Energie

Handelsblatt Energietagung
Das Ringen um den Klimaschutz

Wenn Deutschland so weiter macht, wird es seine selbst gesteckten Klimaschutzziele bis 2020 nicht erreichen. Angesichts dieser Entwicklung tritt auch wieder eine längst tot geglaubte Technologie in die Diskussion.
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BerlinDie Bundesregierung wird nach heutigem Stand ihr CO2-Einsparungsziel für 2020 nicht erreichen. Falls es wirklich soweit kommt, wäre das für Deutschland, das lange als Vorreiter auf dem Gebiet des Klimaschutzes galt, ein schwerer Schlag. Dementsprechend wird nun händeringend nach Möglichkeiten gesucht, die Ziele doch noch zu erreichen – auch und vor allem mit Hilfe der Energiewirtschaft.

„Energiepolitik ist untrennbar mit dem Klimaschutz verbunden“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bei der Handelsblatt-Energietagung in Berlin. Klimaschutz gebe es nicht zum Nulltarif. Aber er biete auch eine Chance für Unternehmen, die sich etwa auf dem Gebiet der Erneuerbaren unterwegs sind.

Hendricks geht davon aus, dass sie die Bundesländer von einer steuerlichen Förderung der Gebäudesanierung überzeugen kann. Sie sei „sehr zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingen wird, eine Regelung mit den Ländern zu finden, wie effiziente Sanierungsmaßnahmen steuerlich gefördert werden können“, sagte sie dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe).

„Denn am Ende profitieren die Kommunen vor Ort davon: Jeder Euro, auf den der Staat hier verzichtet, löst umgekehrt ein Vielfaches von Investitionen und damit zusätzlicher Beschäftigung aus.“ Sie kündigte an, das Aktionsprogramm Klimaschutz konsequent umzusetzen und zu „zeigen, wie wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können“, sagte die SPD-Ministerin.

Hendricks brachte die Sprache auch auf eine Technologie, die in Deutschland längst zu den Akten gelegt wurde: CCS, die dauerhafte Speicherung von klimaschädlichen Gasen. „Unter Klimagesichtspunkten dürfen wir die CCS-Technologie nicht einfach vollständig ablehnen“, sagte Hendricks. Darauf habe sie auch im Umweltausschuss im Dezember hingewiesen. Zumindest die von Deutschland ins Ausland exportierte Kohletechnologie müsste CCS-fähig sein.

Mit ihrem Hinweis auf den Nutzen der Kohlespeicherung für den Klimaschutz traf sie auf breite Zustimmung. „CCS ist eine wunderbare Technologie“, sagte Rolf Martin Schmitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei RWE. Beim Klimaschutz solle man sich am Ziel orientieren und nicht auf eine Technologie festlegen.

Für den Essener Energieversorger wäre die Einführung der CCS-Technologie in Deutschland ein Glücksfall, hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) doch sogar damit gedroht, Kohlekraftwerke, von denen der Konzern schließlich einige hat, wegen ihrer hohen Belastung für das Klima abzuschalten.

Unterstützung bekommt er dabei von der Umweltschutzorganisation BUND. „Wir plädieren dafür, dass wir in den Ausstieg aus der Kohle einsteigen müssen und zwar beginnend mit der Braunkohle“, sagte deren Vorsitzender Hubert Weiger.

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Kontroverse Debatte über CCS-Technologie

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  • Klimaschutz ist untrennbar mit der Energiewende verbunden. Und hier ließe sich einiges verändern.
    So gibt neuartige Pumpspeicher mit schwimmenden Speicherteilen, die überall eingesetzt werden können und vernetzt nicht nur mittellastfähig, sondern zeitweise so gar grundlastfähig wären. Zudem haben sie gegenüber Kohle-Kraftwerken gravierende Vorteile. Einmal mit Wasser gefüllt, benötigen sie zum Antreiben ihrer Pumpen lediglich elektrischen Strom aus regenerativer Energie. Etwaige Inspektions- und Reparaturkosten sind äußerst gering. Diese sind bei Kohle-Kraftwerken, aber auch bei Gas-Kraftwerken aufgrund der extrem hohen Temperaturen wesentlich umfangreicher, zumal Reinigungsarbeiten und das Wechseln der Filter mit eingeschlossen werden müssen. Zudem benötigen Kohle-Kraftwerke ständig Wasser in größeren Mengen. Der wichtigste Nachteil aber ist ihr stetiger Kohle-Verbrauch. Dieser führt zu Folgekosten, die über Jahre gerechnet, die Baukosten eines Kohle-Kraftwerks übersteigen können. Hinzu kommen die Kosten für CO2-Zertifikate sowie die Kosten für den Umweltschutz.
    Alle Kosten machen eines deutlich, die Gewinnung elektrischer Energie durch Kohle-Kraftwerke ist unrentabel und wird zukünftig noch unrentabler werden.

    Ein weiterer Aspekt, Kohle-Kraftwerke belasten durch Feinstaub und Schwermetalle in hohen Maßen die Gesundheit der Menschen. Pumpspeicher mit schwimmenden Speicherteilen dagegen sind umweltfreundlich, erzeugen keine Emissionen und verursachen nur marginale Betriebs- und Reparatur-Kosten. Ihre Kosten- und Umweltvorteile gegenüber Kohle-Kraftwerken sind enorm.

  • Windkrafträder sind unsere Zukunft, so unsere Politiker und experten. Nur bei Windstärke"2" müssen sie abgeschaltet werden, da zu größe Gefahrenlage. Böse Wetterexperten vertbreiten aber of Windstärke mehr als 2. Alles nur Versagen, Lügner???? Wieso gibt es in Deutschland keine Fachleute mehr? Haben wir alle vertrieben??

  • Womit haben wir diese(n) MinisterIn verdient? Gab es wirklich sonst niemand? Wenn man ih(r)m einen alten Parka anzieht, und eine 2l- Flasche Frizzantino in die Hand drückt, würde sie auf keinem Bahnhofsvorplatz auffallen.

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