Energie

Halbjahreszahlen
Solarworld setzt auf das Ausland

Der knapp vor der Insolvenz bewahrte Solarkonzern Solarworld bestätigt den im Juli verkündeten reduzierten Verlust im ersten Halbjahr. Die Zahlen zeigen: Die Firma kehrt dem deutschen Markt immer mehr den Rücken zu.
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DüsseldorfFrank Asbeck hat offenbar wieder Grund, zu feiern. Laut Medienberichten hatte der Chef des Bonner Solarunternehmens Solarworld am Sonntag auf seinem Schloss in Remagen Besuch von der Polizei – wegen einem zu lauten Fest. Anlass war der Geburtstag des 54-Jährigen, die Halbjahreszahlen von Solarworld jedenfalls bieten keinen Grund für soviel Freude.

Das angeschlagene Unternehmen bestätigte am Mittwoch die bereits im Juli vorab verkündeten Ergebnisse für das erste Halbjahr. Demnach sanken die Konzernerlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 41 Prozent auf 201 Millionen Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern verringerte sich auf 69 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Minus noch bei 144 Millionen Euro.

Dass der stark verschuldete Solarkonzern noch nicht Insolvenz anmelden musste, verdankt er seinen Gläubigern. Die hatten Anfang August einem drastischen Schuldenschnitt zugestimmt und das Unternehmen so vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt.

Der Absatz von Solarmodulen ging im abgelaufenen Halbjahr um ein Drittel zurück. Vor allem in Deutschland verkaufte das Unternehmen viel weniger Produkte. Der Absatzrückgang von 61 Prozent entspricht nahezu dem allgemeinen Marktrückgang für Solaranlagen in Deutschland.

Als Reaktion auf die schwierige Lage in Deutschland entfernt sich Solarworld immer weiter von seinem Heimatmarkt. Erwirtschaftete das Bonner Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 noch 51,1 Prozent des Umsatzes im Ausland, waren es in den vergangenen sechs Monaten bereits 75,3 Prozent.

Asbeck machte wenig Hoffnung auf Verbesserung der Situation. „Die Lage bleibt vorerst schwierig“, teilte er in einem Brief an die Investoren mit. Bei der Sanierung helfen sollen nun erst einmal neben dem 55-prozentigen Schuldenschnitt weitere Finanzspritzen helfen. So will Asbeck aus seinem privaten Vermögen für rund zehn Millionen Euro Aktien nachkaufen. Zudem will ein Großinvestor aus Katar mit 35 Millionen Euro einsteigen und ein Darlehen in Höhe von 50 Millionen Euro geben.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Halbjahreszahlen: Solarworld setzt auf das Ausland"

Alle Kommentare

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  • @solary714
    Ich hatte mit Herrn Asbeck beruflich zu tun, bin kein Angestellter von Solarworld und ich kann Ihnen versichern, dass er ein intelligenter und eloquenter Mensch ist, der sehr bestrebt ist, das beste für seine Mitarbeiter, dem Unternehmen, den Aktionären und Investoren herauszuholen und natürlich auch für sich. Ich denke, das ist ganz normal und absolut verständlich. Völlig asketische, nur an andere denkende Unternehmerpersönlichkeiten finden Sie nur noch auf der Insel Sylt bei Herrn Gosch (gleichnamige Restaurant-Kette), der als Millionär mit einem VW Golf Comfortline herumfährt und seine Mitarbeiter überproportional gut bezahlt. Ich finde das eíne, wie das andere gut! Herr Asbeck gehört eben zu denen, die auch leben wollen- find ich auch ok! Er denkt aber auch andere und ist kein Egoist!!! Das es jetzt so weit mit seinem Unternehmen gekommen ist, haben viele zu verschulden- er auch, aber eben nicht nur er!! Die Banken und so mancher Politiker, das kann ich Ihnen versichern(!!), haben auch ihren entscheidenden Beitrag geleistet, so dass es zu dieser Situation erst kommen konnte. Ich finde, er zieht die richtigen Schlüsse und er wird sein Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wenn nicht, dann ist es eben so.

  • @solary714
    Ich finde Ihre Argumentation erstmal sachlich. Das ist die beste Voraussetzung um ein vernünftigen Dialog zu führen. Sie haben natürlich Recht. Die Bestrafung mit einem Jahr Gefängnis ist eher als die Höchststrafe anzusehen, in der Regel- und ich weiß sehr genau wovon ich spreche- wird eine empfindliche Geldstrafe verhängt. Nun gut, lassen wir das. ich habe gar nicht die Zeit, irgendwelche komischen Kommentare nachzuverfolgen. Im Prinzip ist das aber möglich! Nur gut, das die Handelsblatt-Redaktion diesen hässlichen Beitrag gelöscht hat. Übrigens, die Bezeichnung "dick" ist auch eine Herabsetzung, besser wäre "beleibt"- ist aber juristisch nicht relevant.

  • Ob Asbeck ein mutiger Mann ist oder nicht kann ich persönlich nicht beurteilen. Unternehmerisch hat er eine ganze Weile großartiges geleistet. Die EU Politik aber als einziges Kriterium für den Zustand des Unternehmens Solarworld zu nehmen ist doch reichlich kurzsichtig.
    Ein "super" Unternehmer hätte ein Unternehmen rechtzeitig auf die sich ändernde Situation eingestellt und auch frühzeitig die richtigen Entscheidungen getroffen, um einen Fall zu verhindern. Asbecks "Gejammer" das die Chinesen und die EU Schuld sind am Zustand der Solarworld kann -meiner Meinung- keiner mehr hören! Mag sein, dass er vielleicht sogar Recht hat - nichts desto trotz ist die Aufgabe eines CEO dies rechtzeitig zu erkennen und für sein Unternehmen zu lösen.
    Es gibt einige besonders gute Beispiele in der Wirtschaft wie dies andere "super" Unternehmer gelöst haben! Das Asbeck das tote Pferd "Subvention" immer noch reitet zeigt mir, dass er als Unternehmer nicht in der Lage ist, dem Unternehmen zu helfen wieder gesund zu werden! Er ist für mich der falsche Mann am falschen Ort zur falschen Zeit - er hat vieles gut gemacht aber nun ist seine Zeit abgelaufen.
    Ihr Aufruf "Weiter so, Herr Asbeck!!!" meinen Sie hoffentlich nicht wirklich ernst - 20 Mio. Euro pro Monat zu verbrennen kann nicht das Ziel eines Unternehmens sein - zumindest nicht auf Dauer!

    Der letzte Beitrag im Express zum Thema Asbeck's Geburtstag in dem er meinte, dass "seine Kids" dafür verantwortlich seien, dass die Musik so lange so laut aufgedreht war und die Nachbarn auf der gegenüberliegenden Rheinseite wohl gestört haben. Fand ich doch bezeichnend - er hat entweder seine Kinder nicht im Griff oder er trägt nicht die Verantwortung. Dies hat mich doch nachdenklich gemacht, ob dieser Mann überhaupt noch in der Lage ist ein solches Unternehmen zu lenken......! Wir werden sehen - wann Qatar das Steuer übernimmt!

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