Energie

Gebot für Innogy
RWE will grüne Tochter nicht nach Frankreich verkaufen

RWE, Deutschlands größter Stromversorger, steckt weiter tief in den roten Zahlen. Doch Spekulationen über einen Verkauf der grünen Tochter Innogy erteilt Konzernchef Rolf Martin Schmitz eine klare Absage.
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DüsseldorfMilliardenverlust, keine Dividende, Debatte um sein Gehalt - wenn Rolf Martin Schmitz am Dienstag zum ersten Mal als Vorstandschef die Bilanz von RWE auf der jährlichen Pressekonferenz in Essen vorstellt, muss er sich auf unangenehme Fragen gefasst machen. Vielleicht ist Schmitz deshalb ja sogar froh, dass die roten Zahlen, die sein Unternehmen am frühen Morgen meldete, von einer ebenso überraschenden wie vagen Spekulation überlagert wird: Angeblich plant der französische Energiekonzern Engie eine Übernahme der RWE-Ökostromtochter Innogy.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Bezug auf „informierte Kreise“ berichtet, Engie spreche mit Beratern eine Offerte für das Unternehmen durch, das an der Börse rund 17 Milliarden Euro wert ist. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium und es sei unklar, ob Engie überhaupt einen Vorstoß vage. Das Unternehmen wolle sich nicht äußern.

Schmitz wollte sich am Dienstag zu den Spekulationen nicht äußern. „Marktgerüchte“ kommentiere man grundsätzlich nicht. Der RWE-Chef betonte zwar, dass RWE immer „alle Optionen“ prüfe und man regelmäßig mit den unterschiedlichsten Marktteilnehmern im Gespräch sei. Er stellte gleichzeitig aber auch klar, dass er derzeit nicht das Plazet hat, die Mehrheit an Innogy abzugeben: „Wir haben einen Aufsichtsratsbeschluss aus Dezember 2015, der ist bekannt“, sagte Schmitz, „der gibt uns die Freiheit Innogy-Anteile bis auf 51 Prozent abzuverkaufen.“

RWE hatte Ende 2015 überraschend die Aufspaltung des Konzerns beschlossen. Im April 2016 lagerte der Konzern das Geschäft mit der Energiewende, also Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze, an die neu gegründete Innogy SE aus und konzentrierte sich selbst auf die konventionelle Stromerzeugung und den Großhandel. Im Oktober brachte RWE das neue Unternehmen an die Börse und hält seither noch 77 Prozent. Zwar will der Konzern in den kommenden Jahren weitere Anteile verkaufen, aber eben die Mehrheit behalten.

In Konzernkreisen gilt auch als unwahrscheinlich, dass Vorstandschef Schmitz im Aufsichtsrat jetzt schon eine Revision des Beschlusses durchsetzen könnte: Dort haben die Arbeitnehmervertreter und kommunale Aktionäre, die auch Standortinteressen haben, die Mehrheit. Andererseits ist ein allzu aggressiver Vorstoß von Engie ebenfalls unwahrscheinlich. Das Unternehmen will zwar bei den erneuerbaren Energien expandieren, ist aber noch zu 29 Prozent in Besitz des französischen Staates.

Dabei könnte RWE die Milliarden durch eine Übernahme von Innogy eigentlich gut gebrauchen. Das Unternehmens steckt tief in den roten Zahlen, wie aus dem Geschäftsbericht hervor geht, den der Konzern am Dienstag früh veröffentlichte. Dabei war die schlimmste Zahl keine Überraschung mehr: Unter dem Strich schloss RWE das Geschäftsjahr 2016 mit einem Verlust von 5,7 Milliarden Euro ab. Den gewaltigen Nettoverlust hatte der Energiekonzern aber schon vor knapp drei Wochen in einer überraschenden Ad-hoc-Mitteilung eingeräumt. Aber auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 23 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Jetzt soll aber der Abwärtstrend erstmal gestoppt sein. 2017 soll nach der Prognose des Konzerns beim Ebitda mindestens wieder der Wert von 5,4 Milliarden Euro erreicht werden , am besten soll es aber auf 5,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Das Nettoergebnis soll, bereinigt um Sondereffekte, wieder leicht zulegen.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt geht es darum, auf dieser soliden Grundlage RWE weiter zu entwickeln“, sagt Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. Schmitz hatte den Vorstandsvorsitz erst im Oktober nach dem Börsengang von Innogy übernommen. Der damalige RWE-Chef Peter Terium gab die Leitung des Mutterkonzerns an seinen Vize Schmitz ab und konzentrierte sich selbst auf die Führung von Innogy.

Die Stammaktionäre werden wegen der angespannten finanziellen Lage für 2016 wieder keinen Cent bekommen. Die Vorzugsaktionäre erhalten auch nur 13 Cent. Einige der kommunalen Aktionäre, die rund 24 Prozent der Stammaktien halten, protestierten zwar zunächst. Letztlich wurde der Vorschlag des Vorstands in der vergangenen Woche vom Aufsichtsrat aber einstimmig gebilligt. Für 2017 sollen sie aber wieder 50 Cent je Aktie bekommen – und das soll in den Folgejahren auch die Untergrenze sein.

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Harte Sanierungsaufgabe für Schmitz

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  • Sehr geehrter Herr Flauger, falls Sie auch Nicht-Fachleute erreichen wollen, könnten Sie die erwähnten 30 EUR/MWh Strompreis im Großhandel mal in Cents/kWh umrechen. Diese Einheit steht auf unseren Stromrechnungen. Dort steht auch eine 30. Nämlich 30 Cents/kWh. 30 EUR/MWh sind aber nur 3 Cents/kWh. Und im nächsten Artikel könnten Sie schreiben, wer so alles die verbleibenden 27 Cents/kWh = 90% einsackt....

  • @Rainer von Horn
    Werden jetzt mal in Zukunft genau beobachten, wann der Peter Terium, denn Absprung von Innogy macht...vor oder nach den Verkauf an die Franzosen?

  • Erneuerbare Energien sind einfach zu teuer, Herr Hofmann, und damit nicht MARKTFÄHIG, sondern nur in einem Schutz-Biotop planwirtschaftlicher Zwangssubventionen überlebensfähig. Und das bleibt so lange so, wie fossile Energien und atomare Energierohstoffe zu einem Bruchteil am freien Weltmarkt gehandelt werden.

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