Energie

Handelsblatt-Energietagung
Stromspitzen den Wind aus den Segeln nehmen

Ob an Land oder auf hoher See: Windenergie boomt. Damit das so bleibt, will die Industrie die Kosten drücken – mit Windrädern, die den Kölner Dom überragen, zur Netzstabilität beitragen und stetig mehr Ertrag bieten.
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BerlinAndreas Nauen plagt ein paradoxes Problem. Der Chef des Hamburger Windturbinenherstellers Senvion weiß: Entscheidend dafür, ob Kunden bei ihm oder der Konkurrenz einkaufen, ist neben dem Preis, die Frage, wie viel Strom seine Anlagen maximal produzieren können. Das kann eigentlich nie genug sein. Mehr Ertrag heißt schließlich mehr Gewinn. Doch mit dem stetig steigendem Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion kann zu viel Leistung zum Problem werden.

An Tagen, an denen in Deutschland der Wind kräftig bläst und die Sonne scheint, wird mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert als verbraucht. Um die Netze vor Überlastung zu schützen, müssen die Betreiber von Windparks ihre Anlagen oft zwangsweise abschalten. Wenn sich die Windräder nicht drehen, bleiben aber auch die Profite aus. Nauen verspricht Abhilfe.

Senvion arbeite an Turbinen, die Windstrom stabil ins Netz einspeisen, sagte der Manager am Mittwoch am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien in Berlin. Stromspitzen sollen so geglättet werden und damit eine netzausgleichende Wirkung entfalten. „Wir testen die Technik der Zukunft aus“, erklärte Nauen und blickte angesichts weiterer technologischer Trends hoffnungsfroh nach vorne.

Rückenwind verleihen ihm dabei die rosigen Marktprognosen für sein Geschäft. Alleine an Land dürfte sich die installierte Leistung von Windenergie bis 2020 weltweit mehr als verdoppeln. Auf hoher See erwarten die Marktforscher der britischen Firma Global Data sogar ein noch rasanteres Wachstum. Bis Ende des Jahrzehnts könnte sich die jährlich neu installierte Leistung aus Offshore-Windkraft auf 40 Gigawatt verfünffachen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von fast 30 Prozent.

Vorrausetzung dafür, dass die blendenden Vorhersagen Realität werden, ist allerdings eine stetige Kostenreduktion. „Heute können wir Offshore-Windparks schon zu Kosten errichten, die um 40 Prozent unter den Errichtungskosten von vor fünf Jahren liegen“, sagte Michael Lewis dem Handelsblatt. Der Manager, der bei Eon das Windgeschäft verantwortet, sieht aber noch ein enormes Potenzial die teure Technologie weiter zu verbessern, etwa bei den Fundamenten.

Während aktuell noch riesige Hämmer benötigt werden, um die Pfähle auf denen die Türme und Rotoren der Windanlagen auf hoher See ruhen, in den Meeresboden zu rammen; könnte dieser Schritt auf lange Sicht entfallen. Die Industrie arbeitet an schwimmenden Fundamenten, die zwei Vorteile brächten: Die Anlagen ließen sich dadurch auch unkompliziert in tieferen Gewässern errichten und die Probleme beim Umwelt- und Tierschutz würden entfallen.

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Windräder höher als der Kölner Dom

Kommentare zu " Handelsblatt-Energietagung: Stromspitzen den Wind aus den Segeln nehmen"

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  • @ Jo Ho
    Der Friedensnobelpreisträger hat auch gerade die "Führungsstärke" der Kanzlerin in der aktuellen Flüchtlingsdebatte gelobt. Ich finde das gelinde gesagt bemerkenswert, denn während Deutschland in diesem Jahr wohl mit 800.000 US-Kriegsvertriebenen und Handlungsreisenden beschäftigt ist, hat Nordamerika im letzten Jahr gerade mal knapp 2.300 Syrern (wahrscheinlich mit gutem finanziellen Hintergrund) Unterschlupf gewährt. Ansonsten folgen die USA nicht dem deutschen Vorbild, das sie da loben. Komsich oder? Unsere amerikanischen Freunde haben wohl eher ein Interesse daran, Eurpopa mit allerlei "Projekten" zu beschäftigen, damit wir wirtschaftlich nicht zu konkurrenzfähig sind, daher sollten sie auf diese Aussagen nicht allzu viel geben.

  • @Herr Reiner Vogels

    Dieser ganze "Klimaschutz" ist völlig falsch aufgezogen (NULL Markt) und basiert eben auf Zwangsabgaben, gegen die der Bürger sich nicht wehren kann. Dass dann im Windschatten der Zwangsabgabe immer neue Industriezweige entstehen, sollte einen nicht wundern. Die riesige Fehlallokation von Kapital auch nicht. Mich erinnert das an den Immobilienboom in den neuen Bundländern nach der Wende: komplette Fehlinvestition, staatlich initiert.
    Und dort, wo Subventionen n fliessen, da blüht auch der Missbrauch. Lesen Sie diesen Welt-Artikel mal hier.

    Da werden in der Ukraine und in Russland riesige Mengen klimaschädlichster Gase (11.700fache Wirkung!) produziert, nur um sie später wieder zu vernichten und über CO2-Zertifikate groß abzukassieren:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article145595644/Dreister-Missbrauch-wirft-Klimaschutz-zurueck.html

    Zitat:
    "Mit dem Geschäft hat das Unternehmen das Klima stärker geschädigt, als es alle Bürger Berlins in einem ganzen Jahr tun."

    Ist schon toll, was mit unseren CO2-Steuern so alles fürs Klima gemacht wird....LOL.

  • Sie sprechen/schreiben mir aus der Seele.

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