Energie

Erzpreise im freien Fall
Brutaler Wettbewerb bedroht Bergbaukonzerne

Stahlkonzerne wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter freut es: Die Erzpreise fallen seit Monaten und drücken die Kosten. Doch die großen Bergbaukonzerne könnten Wettbewerber verdrängen und künftig die Preise diktieren.
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MelbourneHaben die großen Bergbaukonzerne den Zusammenhang von Angebot und Nachfrage nicht verstanden? Seit Monaten befindet sich der Eisenerzpreis im freien Fall und doch denken die größten Förderer nicht daran, ihre Produktion zu drosseln.

Im Gegenteil: Von Quartal zu Quartal steigt der Abbau des für die Stahlherstellung wichtigsten Rohstoffs. Und das bei einer wegen der Sorgen um ein Ende des China-Booms schwächelnden Nachfrage.

Beispiel Rio Tinto: In diesem Jahr will das australisch-britische Unternehmen mit 340 Millionen Tonnen so viel Erz fördern wie noch nie. Ähnlich geht BHP Billiton vor. Die beiden Konzerne haben in den vergangenen Jahren viel in neue Abbaustätten in Australien investiert. Das soll sich nun auszahlen.

Der brasilianische Vale-Konzern – weltweite Nummer eins der Erzförderer – will seine Produktion trotz einbrechender Gewinne ebenfalls nicht herunterfahren. Vielmehr will er neue, produktivere Minen in Betrieb nehmen und damit ältere Abbaustätten ablösen.

So beschleunigt sich der Preisverfall. Anfang Juli sackte der Erzpreis infolge der heftigen Börsenturbulenzen in China mit 44 US-Dollar pro Tonne auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren ab. Bis ins vergangene Jahr hinein lag der Preis noch über 100 Dollar, auf dem Höhepunkt 2008 sogar bei rund 185 Dollar.

Ivan Glasenberg, Chef des weltgrößten Rohstoffhandelskonzerns Glencore, bringt das Verhalten der großen Förderer auf die Palme. Seit langem lässt er kaum eine Gelegenheit aus, die Konzerne an ihre Verantwortung zu erinnern. Schon 2013 warf er ihnen vor, den Markt zu überfluten und die Preise zu „versauen“.

Jahrzehntelang hatten sich die Preise für Erz angesichts des stetig steigenden Bedarfs in den Schwellenländern, dabei insbesondere in China, kontinuierlich erhöht. Dieser paradiesische Zustand ist nun vorbei. Um dem Treiben Einhalt zu gebieten, schreckte Glasenberg im vergangenen Jahr selbst vor einem Übernahmeangebot an Rio Tinto nicht zurück - scheiterte damit aber kläglich.

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