Energie

Gewinneinbruch bei BP
Ratlose Ölmultis kämpfen gegen den Preisverfall

Der britische Ölkonzern BP gibt die Hoffnung auf eine schnelle Erholung des Ölpreises auf – und streicht seine Investitionen zusammen. Die dramatischen Zahlen sind auch ein schlechtes Omen für die Konkurrenten.
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LondonBob Dudley hat sich sicher andere Neuigkeiten gewünscht. Doch der drastische Ölpreisverfall hat dem BP-Boss erneut die Bilanz verhagelt. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn des britischen Ölmultis brach im dritten Quartal um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Die kürzlich erzielte Einigung auf eine Schadensersatzzahlung an die USA in Rekordhöhe schlug sich dabei noch einmal mit einer Sonderbelastung von 426 Millionen Dollar nieder, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Der einzige Lichtblick: Analysten hatten mit einem noch stärkeren Ergebnisrückgang gerechnet. Die Investoren konnte BP mit den Zahlen trotzdem nicht überzeugen: Die BP-Aktie rutschte im frühen Handel zeitweise um ein Prozent ins Minus. Denn der Ölpreisverfall setzt BP immer stärker zu. Bereits zum dritten Mal senkte der britische Konzern in diesem Jahr seine Investitionspläne für 2015. Geplant seien nun noch 19 Milliarden Dollar. Zuletzt waren noch knapp 20 Milliarden Dollar angepeilt worden. Bis 2017 wird inzwischen nur mit 17 bis 19 Milliarden Dollar pro Jahr kalkuliert.

BP ist in der Defensive. „Im vergangenen Jahr haben wir entscheidende Maßnahmen getroffen, um BP auf eine vorübergehende Schwäche des Marktes einzustellen“, erklärte Dudley in London. „Nun sind wir dabei, unseren finanziellen Rahmen auf das niedrige Preisumfeld auszurichten.“ Die Branche gibt damit ihre Hoffnungen auf eine rasche Erholung des Ölpreises auf.

Keiner könne wissen, wie lange der Preisverfall noch anhalte, klagte Rex Tillerson, der Vorstandschef von Exxon-Mobil, dem größten privaten Ölkonzern der Welt, kürzlich auf einer Konferenz in London. Seit dem Sommer 2014 hat sich der Ölpreis mehr als halbiert und der unerwartete Absturz hat die meisten Ölmanager auf dem falschen Fuß erwischt. Nach BP-Angaben betrug der Preis der Öl-Nordseesorte Brent im abgelaufenen Quartal durchschnittlich 50 Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 102 Dollar.

Der Branche steht die Schwemme des Billigöls bis zum Hals: Der globale Ölverbrauch steigt zwar, aber das Angebot hat eben noch deutlich stärker zugelegt. In den vergangenen Jahren ist vor allem die amerikanische Schieferölförderung stark gestiegen. Doch das Ölstaaten-Kartell Opec hat seine Förderung als Reaktion ebenfalls ausgeweitet.

Es ist ein Machtkampf, auf den die Ölmultis immer verzweifelter so reagieren, wie sie immer auf Krisen reagiert haben: mit Stellenabbau und Investitionsdrosselungen. So will der Energieriese Royal Dutch Shell im laufenden Jahr 6500 Arbeitsplätze streichen, die Investitionen um sieben Milliarden Dollar verringern und Unternehmenswerte in Milliardenhöhe verkaufen. Auch der Energieriese BP legte bereits den Rotstift an die Zahl seiner 84.000 Mitarbeiter an und kappte dabei vor allem im Bereich der Nordsee, wo sich zu derzeitigen Preisen kaum profitabel fördern lässt, weitere Stellen.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nachtrag:
    >"So sind die Reserven in Saudi-Arabien bis heute Staatsgeheimnis." <
    Vielleicht sind sie das aber aus einem ganz anderen Grund, als Sie vermuten.
    Haben Sie sich zu diesem Thema - jenseits aller "Peak-Oil-Spekulationen" - schon einmal eine ganz einfache Frage gestellt: Was würde es TATSÄCHLICH bedeuten, wenn Erdöl ein FOSSILER Brennstoff ist? Dazu aus dem bereits unten verlinkten Artikel:
    "Dann hat mir gegenüber jemand das Argument aufgestellt: Wenn man das größte Ölfeld der Welt nehmen würde, Ghawar in Saudi-Arabien, das 1948 entdeckt wurde, und berechnete die Barrel Öl, die Ghawar bis heute produziert hat, und stellte sich dann hypothetisch vor, dass man einen toten Dinosaurier umwandelte, dass man die Biomasse des Dinosauriers nehmen könnte, inklusive Knochen, 100 Prozent, 1 zu 1, und wandelte sie in Erdöl um, was natürlich niemand behaupten würde, dass das möglich ist, aber nur zu vermuten, dass man einen Würfel von komprimierten Dinosaurier-Überbleibseln bräuchte, der 19 Meilen breit, 19 Meilen hoch und 19 Meilen tief ist – um nur dieses eine große Ölfeld in Saudi-Arabien zu berücksichtigen."
    http://www.larsschall.com/2011/03/30/wir-sind-inmitten-einer-epochalen-tektonischen-verschiebung-%E2%80%93-teil-2/
    Wenn Sie nun ganz einfach Ihren gesunden Menschenverstand einschalten: Glauben Sie, dass das möglich ist??

  • @ Wolfgang Wüst
    >"Der globale Ölverbrauch ist nicht wirklich zurückgegangen. Vielmehr ist das Angebot an verfügbarem Öl gestiegen, ohne dass die Nachfrage mitgestiegen ist. "<
    Glauben Sie nicht alle Märchen der Mainstream-Ökonomen. Wir sehen hier in Wirklichkeit deflationären Preiskampf (Angebotserhöhung bei sinkender Nachfrage):
    "while for the most part of 2015, the move in the price of oil was a combination of both supply and demand, the most recent plunge has been entirely a function of what now appears to be a global economic recession..."
    http://www.zerohedge.com/news/2015-08-21/oil-crash-result-excess-supply-or-plunging-demand-answer-one-chart

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