treibt den Ausbau Erneuerbarer in großen Schritten voran.

Indien baut Windkraft kräftig aus

„In Entwicklungsländern wie Asien, Südamerika oder Indien boomt der Markt“, sagt auch Analyst Roshan Zamir. Im vergangenen Jahr wurden fast 190 Milliarden Dollar allein in diese drei Regionen investiert. Das liegt unter anderem daran, dass ein weit höheres Ausbauvolumen von der Regierung ausgewiesen ist – in Indien sind für den Zubau von Onshore-Windkraftanlagen beispielsweise fünf Gigawatt ausgeschrieben, in Deutschland gerade einmal 2,8.

Außerdem seien die Produktionskosten vor Ort günstiger und die technischen Ansprüche an die Turbinen geringer. „Entwicklungsländer bieten zudem oftmals größere Flächen und viel mehr Ressourcen“, erklärt Roshan Zamir. Deutschland und andere europäische Länder halten ihr jährliches Ausbauziel dagegen eher gering.

Sonnenland ist abgebrannt
Solarboom durch das EEG
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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hatte in Deutschland einen Solarboom ausgelöst. Jede produzierte Kilowattstunde Sonnenstrom wurde anfänglich mit mehr als 50 Cent vom Staat vergoldet. Doch spätestens ab 2009 wurde es schwierig. Die üppigen Subventionen riefen asiatische Firmen auf den Plan. Chinesische Hersteller bauten Fabrik um Fabrik. Eine Pleitewelle erfasste die heimische Photovoltaikbranche. Ein Überblick.

Solarworld
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„Das ist der größte denkbare Massenmarkt der Zukunft, denn das einzige Produkt, das alle Menschen zu allen Zeiten immer brauchen, ist Energie“, schrieb Frank Asbeck 2009 in seinem Buch „Eine solare Welt“. Damit hatte er vielleicht Recht – doch sein Konzern Solarworld ging im Mai 2017 trotzdem pleite. Die Konkurrenz aus China warf spottbillige Solarmodule auf den Markt, Solarworld konnte damit nicht mithalten. Solarworld war mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1,5 Gigawatt gegenüber chinesischen Konkurrenten mit der vierfachen Produktionskapazität schlichtweg zu klein, um dauerhaft überleben zu können.

CSG Solar
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Auch CSG Solar war einfach zu klein, um zu überleben. Im März 2006 wurde die 9000 Quadratmeter große Produktionsanlage in Thalheim eingeweiht. Nur zwei Jahre später musste das Unternehmen die Produktion einstellen, sich von 124 der 164 Beschäftigten trennen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzte CSG Solar aber fort.

Sontor
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Sachsen-Anhalt galt lange als Solar Valley in Deutschland. Doch seit mehreren Jahren müssen immer mehr Solarfirmen aufgeben. Einst lieferte die Branche dort über 3000 Arbeitsplätze – die meisten davon sind mittlerweile weggefallen. Um sich vor der Pleite zu retten, hatte sich Sontor aus Bitterfeld 2009 mit Sunfilm zusammengeschlossen – und konnte so überleben.

Solon
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Solon war einst einer der größten Solaranlagenhersteller Europas. 2011 ging das Unternehmen das erste Mal pleite, das indisch-arabische Unternehmen Microsol rettete Solon vor dem Aus und nannte es Solon International. Doch 2014 musste Solon zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

Odersun
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Odersun sollte ein strahlendes Aushängeschild der Brandenburger Wirtschaft werden und seinen Solarmodulen den Markt verändern. Doch es kam anders als erhofft. Odersun lieferte kein marktfähiges Produkt. 2010 meldete Odersun Insolvenz an. 2013 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung.

Sovello
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2005 wurde Sovello als Joint-Venture von Q-Cells, Evergreen Solar und Renewable Energy Corporation ASA gegründet. Anfangs startete das Solarunternehmen durch, doch bis 2012 stieg Sovello immer weiter ab und musste Insolvenz beantragen. Im August 2012 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Produktion komplett einstellt und allen Mitarbeitern kündigen muss.

Damit deutsche und europäische Unternehmen das Tief der kommenden Jahre überhaupt überstehen, müssten sie sich auf ausländische Märkte konzentrieren, empfiehlt Analyst Roshan Zamir. Genau davor warnt hingegen Solarexperte Andreas Bett. „Das gemeinschaftliche Ziel in Europa muss sein, dass die Produktionskette auch hier bestehen bleibt.“ Wohin es führe, wenn man sich „in Abhängigkeiten bei der Energieversorgung begibt, sehen wir bei Öl und Gas“, sagt Bett.

Aber in einem sind sich alle drei Experten einig: Wenn Deutschland nicht bald einen konkreten Plan vorlegt, bleiben nicht nur Unternehmen auf der Strecke, sondern auch der Traum von der Energiewende.

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14 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Grüner Strom boomt, doch die Investitionen in Deutschland brechen ein"

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  • Hallo Herr Best..."Ich verstehe nicht warum man hier nicht kritisch hinterfragt, was Lobbyverbände schwarzmalen. Das Jahr 2017 war ein Rekordjahr mit nicht gekannten Zubauzahlen und Rekorderzeugung. "

    Ich denke die mächtige Ökolobby und die verbundenen Qualitätsmedien malen die umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen im besten Lichte. Nirgends wird erwähnt das der Strom wertlos und damit umweltschädlich ist.

    Die Herausforderung ist lediglich dass auch Ungläubige für den wertlosen und umweltschädlichen Ökostrom bezahlen müssen.

  • Michael Best
    05.04.2018, 18:48 Uhr
    Ich verstehe nicht warum man hier nicht kritisch hinterfragt, was Lobbyverbände schwarzmalen.

    ..............................

    SIEHSTE , siehste, hatte doch Recht daß es sich um Schwarzer Strom aus dem Ausland importiert handelt und nicht um GRÜNER STROM !!!

  • ERNEUERBARE ENERGIEN
    Grüner Strom boomt, doch die Investitionen in Deutschland brechen ein

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    Habe soeben bei mir Zuhause einen Stromkabel aufgeschnitten um mich besser mit dem Strom zu Unterhalten zu können.

    Habe KEIN WORT VERSTANDEN da der Strom bei mir hier nur AUSLÄNDISCH SPRICHT und ich nicht weiß aus welchem Land um mir einen Dolmetscher zu besorgen.

    GRÜN ist der Strom auch nicht, EHER SCHWARZ, der als grüner Strom in die Leitung eingeführt wurde aber in Wirklichkeit aus dem ausländischen schwarzes handeln kommt.

    Und dann gab ich die weitere Untersuchungen auf, ich zitterte zu sehr und wußte mir nicht mehr zu helfen um ein Herzinfarkt zu vermeiden vor lauter Wut gegenüber uns in den Medien verkauft wird zu dem was wir tatsächlich erhalten !

  • Ich verstehe nicht warum man hier nicht kritisch hinterfragt, was Lobbyverbände schwarzmalen. Das Jahr 2017 war ein Rekordjahr mit nicht gekannten Zubauzahlen und Rekorderzeugung. Das Ausschreibungsverfahren legt die Zubauziele erstmals fest, die bisher mehr um das doppelte übertroffen wurden - zu viel zu hohen Preisen für die deutschen Verbraucher.
    Es gibt bisher keinen Deckel, für Photovoltaik im Privaten weiterhin nicht, das ist so nicht richtig. Hier erlahmt das Engagement nur deswegen, weil es nicht mehr die gigantischen Renditen der Vorjahre gibt.

    Insgesamt ist die Entwicklung ausgesprochen erfreulich, auch die Erzeugung wächst. Allein die Kosten sind bedingt durch die Vorjahre viel zu hoch.
    Hier den Unterganggesang der Lobby mitzusingen, die sich eine goldene Nase verdient haben und jetzt mal in den Wettbewerb müssen, ist völlig unangebracht

  • Herr Carlos Santos
    05.04.2018, 18:08 Uhr
    ERNEUERBARE ENERGIEN
    Grüner Strom boomt, doch die Investitionen in Deutschland brechen ein
    ..........................

    GRÜNER STROM ?

    Verabschiede mich bis morgen, der GRÜNSTER STROM IST DER STROM DEN WIR NICHT UNNÖTIG VERGEUDEN !

    Solche propagandistische nachrichten SIND DEN STROM NICHT WERT !

  • ERNEUERBARE ENERGIEN
    Grüner Strom boomt, doch die Investitionen in Deutschland brechen ein
    ..........................

    GRÜNER STROM ?

    EHER NORMALE IMPORTE AUS FRANKREICH UND ANDERE ANGRENZENDE STAATEN VON DEUTSCHLAND !

  • Herr Hirsepp, jeder in Deutschland (und moeglichst auch woanders) geborene sollte fuer das was er zum
    Leben braucht, eine Gegenleistung erbringen. Andernfalls werden irgendwann die Leistungserbringer streiken.

  • SUBS waren immer notwendig fuer die ENERGIEVERSORGUNG!
    fuer Atom-Strom...
    fuer dessen Entsorgungs- & Rueckbaukosten....

    Solar-Energie
    Wind-Energie..

    FAZIT: Jedem in Deutschland Geborenen sollte ein ausreichendes Kontingent an el. Energy pro jahr kostenlos bzw Staats-finanziert bereitgestellt warden....
    die WindEnergie Anlagen in Bundeseigentum uebergehen .... und diese Betrieber Subventionen unterbunden warden....
    el. Energie gehoert wie reine Luft zur BAsisversorgung in einem entwickelten Staat lebender Menschen !

  • Die 40% (korrekt: 38%) Anteil an den Erneuerbaren Energien weltweit beziehen sich auf den Zubau an installierter Leistung, nicht auf die Produktion. Wegen des geringen Lastfaktors von PV ( etwa 10%) ist der Anteil an der weltweiten Produktion nach wie vor unbedeutend. Wenn schon die Vernunft nicht den weiteren Ausbau von PV und Wind mangels grosstechnisch verfügbarer Speichermedien bremst, so doch vielleicht die Macht des Faktischen -physikalische Gesetze lassen sich mit politischen Beschlüssen nicht ausser Kraft setzen. Weltweit fehlt m. W. eine Koordination des Zubaus on PV und Wind mit den unbedingt notwendigen und verfügbaren Back-Up-Systemen. Solange dies nicht geschieht, ist der Strom aus PV und Wind versorgungstechnisch nutzlos und gefährlich für die Netzstabilität.

  • Die angedachten Ziele der sog. Energiewende werden aus einem enfachen Grund nicht erreicht werden.
    Die notwendige Speichertechnologie ist technisch nicht zu haben und schlicht nicht machbar, auch nicht mit hohem Kapitaleinsatz und mit unverhältnismäßigen Kosten.

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