Energie

Flaute in Stahlindustrie
Salzgitter will Mitarbeiterzahl reduzieren

Angesichts der Flaut in der Stahlindustrie will sich Salzgitter neu aufstellen. In dem Programm „Salzgitter 2015“ schließt der Konzern Werksschließungen zwar aus, die Mitarbeiter müssen aber trotzdem bangen.
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SalzgitterNach Branchenprimus Thyssen-Krupp bereitet auch der zweitgrößte deutsche Stahlkocher Salzgitter einen Stellenabbau vor. „Es bedarf einer Rosskur“, sagte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann am Freitag nach Vorlage eines Vorsteuerverlustes von fast 30 Millionen Euro im Jahr 2012. Vor allem ihren Standort Peine haben die von der Flaute im Stahlsektor getroffenen Niedersachsen dabei im Visier: Das erst vor kurzem für rund 400 Millionen Euro modernisierte Traditionswerk soll zwar erhalten bleiben, die Belegschaft wird jedoch reduziert. „Das Wort Entlassungen will ich aber nicht in den Mund nehmen“, betonte Fuhrmann.

Wie viele Stellen wegfallen, ist dem Konzern zufolge noch unklar. In Peine produzieren rund 1100 Salzgitter-Beschäftigte verschiedene Stahlträger für die Baubranche. Vor allem das jähe Ende des Immobilien-Booms in Spanien bekommt das Werk zu spüren. Die Sparte „Peiner Träger"“ gehört Salzgitter-Chef Fuhrmann zufolge zu den größten „Sorgenkindern“ des Konzerns. In dem schon im 19. Jahrhundert gebauten Werk lief im vergangenen Jahr ein Vorsteuerverlust von 62 Millionen Euro auf, der Bereich verharrt aber schon länger in den roten Zahlen. „Es ist ja wohl klar, dass wir für ein paar hundert Arbeitsplätze nicht jedes Jahr Millionen reinbuttern können“, sagte Fuhrmann.

Zuletzt hatte die Belegschaft in Peine – zu der laut Salzgitter zusätzlich auch „einige hundert“ Leiharbeiter gehören – vor allem wegen des Konkurrenzdrucks aus Spanien nicht genug zu tun. Die dortigen Stahlhersteller produzierten auch nach dem Ende des Bau-Booms weiter, was zu Überkapazitäten führe, so Fuhrmann. Unter dem Druck des Verlustjahres 2012 nimmt sich der Konzern nun im Rahmen des Restrukturierungsprogramms „Salzgitter AG 2015“ Peine vor. Insgesamt beschäftigt Salzgitter rund 25.000 Mitarbeiter.

Bei Salzgitter bekommen auch die Aktionäre die Lage zu spüren, denn der Konzern halbiert die Dividende nahezu. Die Anteilseigner sollen 0,25 Euro je Aktie erhalten, nach 0,45 Euro im Vorjahr. Das schwache Stahlgeschäft in Europa hatte dem Unternehmen 2012 ein Minus vor Steuern von 29,4 Millionen Euro eingebrockt. Auch für das laufende Jahr konnte Salzgitter zunächst kaum Zuversicht vermitteln. Die Geschäftslage im ersten Quartal sei verhalten, sagte Konzern-Chef Fuhrmann. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“ Für 2013 bekräftigte er das Ziel, bei stabilem Umsatz einen Vorsteuergewinn im unteren zweistelligen Millionenbereich zu erwirtschaften.

Die Schwerindustrie um Weltmarktführer ArcelorMittal steckt insgesamt in einer Krise. Die Kunden in Europa halten sich wegen der unsicheren Konjunkturentwicklung mit den Bestellungen zurück. In Deutschland beschäftigt die Branche etwa 90.000 Mitarbeiter. Vor wenigen Wochen hatte der von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterte Konkurrent ThyssenKrupp angekündigt, in der europäischen Stahlsparte über 2000 der 27.600 Stellen zu streichen. Weitere 1800 könnten durch Verkäufe wegfallen. Der Konzern hatte im Geschäftsjahr 2011/12 vor allem wegen des Desasters mit den neuen Stahlwerken in Übersee einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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