Energie

Exxon Mobil, Shell & Co.
Ölindustrie vor Übernahmewelle

Deals, Deals, Deals: Nach Jahren der Krise und massiven Investitionskürzungen haben die Ölkonzerne wieder Appetit. Eine neue Studie prophezeit einen drastischen Anstieg der Fusionen und Übernahmen in der Branche.
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DüsseldorfEs war eine Kürzungsorgie. Als der Ölpreis im Sommer 2014 abschmierte, verfielen die Ölkonzerne in einen Sparrausch und drückten überall die Kosten. Rund eine Billion Dollar an angedachten Investitionen hat die gesamte Branche seither eingespart. Mehr als 440.000 Stellen wurden gestrichen und alleine im Jahr 2015 wurden geplante Zukäufe und Fusionen im Wert von 106 Milliarden Dollar auf Eis gelegt.

Mit dem Anstieg der Ölpreise seit Ende 2016 auf ein relativ stabiles Niveau von mehr als 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) bekommt die Branche jetzt wieder Appetit für Übernahmen. In einer neuen Studie von A.T. Kearney, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, prophezeien die Unternehmensberater einen starken Anstieg der Deal-Aktivitäten im Ölsektor.

„Die Öl- und Gasindustrie hat jetzt enorme Chancen von den stabileren Ölpreisen zu profitieren“, erklärt Brent Ross, Co-Autor der Studie. Jene Konzerne, die noch immer unter finanziellen Problemen leiden, fänden nun günstige Bedingungen vor, um Teile ihres Geschäfts zu verkaufen und dafür einen guten Preis zu erzielen. „Darüber hinaus gibt es viele Käufer, die Akquisitionen benötigen, um den in den vergangenen zwei Jahren geschwundenen Bestand ihrer Reserven wieder aufzustocken.“

Tatsächlich müssen viele Konzerne zusehen, wieder mehr Barrels in ihre Bilanzen zu bekommen. Unter Handlungsdruck steht insbesondere der amerikanische Ölprimus Exxon Mobil. Mit seinen bestehenden Reserven könnte Exxon nur noch 13 Jahre lang auf dem aktuellen Niveau Öl fördern – so niedrig lag die Lebensdauer der Reserven bei dem Konzern zuletzt 1997. Bei der Konkurrenz sieht es nicht viel besser aus. Der britisch-niederländische Ölmulti Shell hat nur noch eine Reserven-Lebensdauer von sechs Jahren. Das ist der niedrigste Stand seit 2008.

A.T. Kearney hat für seine Studie Dutzende Top-Manager der Öl- und Gasindustrie nach ihrer Erwartungshaltung zu Zukäufen und Fusionen befragt. Zwei Drittel dieser Manager erwarten jetzt einen moderaten oder sogar aggressiven Anstieg der Deal-Aktivitäten. Das liegt auch daran, dass die Gewinne bei den Ölmultis nach Jahren der Krise endlich wieder sprudeln und die Kriegskassen sich deutlich auffüllen.

Allein die vier Branchenriesen Shell, Total, Exxon Mobil und Chevron haben ihre Gewinne im ersten Halbjahr 2016 mehr als verdreifacht – auf gut 21,4 Milliarden Euro. Shell verdiente im Tagesgeschäft sogar erstmals wieder so gut wie vor dem Ölpreisverfall 2014. Der operative Cashflow von Europas größtem Ölkonzern hat sich binnen der ersten sechs Geschäftsmonate 2017 im Vergleich zum Vorjahr versiebenfacht – auf 20,8 Milliarden Dollar.

Dass viele Ölkonzerne wieder mehr Kapital zur Verfügung haben, lässt sich laut A.T. Kearney bereits an einer deutlichen Zunahme der Akquisitionen im ersten Quartal 2017 ablesen. Von Januar bis März dieses Jahres hat sich das Volumen an getätigten Transaktionen im Vergleich zum Vorjahresquartal mehr als verdreifacht – von 47 Milliarden auf 174 Milliarden Dollar. Und dieser Trend dürfte anhalten.

Erst kürzlich kündigte etwa der französische Ölriese Total an, für 7,45 Milliarden Dollar die Ölsparte der Reederei Møller-Mærsk zu kaufen. Und der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton kündigte Ende August auf Druck von Investoren an, seine Schieferölförderung in den USA zu verkaufen. Die Anzeichen sind offenkundig: Die Ölindustrie steht vor einer Übernahmewelle.

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