Energie

Gläubigerverhandlungen
Sanierung von Solarworld kommt nicht voran

Die Gespräche zwischen Solarworld und den Banken laufen weiter, bisher allerdings noch ohne Ergebnis. Hochrangige Sanierungsexperten sollen das ändern. Die Bilanzkonferenz könnt dennoch vorerst verschoben werden.
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Düsseldorf/FrankfurtDas Ringen um das finanzielle Überleben von Solarworld zieht sich hin. Der Vorstandschef und Gründer des einstigen Aushängeschilds der deutschen Solarbranche, Frank Asbeck, sagte Reuters, es sei offen, ob die Verhandlungen mit den Gläubigern rechtzeitig bis zur Bilanzpressekonferenz in der kommenden Woche abgeschlossen werden könnten.

"Möglicherweise werden wir die Bilanz-PK verschieben", sagte Asbeck. Wenn es nichts zu berichten gebe, "macht auch eine Pressekonferenz keinen Sinn." In dieser Woche sind Finanzkreisen zufolge weitere Gespräche mit den Banken angesetzt.

Dazu haben sich das Unternehmen und seine Gläubiger den Rat hochrangiger Sanierungsexperten gesichert. Für Solarworld ist der prominente Anwalt Hans-Gerd Jauch aus der Kölner Kanzlei Görg unterwegs, um die Chancen für das Unternehmen auszuloten. "Hans-Gerd Jauch berät uns seit Monaten", bestätigte Asbeck am Dienstag. Jauch ist auch Insolvenzverwalter des Handelskonzerns Arcandor. Auch die auf Restrukturierungen spezialisierte Investmentbank Houlihan Lokey berate Solarworld.

Gläubiger von Solarworld haben Kreisen zufolge ihrerseits die ebenfalls auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierte Kanzlei Schultze & Braun engagiert. "Sie bereiten sich damit auf alles vor", sagte ein Teilnehmer der Verhandlungen.

Jauch gilt als Kenner des neuen, seit einem Jahr geltenden deutschen Insolvenzrechts. Er wollte sich zu seinen Plänen für Solarworld auf Anfrage nicht äußern. Das mit dem neuen Recht eingeführte Schutzschirmverfahren gibt Firmen - ähnlich wie im "Chapter 11"-Verfahren in den USA - die Möglichkeit, sich vor der Zahlungsunfähigkeit drei Monate lang vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen und derweil ihre Finanzen zu ordnen.

Solarworld ächzt unter einer Schuldenlast von einer Milliarde Euro. Zwei Anleihen über zusammen 550 Millionen Euro werden 2016 und 2017 fällig. Asbeck, der auch Großaktionär von Solarworld ist, hatte die Liquidität zuletzt auf 220 bis 230 Millionen Euro beziffert. Er hatte im Januar von den Gläubigern "gravierende Einschnitte" bei den Verbindlichkeiten gefordert, um das Überleben der Solarfirma zu sichern.

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  • Ich frage mich wirklich, wer hier noch Solarworld verteidigt?!
    Wenn Solarworld auf das EEG-Zwangsgesetz für ihr Abzocker-Solargeschäfte angewisen ist, wenn diese Abzockerfirma seit Jahren Verluste einfährt, wenn diese Abzockerfirma im Streit mit den Gläubigern liegt, wenn diese Abzockerfima ihre Bilanzveröffentlichung verschiebt, wenn diese Firma Insolvenzfachleute und Restrukturierungsfachleute angagiert...ja Herr Gott, dann liegt doch soviel im Argen, dass dies jedem halbwegs vernünftig denkenden Menschen ins Hirn springen sollte! Solarworld war nie auf dem Markt wirtschaftlich. Diese Abzockerfirma hat durch das Zwangs-EEG profitiert und uns deutschen Stromendverbraucher die poliitsch-künstliche Verteuerung des Strom zwangsaufgehalst! Und jetzt begeht diese Firma Insolvenzverschleppung und stellt sich gegen das Gesetz!

  • (Teil2)
    Ich gebe aber zu, dass die Auswahl an Produkten durch den Verbrauchen zuweilen doch sehr kurzsichtig vorgenommen wird. In der Tat gibt es einige chinesische Hersteller, die sehr „billig“ produzieren und dies schlägt sich dann natürlich auch in der Qualität nieder. Hier wundert es wirklich, dass Verbraucher meinen den letzten Cent bei der Anschaffung sparen zu können und sich dann wundern, wenn die Rendite nicht stimmt. Eine differenzierte Betrachtung tut hier Not.
    Meiner Einschätzung nach haben sich die deutschen Hersteller auf den Subventionen ausgeruht und verpasst innovativ zu sein – dies ist im übrigen kein Phänomen der Solarindustrie! 


  • Es ist überraschend, was man hier alles an Weisheiten lesen kann..... Zum einen kann man erfahren, dass Solarstrom „nahezu wertlos“ sei, das Akkupacks nur für einen Stromausfall nutzen und das die Verbraucher durch den Kauf von chinesischen Modulen minderer Qualität weniger Geld erhalten!
    Also, dass Solarstrom nahezu wertlos ist mag ich fast schon nicht mehr kommentieren – aber sei es drum. Die Solaranlagen haben in den letzten Jahren beinahe die gleichen Kosten wie der konventionelle Strom. Vor allem zahlen wir alle aktuell mal wieder durch unsere Steuergelder Subventionen an die Atomenergie. Leider werden diese Zahlungen nicht sichtbar. Auch die Subvention von Kohle sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden. Ich denke, wer meint, dass Solarenergie wertlos ist sollte noch einmal etwas mehr lesen!
    Die Akkupacks dienen bestimmt nicht zur Versorgung bei Stromausfall sondern dienen dazu die Stromnetze zu entlasten und die Eigenversorgung zu fördern. Damit sollen am Ende Stromspitzen abgefangen werden und durch einen Eigenversorgung ersetzt werden. Aber witziger Beitrag!
    Das chinesische Module minderer Qualität sind halte ich ebenfalls für ein Gerücht und doch sehr pauschal dargestellt. Die chinesischen Modullieferanten haben in den letzten Jahren qualitativ immer weiter auf- und überholt. Dies kann man in den diversen Solarzeitschriften nachlesen. Alleine Yingli hat ca. 1000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung und die Chinesen fördern die Ausbildung in diesem strategischen Bereich schon seit Jahren – Hierzu wurden eigens Studiengänge eingerichtet.
    (Teil1)

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