Energie

Gebeutelter Stahlkonzern
Die Dauerbaustelle Thyssen-Krupp

Vorstandschef Hiesinger krempelt den angeschlagenen Stahlriesen um. Doch die Krise von Thyssen-Krupp ist noch lange nicht ausgestanden. Hiesinger sucht etwa händeringend einen Käufer für das Pleitewerk in den USA.
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DüsseldorfBeim krisengeschüttelten Industriekonzern Thyssen-Krupp wird auch nach einem Verkauf des verlustreichen Übersee-Stahlgeschäfts keine Ruhe einkehren. Zwar dürfte Vorstandschef Heinrich Hiesinger Insidern zufolge zumindest das Werk in Brasilien bald an den heimischen Stahlkocher CSN abstoßen. Aufatmen kann der von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterte Konzern aber noch lange nicht.

Für das zweite Werk, die Anlage im US-Bundesstaat Alabama, muss Hiesinger noch einen Käufer finden. Zudem muss der Manager weitere Baustellen beseitigen: Den Konzern drücken hohe Schulden, er hat nur begrenzte Mittel für Wachstumsinvestitionen, die Frage einer Kapitalerhöhung ist nicht geklärt und auch das europäische Stahlgeschäft schwächelt.

„Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um den Konzern stabil und nachhaltig erfolgreich zu machen“, schrieb Hiesinger kürzlich den Beschäftigten. Auch nach den Verkäufen der Edelstahltochter Inoxum und der Stahlwerke in Amerika lebe der Konzern von der Substanz. „Unsere Strukturen sind nicht bezahlbar, unsere Geschäfte bringen nicht die Ergebnisse, die wir brauchen, um uns selbst zu finanzieren, geschweige denn Geld zu verdienen“, heißt es in dem Reuters vorliegenden Papier.

Hiesinger hat Thyssen-Krupp seit seinem Amtsantritt Anfang 2011 umgekrempelt. Er hat Geschäfte mit einem Umsatz von zehn Milliarden Euro abgestoßen, den Vorstand neu aufgestellt und die Mitarbeiter zu Kritik statt Duckmäusertum aufgerufen.

Ins Visier genommen hat Hiesinger nun auch das Herzstück des Traditionskonzern mit weltweit rund 150.000 Beschäftigten: die europäische Stahlsparte mit den weithin sichtbaren Hochöfen im Ruhrgebiet. Die gesamte Schwerindustrie mit Größen wie Arcelor-Mittal und Salzgitter ächzt seit über zwei Jahren unter der schwachen Nachfrage, Überkapazitäten und dem Preisdruck. Hiesinger will bei Steel Europe tausende Jobs streichen.

Der Betriebsrat zieht mit, zumal das Management auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten will. Doch der Frieden ist auf Dauer nicht garantiert. Schon setzt Hiesinger die Axt auch bei den Schreibtisch-Jobs an. 3000 der rund 15.000 Stellen in der Verwaltung sollen binnen drei Jahren wegfallen.

Zwei Milliarden Euro will Thyssen-Krupp bis 2015 einsparen. Das Desaster in Amerika, wo der Stahlkocher zwölf Milliarden Euro in den Bau neuer Werke in Brasilien und den USA versenkte, hat den Konzern in eine Existenzkrise gebracht. Das machen die nackten Zahlen deutlich: Die Anlagen stehen nach mehreren Abschreibungen nur noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr Thyssen-Krupp einen Verlust von fünf Milliarden Euro ein. Zudem drücken Schulden in der gleichen Höhe.

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Markt stellt sich auf Kapitalerhöhung ein

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  • TK hat zu lange auf Cromme gesetzt. Dessen Bilanz ist - auch wenn man bis in die 80iger zurückgeht - mitnichten gut, wie man so häufig hört (und es Cromme wohl gefallen würde). Er hat die Konsolidierung nicht zu Ende gedacht, sondern mittendrin in den Rückwärtsgang gewechselt. Zähneklappern war das Ergebnis.

    Hiesinger darf nun aufräumen. Schlimm, daß er mehr Getriebener ist als selber das Heft in der Hand zu halten. Und das geht noch einige Zeit so.

    Ich glaube, daß TK noch runde 3 Jahr benötigt, um auf die Beine zu kommen. Die Börse wird sich vorher darauf stürzen, da stehen alle für eine (Zwischen) Rallye in den Startlöchern. Für eine Kapitalerhöhung wird man das im Blick habe - von beiden Seiten.

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