Energie

German Pellets
Kurz vor der Insolvenz noch ein Eon-Kraftwerk gekauft

Die Zahlungsunfähigkeit des Brennstoff-Herstellers könnte auch Deutschlands größter Energiekonzern zu spüren bekommen. Kurz vor seiner Insolvenz hat German Pellets ein Kraftwerk in Belgien gekauft.

Wismar/DüsseldorfDie Pleite des Wismarer Holzverarbeiters German Pellets könnte auch Deutschlands größten Energiekonzern Eon beziehungsweise dessen Kraftwerksabspaltung Uniper treffen. German Pellets hat nämlich noch kurz vor der Insolvenz das 550-Megawatt-Steinkohlekraftwerk Langerlo nahe Genk in Belgien von Eon/Uniper gekauft, wie ein Uniper-Sprecher am Donnerstag bestätigte. Über das Geschäft hatte zuerst die „Wirtschaftswoche“ berichtet.

Seit Anfang Januar sei das Wismarer Unternehmen rechtmäßiger Eigentümer und damit auch Arbeitgeber der rund 100 Kraftwerksbeschäftigten, sagte der Uniper-Sprecher. Zum Kaufpreis und zu der Frage, ob German Pellets vor der Insolvenz noch gezahlt hat, machte der Sprecher keine Angaben. Uniper war Anfang des Jahres an den Start gegangen. In das Unternehmen mit rund 14.000 Beschäftigten hatte Eon seine konventionellen Kraftwerke abgespalten.

Laut „Wirtschaftswoche“ hatte German Pellets das Kohlekraftwerk auf Holzpellets umrüsten und so einen neuen Absatzkanal hinzugewinnen wollen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten nach der Pleite:

Was produziert German Pellets?

Das 2005 in Wismar gegründete Unternehmen stellt Holzpellets zum Heizen her - das sind gepresste Holzspäne (englisch: pellet = Kügelchen). Dafür können Abfälle, aber auch Stammholz verwendet werden. Durch das Pressen unter hohem Druck haben Pellets einen niedrigen Wassergehalt und eine hohe Dichte. Sie werden nicht nur in privaten Haushalten in speziellen Öfen oder Heizungen genutzt, sondern auch in Kraftwerken zur Herstellung von Strom und Wärme. Nach eigenen Angaben ist German Pellets der weltgrößte Pelletproduzent und -händler mit 650 Mitarbeitern.

Mit welchen Problemen hat German Pellets zu kämpfen?

Als anleihefinanziertes Unternehmen hat sich German Pellets Geld nicht bei Banken, sondern bei verschiedenen Anlegern geliehen. Denen wurden hohe Zinsen versprochen. Eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro, verzinst mit 7,25 Prozent, sollte zum 1. April zurückgezahlt werden. Doch dafür fehlt das Geld. Daher wollte German Pellets bei einer Gläubigerversammlung um eine Laufzeitverlängerung um zwei Jahre und einen um zwei Punkte niedrigeren Zinssatz bitten. Anlegervertreter empfahlen, dies abzulehnen, weil der Wert der Anteile nicht bekannt sei. Doch das Treffen wurde kurzfristig abgesagt - das Unternehmen ist insolvent.

Welche Folgen hat der Insolvenzantrag für die Anleger?

„Was der Insolvenzantrag für die betroffenen Anleger bedeutet, ist noch nicht absehbar“, sagt der Anlegervertreter Klaus Nieding, Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Die Kanzlei kritisiert, die betroffenen Anleger hätten kaum Chancen gehabt, auf die negative Entwicklung zu reagieren. Klar ist: Tausende Geldgeber fürchten nun um ihre Anlagen in zusammen dreistelliger Millionenhöhe. Und der Wert der Anleihen sank seit Jahresbeginn rapide auf weniger als zwei Prozent des Nennwertes. Schlecht sieht es auch für die Beschäftigten aus: Nach Angaben der IG Metall existiert bei German Pellets kein Betriebsrat – es könne damit weder Sozialplan noch Interessensausgleich geben.

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Alte Geschäftsführung behält große Teile der Verfügungsgewalt

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