Energie

Folgen der Branchenkrise
Solarunternehmen Conergy ist pleite

Der einstige Börsenstar hat den Kampf verloren: Das Solarunternehmen Conergy hat Insolvenz angemeldet, nachdem der erhoffte asiatische Investor ausblieb. Die Firmenspitze hofft aber, die Geschäfte weiterführen zu können.
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Düsseldorf Die Solarkrise hat ein weiteres Opfer: Das Hamburger Solarunternehmen Conergy ist pleite. Der einstige Börsenstar stellte am Freitag beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen kämpft seit Jahren ums Überleben. Auch eine für die Aktionäre schmerzhafte Umschuldung im Jahr 2011 brachte nicht die erhoffte Wende. Die schwere Branchenkrise machte die erhoffte Erholung zunichte.

Conergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte. In der knappen Mitteilung von Conergy am Freitag hieß es, die Unternehmensleitung sei unverändert zuversichtlich, im Rahmen des Insolvenzverfahrens mithilfe eines Investors eine Weiterführung des gesamten Geschäftsbetriebs zu erreichen. Die Aktie stürzte um zeitweise 68 Prozent ab.

Das Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen. Zuletzt zeigte sich jedoch eine leichte Aufhellung für die Hamburger, seit Jahresbeginn legte die Aktie sogar um mehr als 23 Prozent zu. Grund dafür war die Hoffnung auf einen Investor und leichte Anzeichen der Erholung bei dem Solarunternehmen.

Im vergangenen Jahr konnte Conergy seinen Verlust reduzieren. 2012 machte das Unternehmen nur noch ein Minus von 100 Millionen Euro, im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei 160 Millionen gelegen. Operativ hatte die Solarfirma 2012 70 Millionen Euro Verlust gemacht, nach einem Minus von 80 Millionen Euro im Vorjahr. Noch im März machte Konzernchef Philip Comberg den Anlegern Hoffnungen und stellte für 2013 deutliche Umsatzsteigerungen und sogar einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Aussicht.

Zuletzt bestand die Hoffnung, dass ein Investor die Firma möglicherweise rettet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag mit Berufung auf Insiderangaben berichtete, habe Conergy den Gläubigerbanken am Montag einen Investor aus Asien präsentiert, der die Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen soll.

Die Insolvenz von Conergy fügt sich in einen Strudel von Unternehmenspleiten ein, der inzwischen nicht nur deutsche, sondern auch chinesische Unternehmen erfasste. Erst im April hatte der chinesische Hersteller LDK Solar eingeräumt, dass er Probleme habe, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

Die Preisstürze in der Solarbranche waren in den vergangenen Jahren dramatisch, zeitweise brachen sie um bis zu 50 Prozent innerhalb eines Jahres ein. Das machte vielen Anbietern zu schaffen. Zudem hatten sich in der schnell wachsenden Branchen Überkapazitäten gebildet, die nun abgebaut werden.

Einige Unternehmen in Deutschland mussten bereits dicht machen, zuletzt Sovello aus Sachsen-Anhalt, auch die Bonner Solarworld ist in Bedrängnis. Auch große Unternehmen wie Bosch und Siemens haben sich jüngst aus der Solarkraft verabschiedet.

Die Pleite von Conergy betrifft alle wichtigen deutschen Tochtergesellschaften., dazu gehört auch die Modulfertigung in Frankfurt an der Oder. Das Unternehmen beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.

Mit Material von dpa und Reuters.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Es gibt keine funktionierende Speichertechnologie die bei dem Anfall von volatilem Strom (Zufallsstrom) auch nur im entferntesten wirtschaftlich wäre.
    In Bayern wird bereits die Hälfte des erzeugten Solarstroms an Österreich und die Schweiz füür 1-2 cent pro KWh verramscht, weil man ihn wegen fehlender Netze und Verbraucher sonst nicht los bringt.
    Inzwischen sind die ersten Fälle aufgetreten wo der Sonnenspitzen-Strom nach Österreich zu negativen Kosten von -10cent/KWh verkauft werden musste, man muss ihn ja den Subventionskraftwerksbetreibern gemäss EEG abnehmen auch wenn man ihn nicht brauchen kann.
    Die Dummen sterben nicht aus und die Bürger zahlen willig.

  • Will Herr Asbeck noch ein paar Schlösser kaufen, oder hat er im Sumpf sowas wie die alte V3 gefunden die auch die Wende bringen sollte , die aber die Deutschen vor 70 jahren nicht mher zum Einsatz brachten?

  • Zitat: "Das Ergebnis war ein Desaster"

    Sie halten den Untergang der Nazidiktatur in Deutschland für ein Desaster?

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