Energie

Frankreich verkauft Engie-Aktien Macron läutet den Ausverkauf ein

Frankreichs Präsident Macron lässt seiner Ankündigung Taten folgen: Seine Regierung beginnt mit dem Abverkauf von Staatsbeteiligungen und schlägt Aktien des Energieversorgers Engie los. Weitere Anteile sollen folgen.
12 Kommentare

„Macron erntet noch Hollandes Früchte, macht aber keine schlechte Figur“

„Macron erntet noch Hollandes Früchte, macht aber keine schlechte Figur“

ParisVorgewarnt hatte Finanzminister Bruno Le Maire schon im Juli: Staatsanteile an französischen Unternehmen sollen abgestoßen werden. Nun beginnt der Ausverkauf. Es wurden 4,5 Prozent der Anteile des Versorgers Engie verkauft, was rund 1,53 Milliarden Euro entspricht. Insgesamt sollen zehn Milliarden zusammenkommen, die in einen Fonds für Innovationsprojekte fließen. Le Maire betonte, Engie sei „die erste Etappe“. Namen der anderen Unternehmen, wo der Staat abspecken will, wurden bisher nicht genannt.

Präsident Emmanuel Macron löst damit ein Wahlversprechen ein, Minderheitsanteile an Unternehmen zu veräußern. Gefördert werden sollen damit Industrie- und Forschungsprojekte. Es sei eine Investition in die Zukunft, versprach er.

Der Verkauf der Staatsbeteiligungen ist ein zaghafter Anfang, um Geld für Investitionen einzunehmen. Aber immerhin der Beginn eines Umdenkens in Frankreich, weg vom Vater Staat als allmächtigem Versorger, hin zu mehr Privatinitiative. Bisher wurde Wirtschaftsprotektionismus in Frankreich großgeschrieben.

Renault, Airbus und Co. – bei welchen Konzernen Macron mitmischt
Regierung Macron
1 von 14

Die französische Regierung will in den kommenden Monaten damit beginnen, Anteile an Unternehmen abzustoßen. Es werde damit gerechnet, dass dabei zehn Milliarden Euro zusammenkämen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire. Sie sollten in Innovationsprojekte fließen. Der Steuerzahler werde sehen, dass das Geld „für die Zukunft und nicht die Vergangenheit“ ausgegeben werde. Der französische Präsident Emmanuel Macron (hier beim Besuch einer Schiffswerft) hatte im Wahlkampf angekündigt, Minderheitsanteile an Unternehmen zu veräußern.

EDF
2 von 14

An dem Energieversorger hält der Staat 83,4 Prozent, es ist der höchste Staatsanteil an einem Unternehmen. Die Börsenkapitalisierung beträgt 26 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs um 19,56 Prozent gefallen. Das ist der stärkste Verlust in diesem Zeitraum im Staatsportfolio noch vor Dexia. Das Unternehmen hat 159.000 Mitarbeiter. Im Bild zu sehen ist das Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg.

ADP
3 von 14

An dem Flughafenbetreiber hält der Staat 50,63 Prozent. Die Börsenkapitalisierung liegt bei knapp 14 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist die Aktie um 40 Prozent gestiegen. Zu ADP gehören unter anderem die Flughäfen Roissy Charles de Gaulle, der zweitgrößte in Europa, und Orly bei Paris (Bild). Die Gruppe hat 8900 Angestellte.

Areva
4 von 14

Am Atomkonzern Areva ist Frankreich mit 28,83 Prozent beteiligt. Der Börsenwert des Unternehmens liegt bei 1,7 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Wert um 23,68 Prozent gestiegen. Das Unternehmen beschäftigt 44.000 Mitarbeiter.

Engie
5 von 14

Der Energieversorger entstand 2008 aus der Fusion von Gaz de France und Suez. Frankreich hält derzeit 28,65 Prozent. Der Börsenwert beträgt 32 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Wert um 8,66 Prozent gefallen. Das Unternehmen hat 155.000 Mitarbeiter.

Thales
6 von 14

An Thales, Spezialist für Sicherheit, Militärtechnik und Luftfahrt, ist der Staat mit 25,97 Prozent beteiligt. Der Börsenwert beträgt 20 Milliarden Euro. Der Kurs ist innerhalb eines Jahres um 26,45 Prozent gestiegen. Das Unternehmen hat 62.000 Mitarbeiter.

Eramet
7 von 14

An dem Bergbau und Metallurgie-Unternehmen Eramet hält der Staat 25,66 Prozent. Der Börsenwert beträgt 1,1 Milliarden Euro. Der Kurs ist innerhalb eines Jahres um 33,29 Prozent gestiegen, allerdings nach einem starken Anstieg im Jahr 2016 um 92 Prozent seit Anfang 2017 um 23 Prozent abgerutscht. Eramet hat 13.000 Mitarbeiter.

Analysten hatten das Energieunternehmen mit den 155.000 Mitarbeitern bereits an erster Stelle der Verkaufsliste gesehen. Der Anteil an Engie, entstanden 2008 aus einer Fusion von Gaz de France und Suez, ist auf 24,1 Prozent zusammengeschrumpft. Der Staat hat allerdings immer noch 27,6 Prozent Stimmrechte, also mehr als ein Viertel.

Der Börsenwert von Engie beträgt 34 Milliarden Euro, innerhalb eines Jahres ist der Wert um 4,88 Prozent gefallen. Die Börse reagierte eher positiv auf den Verkauf der staatlichen Anteile, die Engie-Aktie stieg am Mittwoch zeitweilig um fast ein Prozent, was darauf hinweist, dass die Anleger nicht verunsichert wurden, wie es sonst oft bei Staatsverkäufen der Fall ist. Bei Engie hatte man schon damit gerechnet, der Verkauf wurde nicht besorgt aufgenommen.

Recht schnell könnten weitere Verkäufe folgen: Spekuliert wird darüber, dass Aktien von Renault mit einem Staatsanteil von 19,74 Prozent, Air France-KLM (17,58 Prozent), des Flughafenbetreibers ADP (50,63 Prozent) und des Telekomkonzerns Orange (13,45 Prozent) als Nächstes an der Reihe sein könnten. Premierminister Edouard Philippe kündigte an: „Die Verkäufe werden zu Bedingungen stattfinden, die für den Staat am interessantesten sind.“ Insofern ist es auch schwierig, eine Verkaufsliste vorher festzulegen.

Der französische Staat hält über die staatliche Behörde Agence des Participations de l´Etat Anlagen im Wert von rund 90 Milliarden Euro an 81 Unternehmen, davon an zwölf börsennotierten Unternehmen rund 65 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Gesamtwert der börsennotierten Anlagen um rund zehn Prozent gestiegen.

Der Staat engagiert sich in den Bereichen Transport, Energie, Service und Finanzen sowie Industrie. Frankreich hat unter anderem auch noch Anteile an Airbus, dem Atomkonzern Areva, am Versorger EDF, am Technologiekonzern Safran, dem Sicherheitsspezialisten Thales und am Bergbauunternehmen Eramet.

Durch den Verkauf kommt Geld in die leere Staatskasse, auch Macrons Vorgänger François Hollande hatte diese Quelle angezapft. Der schwerfällige französische Staatsapparat mit einer Staatsquote von fast 57 Prozent soll unter Macron zurückgefahren werden, um das Defizit zu reduzieren. Doch das braucht Zeit. Zehn Milliarden, die wieder neu in Zukunftsprojekte investiert werden, sind ein zaghafter Anfang.

Von linken Politikern gibt es an diesen als „Ausverkauf“ bezeichneten Staatsverkäufen immer wieder Kritik. Diese hielt sich aber in Grenzen, weil das Projekt nicht nur ein Wahlversprechen war, sondern auch seit zwei Monaten offen darüber kommuniziert wird, dass Verkäufe geplant sind. Das Prinzip wird ohnehin seit Jahrzehnten angewandt, wenn die Schulden zu sehr drücken. Da es sich um Minderheitsbeteiligungen handelt, ändert sich der strategische Ansatz in Bezug auf die Unternehmen nicht wesentlich.

Startseite

Mehr zu: Frankreich verkauft Engie-Aktien - Macron läutet den Ausverkauf ein

12 Kommentare zu "Frankreich verkauft Engie-Aktien: Macron läutet den Ausverkauf ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Privatisieren machen die Konzerne gerne. Unsere Autobahn gehört denen auch schon.

  • Die im Tafelsilber versteckten Rostgabeln sind leicht erkennbar. Jedenfalls für Leute , die mit 50 ihr Schäfchen im trockenen haben !

  • Frau Fliege belastet gerade den Luftverkehr vor meinem Monitor.

  • @ Herr Tomas Maidan06.09.2017, 14:31 Uhr

    Meine hochgeistigen, fachlich gut fundierten und dazu oftmals hochhumoristischen Beiträge so abzuqualifizieren! Nein, ich bin zutiefst enttäuscht!

    Zur Beruhigung: in Deutschland kann so ein Abverkauf von Tafelsilber an "Investoren" (die ja nur unser "Bestes" wollen nicht passieren, denn die Versorger hierzulande sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und die Energiewende ist ja praktisch bereits "Privatsache". Die Energiewende funktioniert so wie die Globalisierung: nützt wenigen, kostet den Rest.

  • Aber Herr Schreiberling, Sie sind doch mit nichts belastet oder ?

  • Man sieht, dass unsere Aktivisten von der AfD, (Spiegel, von Horn und Prinz), überhaupt keine Ahnung von Staat und Wirtschaft haben. Ideale Vorraussetzungen für unqualifizierte Zwischenrufe von der Oppositionsbank, oder noch besser im Bierlokal.

  • Man sollte alles verkaufen an die Investoren verkaufen, Wasser, Boden u.s.w. Eigentum belastet doch nur.

  • Ist doch ´ne super Idee. Der deutsche Staat könnte auch seine restlichen Anteile an RWE und EnBW, den Stadtwerken etc. und die Energiewende privatisieren, da kommen sicher ein paar Hundert Millionen zusammen.

  • Dann hoffen wir doch mal , dass sich die Aktieninvestoren um die Angebote reißen.

  • FRANKREICH VERKAUFT ENGIE-AKTIEN
    Macron läutet den Ausverkauf ein
    von:
    Tanja Kuchenbecker
    Datum:
    06.09.2017 12:29 Uhr
    Frankreichs Präsident Macron lässt seiner Ankündigung Taten folgen: Seine Regierung beginnt mit dem Abverkauf von Staatsbeteiligungen und schlägt Aktien des Energieversorgers Engie los. Weitere Anteile sollen folgen.

    .......................................

    IM PRINZIP IST ES RICHTIG DASS STAATEN AKTIEN PAKETE PRIVATISIEREN !!!

    FRAGT SICH ABER WOHIN DIE GELD ERLÖSE FLIESSEN WERDEN DIE AUS DIESEN VERKÄUFEN EINGENOMMEN WERDEN IN DER ZUKUNFT DANN !!!

    FLIESST DAS GELD IN DIE MARODE FRANZÖSISCHE STAATSKASSEN ???

    ODER WIRD FRANKREICH ENDLICH EUROPÄISCHER UNION SEINE VERPFLICHTUNGEN MIT DEN GELDER ÜBERNEHMEN UND DAMIT WIEDER NEUE FABRIKEN DER ZUKUNFT BAUEN UM DIE WIRTSCHAFT UND ARBEITSPLÄTZEN EUROPAS WIEDER AUF VORDERMANN ZU BRINGEN ???

    DANACH BEI LAUFENDE BETRIEB DER NEUE FABRIKEN KANN ES WIEDER PRIVATISIERT WERDEN !!!

    ALLES ANDERE IST NUR VERDECKTER AUSVERKAUF DES EIGENEN TAFELSSILBER !!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%