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Gaskonzern Gazprom will hunderte Stellen im Ausland streichen

Angesichts der Russland-Sanktionen will Gazprom offenbar im Ausland hunderte Arbeitsplätze streichen – und im Inland neue Stellen schaffen.
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Der russische Staat hält im Aufsichtsrat des Unternehmens die Mehrheit der Sitze. Quelle: Reuters
Gazprom

Der russische Staat hält im Aufsichtsrat des Unternehmens die Mehrheit der Sitze.

(Foto: Reuters)

MoskauDer russische Gasriese Gazprom will Insidern zufolge hunderte Arbeitsplätze im Ausland streichen und nach St. Petersburg verlagern. Betroffen seien Stellen in den Handels- und Exportbüros, darunter in Großbritannien, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von zwei mit der Sache vertrauten Personen. Die Entscheidung spiegele die Tendenz russischer Staatsfirmen wider, sich angesichts der Russland-Sanktionen aus dem Westen zurückzuziehen.

In Russland könne dieser Schritt als Schaffung von Stellen ausgegeben werden, das sei insbesondere vor den Präsidentschaftswahlen am Sonntag nützlich, sagte einer der Insider. Die Entscheidung sei allerdings schon Anfang des Jahres getroffen worden, lange vor dem Nervengift-Anschlag in Salisbury auf den Ex-Spion Sergej Skripal. Dieser sorgt derzeit für große Spannungen zwischen London und Moskau.

Gazprom erklärte, man könne sich noch nicht zur Zahl der betroffenen Stellen äußern. Der Konzern hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, seine Handels- und Exportbüros im Ausland neu aufstellen zu wollen, aber noch keine Details genannt. Dort beschäftigt das Unternehmen rund 2000 Menschen, etwa 1000 davon in London. Einem der Insider zufolge soll mit der Reorganisation die Zahl der Arbeitsplätze mehr als halbiert werden, die gleiche Zahl an Stellen soll dann in St. Petersburg geschaffen werden.

Hier baut Gazprom Europas höchsten Wolkenkratzer
Höchster Büroturm Europas
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Das Lachta-Center soll das neue Wahrzeichen von St. Petersburg werden. Mit 462 Metern wird Europas höchster Wolkenkratzer das historische Zentrum von Russlands nördlicher Metropole überragen. Gazprom, der größte Gaskonzern der Welt, zeigt mit dieser neuen Firmenzentrale seine Macht. In der Heimatstadt von Präsident Wladimir Putin wächst ein Symbol für ein neues Russland, wie er es gerne sieht: cool und kühn.

Schlanke, fünfeckige Silbernadel
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Im Frühjahr 2015 wurde nördlich des Zentrums im Stadtteil Lachta am Finnischen Meerbusen das Fundament gegossen. Vor einem Monat im Oktober überholte der Bau mit 374 Meter Höhe den bisherigen europäischen Rekordhalter, den Federazija-Turm in Moskau. Zum Vergleich: Deutschlands höchstes Hochhaus, der Commerzbank-Turm in Frankfurt, misst einschließlich Spitze 300 Meter. Schon jetzt ist das Lachta-Center vom weitem zu sehen – von der Ostsee wie von der Stadt aus. Als schlanke, fünfeckige Silbernadel schraubt es sich in den Himmel. Der Entwurf stammt von dem britischen Stararchitekten Tony Kettle, geplant hat das Moskauer Büro Gorproekt.

Fensterteile aus Deutschland
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Wie ein Wolkenkratzer aussieht, hängt vor allem von der Fassade ab, und die wird bei diesem russischen Prestigeobjekt von der deutschen Spezialfirma Josef Gartner aus Gundelfingen in Bayern erstellt. „Das ist ein Auftrag, der uns sehr geprägt hat in den letzten drei Jahren“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wax. Gartner gehört zum italienischen Baukonzern Permasteelisa, arbeitet weltweit und hat auch die neue Zentrale des Technikkonzerns Apple in Cupertino ) verglast. Außen- und Innenverglasung des Hochhauses messen 100.000 Quadratmeter, so groß wie 14 Fußballfelder. Dazu hat Gartner 16.600 Einzelelemente aus Aluminium, Stahl und kalt gebogenem Glas angefertigt.

Bau schreitet voran
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Am Turm arbeiten die Fassadenbauer auf vielen Etagen zugleich. Im zehnten Stock sind schon die Vorstandsbüros erkennbar, die Gazprom-Chef Alexej Miller und seine Kollegen einmal beziehen sollen. „Wir haben an zwei Stellen von unten und von der Mitte mit dem Verglasen begonnen“, sagt Projektleiter Ralph Damköhler. Derzeit müssen die Lücken geschlossen werden.

Blick durch die Wolken
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Der 77. Stock liegt an diesem Herbsttag im Nebel. Arbeiter in bunten Overalls, gesichert wie Bergsteiger, bugsieren über dem grauen Nichts die Fassadenteile an ihren Platz. Nur gelegentlich geben die Wolken den Blick in die Tiefe frei. Hochhäuser, Parks, das Fußballstadion Zenit-Arena sehen von oben wie winzige Modellbauten aus.

Widerstand in der Stadt
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Das himmelstürmende Hochhaus ist in St. Petersburg nicht unumstritten. Gazprom wollte den neuen Firmensitz erst mitten im Zentrum bauen, wo er die barocken Zarenpaläste und andere Architekturschätze in den Schatten gestellt hätte. Dagegen regte sich Widerstand in der Stadt, und auch die UN-Kulturorganisation Unesco meldete Bedenken an. 2010 entschloss sich Gazprom deshalb zu dem neuen Standort. Bauübergabe soll 2018 sein.

Nördlichster Wolkenkratzer der Welt
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„Wir sind sehr stolz auf unser Projekt“, sagt Sergej Nikiforow, der Chefingenieur des Bauträgers. Das Gebäude sei eine Herausforderung, denn es werde nicht nur Europas höchster Wolkenkratzer sein, sondern der nördlichste weltweit. Die Konstruktion sei ausgelegt, um Wind, Regen, Schnee und Eis im rauen Petersburger Klima zu trotzen.

Die russische Annexion der Krim löste eine Reihe von Sanktionen der USA und der EU gegen den Kreml und seine Unternehmen aus. Die Beziehungen verschlechterten sich weiter, nachdem Russland vorgeworfen wurde, sich in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt zu haben. Russische Staatsbanken wie die VTB und Unternehmen wie Rosneft haben seitdem ihre Präsenz im Westen zurückgefahren, während einige der engsten Verbündeten von Präsident Wladimir Putin, wie der Geschäftsmann Gennadi Timtschenko, ihre Vermögenswerte im Westen und Kapital nach Russland zurückgeführt haben.

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