Energie

Gaspreise Versorger geben Ersparnisse nur teilweise weiter

Verbraucher haben 2016 von sinkenden Gaspreisen nur teilweise profitiert. Die Versorger gaben die geringeren Beschaffungskosten nicht vollständig weiter – von 94 Euro Ersparnis kamen nur 70 Euro bei den Kunden an.
Update: 28.12.2016 - 11:34 Uhr 2 Kommentare

Warum Sie jetzt Ihren Gasanbieter wechseln sollten

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BerlinVerbraucher profitieren einer Studie zufolge nicht in vollem Umfang von sinkenden Einkaufspreisen für Erdgas. Auf den internationalen Märkten seien die Gaspreise 2016 erneut gesunken, aber die Anbieter hätten dies nur teilweise an ihre Kunden weitergeben, heißt es in einer Studie des Energieinformationsdienstes Energycomment, die unter anderem der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vorlag. Rund jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit demnach einer Erdgas-Zentralheizung beheizt.

Der Studie zufolge sind die Beschaffungskosten im Großhandel 2016 um 94 Euro gefallen. Davon gaben die Anbieter 70 Euro an ihre Kunden weiter. Das ist deutlich mehr als vor zwei Jahren - 2014 waren die Einkaufspreise laut Studie um 104 Euro gefallen, bei den Haushalten kamen davon aber nur 20 Euro an. Vergangenes Jahr gingen die Großhandelspreise um 34 Euro zurück, mit 28 Euro gaben die Anbieter davon das meiste weiter an die Verbraucher. Die Angaben beziehen sich auf einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden pro Jahr, die Umsatzsteuer ist nicht berücksichtigt.

So viel kostet Heizen mit Öl, Gas, Holz und Strom
Heizkostenvergleich – was ist normal?
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Ein Heizkostenvergleich mit Durchschnittswerten ist nur ein grober Anhaltspunkt, weil sich Gebäude, Heizverhalten und Verbrauch in jedem Einzelfall unterscheiden - und nicht zuletzt auch die Witterung. Die Angaben zu den Heizkosten beziehen sich deshalb auf einen Musterfall, nämlich ein freistehendes Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche. Dabei wurden vier Gebäudestandards verglichen, angefangen bei den Baustandards vor 1977 bis hin zum modernen Passivhaus. Der Energieverbrauch wurde mit Durchschnittswerten pro qm Wohnfläche angesetzt.
Quelle: energieheld.de; Stand: Mitte 2016

Gasheizung
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Durchschnittlich liegt der Energieverbrauch bei einer Gasheizung bei 160 kWh pro qm pro Jahr, das entspricht rund 16 Kubikmetern Erdgas oder 10,43 Euro im Jahr für jeden Quadratmeter. Aber zwischen den Gebäudetypen gibt es riesige Unterschiede: Altbauten benötigen 200 kWh pro qm und mehr, ein Passivhaus nur 15 kWh pro qm. In der Jahresrechnung macht einen Unterschied von 2500 Euro. Der Warmwasserbedarf wurde dabei nicht berücksichtigt.

Durchschnittlicher Energieverbrauch eines Einfamilienhauses mit Gas-Heizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²*a) * m² * (€/kWh)
Heizkosten
pro Jahr
Baujahr bis 1977 200 x 200 x 0,0694 €2.776 €/a
Baujahr bis 2002 100 x 200 x 0,0694 €1.388 €/a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0694 € 833 €/a
Passiv-Haus 15 x 200 x 0,0694 €208 €/a

Ölheizung
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Wer mit Öl heizt, muss schon tiefer in die Tasche greifen, denn im Bundesdurchschnitt muss er 11,83 Euro pro Quadratmeter im Jahr zahlen. Öl ist immer noch deutlich teurer als Gas und unterliegt zudem stärkeren Schwankungen. So kommt es, dass der Passivhausbesitzer im Jahr – wieder ohne Warmwasserverbrauch – im Jahr 261 Euro zahlt, der Eigentümer von 200 Quadratmetern Altbau schon 3480 Euro im Jahr berappen muss.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Ölheizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0873.480 €/a17,40 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0871.740 €/a8,70 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,0871.044 €/a 5,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,087261 €/a1,31 €/m²a

Pelletheizung
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Pellets aus gepressten Holzspänen sind der günstigste Energieträger für heutige Einfamilienhäuser – zumindest im Bundesdurchschnitt. Pro Quadratmeter Wohnfläche fallen im Jahr 9,22 Euro an. Selbst wer ein mehr als vierzig Jahre altes Haus besitzt, kommt im Durchschnitt noch mit 2300 Euro Heizkosten im Jahr aus. Nachhaltig ist diese Form des Heizens auch: Der nachwachsende Brennstoff Holz ist in der Gesamtbilanz klimaneutral, da nur so viel CO2 entsteht, wie vom Baum während seines Wachstums zuvor gebunden wurde.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Pelletheizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0576 €2.304 €/a11,52 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0576 €1.152 €/a5,76 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0576 €691 €/a3,46 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0576 €173 €/a0,86 €/m²a

Scheitholz-Heizung
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Alternativ zur Pelletheizung lässt sich auch mit Scheitholz ein Haus beheizen, etwa einem speziellen Brennofen oder mit einem wasserführenden Kamin, von dem aus das mit Feuer erhitzte Wasser durch die Heizkörper im Haus gepumpt wird. Pro kWh benötigt man dafür durchschnittlich 4,2 Kilogramm Scheitholz, die Kosten liegen bei 1,13 Euro. Der Jahresbedarf liegt dann bei alten Häusern bei rund 9,5 Tonnen, im Passivhaus genügen hingegen 720 Kilogramm. Pro Quadratmeter Wohnfläche entstehen Durchschnittskosten von 10,45 Euro im Jahr. Im Altbau fallen 13,06 Euro, im Passivhaus 0,98 Euro pro Quadratmeter pro Jahr an. Für das 200-qm-Haus summieren sich die Kosten im somit auf einen Betrag zwischen 196 Euro (Passivhaus) und 2600 Euro (Baujahr vor 1977).

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Scheitholz-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0653 €2.612 €/a13,06 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0653 €1.306 €/a6,53 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0653 €784 €/a3,92 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0653 €196 €/a0,98 €/m²a

Stromheizung (Nachtspeicher, Elektroradiatoren, Wärmepumpe)
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Früher waren sogenannten Nachtspeicherheizungen weit verbreitet, heute gelten sie als viel zu teuer. Stromheizungen sind heute vielmehr in Form von Wärmepumpen gefragt, die quasi Strom im Dauerbetrieb benötigen, um aus den Temperaturdifferenzen zwischen Außenluft und tieferen Erd-, Luft- und Wasserschichten Heizenergie zu generieren. Weil kaum ein Haus heute rein elektrisch beheizt wird, sind die Durchschnittwerte mit Vorsicht zu genießen. Durchschnittlich entstünden nämlich Kosten von 45,28 Euro pro Quadratmeter pro Jahr. Gemessen am unterstellten Energiebedarf entstehen im Musterfall für ein 200-qm-Haus so jährliche Ausgaben zwischen 861 Euro und 11.480 Euro im Jahr.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Elektro-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,28711.480 €/a57,4 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,2875.740 €/a28,7 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,2873.444 €/a 17,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,287861 €/a4,31 €/m²a

Die Ergebnisse zeigten hingegen, dass Gasimporteure, Gashändler oder Versorger in der Summe ihre Bruttomargen deutlich ausweiten konnten, schreibt Studienautor Steffen Bukold von Energycomment. Es könne nicht geklärt werden, welche Akteursgruppe am stärksten profitiere. „In einem gut funktionierenden Wettbewerb sollten sich die niedrigeren Einkaufskosten jedoch über kurz oder lang vollständig bei den Haushaltskunden bemerkbar machen.“

So sieht es auch die Umweltpolitikerin Bärbel Höhn von der Grünen-Bundestagsfraktion, die die Studie in Auftrag gegeben hatte: „Der Trend bei der Preissenkungen in den letzten beiden Jahren ist erfreulich und ein Anfang“, sagte sie. „Aber die stark gesunkenen Einkaufspreise beim Gas sind immer noch nicht gänzlich bei den privaten Haushalten angekommen.“ 2017 dürften Gaskunden daher weitere Preissenkungen erwarten oder sollten einen Wechsel des Gasversorgers in Betracht ziehen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDWE) wies dagegen darauf hin, dass der Endkundenpreis „nicht einmal mehr zur Hälfte“ von den Beschaffungskosten abhänge. „Auf externe Kosten wie die Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen hat der Gaslieferant keinerlei Einfluss“, sagte Stefan Kapferer, der Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Es gebe auch nicht „den einen Erdgaspreis“ an der Börse, da Unternehmen unterschiedliche Beschaffungsstrategien wählten.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Gaspreise: Versorger geben Ersparnisse nur teilweise weiter"

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  • Alle Zeitungen bringen diese "Nachricht". Offenbar hat niemend dieser Journalisten verstanden, dass wir in einer Marktwirtschaft leben. Jeder Anbieter von Autos, Kleidung etc kann den Preis verlangen, den er will. Ist der Preis zu hoch, kauft kein Verbraucher. Da auch bei Gas und Strom die Konkurrenz mittlerweile riesig ist, sind solche Artikel wiedermal nur linke Propaganda gegen die bösen Firmen, diesmal gegen kleine und große Energie-Anbieter, sonst am liebsten gegen große Konzerne, vorzugsweise aus dem teuflischen Amerika....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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