Energie

Flop in der Arktis
Bitteres Lehrgeld für Shell

Shell stoppt die Suche nach Öl in der Arktis. Der Flop kommt für den Ölkonzern zu einem heiklen Zeitpunkt. Für Shell-Boss Ben van Beurden dürften die nächsten Monate zur Bewährungsprobe werden. Eine Analyse.

„Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“, lautet ein gerne zitierter Satz des deutschen Fußballspielers Jürgen Wegmann. Es dürfte mehr als zweifelhaft sein, dass Shell-Boss Ben van Beurden dieses Bonmot kennt. Das Gefühl, das hinter diesem Spruch steckt, dürfte dem Vorstandschef des nach Umsatz größten Konzerns Europas jedoch spätestens seit dieser Woche seltsam vertraut vorkommen.

Bereits im Juli hatte Europas größter Energiekonzern eine Armada von 30 Schiffen und zwei Bohrinseln auf die Jagd nach Erdöl in der Arktis geschickt. Das Projekt galt als eines des ehrgeizigsten, das es in der Ölindustrie gab. Doch zwei Monate später ist nun klar: Das Milliarden-Vorhaben ist ein Flopp.

Im Bereich Burger J - etwa 150 Meilen von Barrow im Tschuktschensee - seien keine ausreichenden Mengen Öl und Gas gefunden worden, teilte das Unternehmen am Montag ernüchtert mit. Der Ölkonzern werde in „absehbarer Zeit“ die Suche nach Öl vor der Küste Alaskas beenden.

Es ist ein bitteres Lehrgeld, das der Konzern nun zahlt. Rund 4,1 Milliarden Dollar muss der Konzern jetzt abschreiben. Es zeigt, wie groß die Herausforderungen bei der Suche nach neuen Ölfeldern inzwischen sind: Umgerechnet 6,3 Milliarden Euro pumpte Shell in den vergangenen acht Jahren insgesamt in das Projekt – doch irgendetwas ging immer schief. Wegen des extremen Klimas bleiben Shell nur rund zwei Monate im Jahr, in denen die Tschuktschensee einigermaßen eisfrei ist. In der Gegend treiben Eisschollen im Meer, deren Fläche so groß ist wie die von Manhattan.

Jede Bohrsaison kostete den Konzern rund 1,4 Milliarden Dollar. Doch Shell hielt den Aufwand für angemessen. So vermuten Geologen in den eisigen Regionen um den Nordpol weiter 20 bis 30 Prozent der verbliebenen weltweiten Vorkommen – weshalb van Beurden trotz aller Widerstände von Umweltschützern an dem Projekt festhielt.

Van Beurden hat damit viel gewagt – und droht nun viel zu verlieren. Denn das Milliarden-Fiasko trifft den Konzern, der wie alle Branchengrößen unter einem schwierigen Ölmarkt leidet, zu einem heiklen Zeitpunkt.

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